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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 137

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 137 (sequence 33)
Language
German
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Eine Mischehe. 137 In den meisten Fällen allerdings schließt der Roman zwischen einer Banerdirne und einem jüdischen Junggesellen mit einem Uebertritt des letztem znm Christenthum, welcher Ceremonie hierauf die zweite, nämlich die Hochzeit, folgt, wo ihr nicht schon eine andere, eine Kindstaufe nämlich, vorangegangen ist. Mitunter aber beginnt solch ein Liebesverhältnis bei welchem das Naturgesetz auf die Confession keine Rücksicht genommen hat, und wird auf andere Weife als durch den „Pater Kaplan" beschlossen. So war es auch mit Rofarka aus Zidovice und dem Joseph aus Zebus, welcher diesseit der Elbe den Namen Pepik trug. Die Geschichte dieser Liebe ist eine sehr einfache. Sie sahen sich, tanzten miteinander, liebten sich und schwuren einander anzugehören. Pepik trieb Handel mit rumburger und warnsdorfer Maaren, ernährte sich und seine alte Mutter, deren einziges Kind er war, ganz anständig, machte ihr auch kein Hehl aus seiner Liebe, welche die alte' Frau nur in dem einen Stück misbilligte, daß sie entschieden gegen einen Uebertritt Pepik's zum Christenthum protestirte. Die Mutter Rosarka's that dem Herzen ihres Kindes keinen Zwang an, um so weniger, da sie sich die Geschichte ihrer eigenen Liebe immer vor die Seele hielt, und Mach überdies sich in allen Punkten mit der Bewerbung Pepik's aus Zebus einverstanden erklärt hatte. Auf die Frage, was daraus werden sollte, wußte allerdings niemand eine Antwort. Man ließ auch diese Frage soweit es thunlich war, unberührt, bis endlich ein Umstand eintrat, der mit aller Gewalt zu einer Entscheidung drängte. Einige Wochen nach dem Kirchweihfeste machte nämlich Rosarka ihrer Mutter eine Entdeckung, welche diese wieder ihrem frühern Geliebten und jetzigen Freunde, dem Invaliden Mach nicht verschweigen konnte, und dieser letztere hatte die Aufgabe übernommen, so schonend als möglich den wackern Pepik aus den gegenwärtigen und auf Hilberg's Jllustrirte Monatshefte, l, 2. — Mai I86.R den muthmaßlich künftigen Stand der Dinge aufmerksam zu machen. Und jetzt erst gesellte sich die Sorge zu den vier Menschen, die bisher in harmlos innigem Einvernehmen, in ungestörter Zufriedenheit zusammenlebten. Rosarka hatte schon .lange vor Sonnenaufgang ihr Lager verlassen, sich sonntäglich geputzt und stand, jetzt eine Ruderstange in der Hand haltend, vor der Dhür ihres Häuschens. Dieses lag hoch oben auf dem Kalksteinfelsen und beherrschte die Aussicht über die Elbe stromabwärts und aufwärts bis gegen den„Ostrov" hin. Die jenseitige Üfersläche, welche sich etwa eine Stunde weit bis an den Fuß der ersten Hügelkette des Mittelgebirges hinzieht, konnte man von dem Häuschen aus nach allen Richtungen hin überschauen, und dem beobachtenden scharfen Äuge entging kein Wanderer, gleichviel von welcher Richtung her er dem Strome zuschritt. Die ausgehende Sonne hatte Rosarka's Gemüth feierlich gestimmt; noch lange bevor die Betglocke im Dorfe ihr das Zeichen gab, kniete sie nieder und flehte in heißem Gebete den Lenker der Welten um Schutz für ihre Mutter, ihren Geliebten, für sich und ein anderes Wesen an, dem sie das Leben geben sollte. Rosarka war so schön wie einst ihre Mutter, die weit und breit im Elbethal bekannt und berühmt war, und wer das voll erblühte, von Purpur übergossene und dabei von andächtiger Hingebung, Milde und Liebe widerstrahlende Gesicht sah, der konnte es wol begreifen, daß ein Mann von nur irgendwie empfänglichem Gemüthe alle Vor- und Rücksicht vergessen und für dieses Frauenbild in Leidenschaft entbrennen konnte. Plötzlich zuckte eine freudige Regung im Gesichte Rosarka's. Sie erhob sich schnell und schoß flüchtig wie ein Reh in weiten Sätzen zum User hinab. Im Nu war der angekettete Kahn losgemacht, und obgleich Rosarka mit erstaunlicher Kraft und Gewandtheit das Boot führte, brauchte sie doch, trotz des niedrigen Wasserstandes, bei der starken io

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