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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 136

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 136 (sequence 32)
Language
German
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136 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Hochstiste zu Frankfurt a. M. zum Ehrenmitgliede und Meister erwählt und am Ende desselben Jahres vom König Wilhelm von Preußen mittels Ordre vom 12. Dec. 1864 zum Ritter des Kronenordens ernannt wurde. Auch von dem regierenden König Johann von Sachsen und dessen Vorgänger Friedrich August ward er mehrfach ehrenvoll ausgezeichnet. Ferner ist Fürst unter anderm Ehrenmitglied der Lmorioan Oriental Looiet^. — In seiner gegenwärtigen Stellung an der Leipziger Universität liest er meistens hebräische Grammatik, Exegese, Chaldäisch, Syrisch, Geschichte der hebräischen Literatur u. dgl. Fürst ist verheirathet und sein einziger Sohn, ein talentvoller junger Mann, Doctor der Medicin. Etne Kchche. Novelle von Karl Schram. II. ) s war an einem frühen Juni- - morgen des Jahres 4845. .Die Sonne war soeben hinter dem Libocher Berg aufgetaucht und vergoldete mit ihren ersten Strahlen die waldbekränzten Gipfel des dunkelblauen Mittelgebirges. Da drüben jenseit der Elbe, wo die blauen Berge sich im weiten, weiten Halbkreise bis nahe an das Riesengebirge hiyziehen, da wohnen die regsamen industriellen Deutschen, welche die Producte ihres Fleißes nach allen Theilen der Welt hinführen. Dort hinter dem spitzen Berge liegt Böhmisch- Leipa; weiter rechts Haida, mit den weitausgedehnten Kattun- und Glasfabriken, und von Leitmeritz angefangen bis gegen Kosmanos hin, wo schon das böhmische Element sich mit dem deutschen vermischt, da ist Stadt an Stadt und Ort an Ort, von deutschen Fabrikanten und Juden bewohnt, welche letztere, wo sie nicht selbst Fabrikanten sind, den Handel in das böhmische Flachland, in das österreichische Inland und in das deutsche und außerdeutsche Ausland vermitteln. Böhmische Juden haben Glasniederlagen in Spanien und in Konstantinopel, böhmisches Linnengewebe wird von böhmischen, Juden nach London, Paris, Neuhork, Lissabon und Alexandrien gebracht. Aber auch böhmischeJudensind es, welche die Producte der Agricultur des von Czechen bewohnten Flachlandes im Auslande verwerthen. Die bömischen Juden haben den Grund zum Nationalreichthum Böhmens gelegt, und doch ist, wo nicht etwa in Rom oder in Tirol, in keinem Lande und von keinem Volke der Welt der Jude so wenig geliebt und so wenig geachtet wie unter den slawischen Bewohnern Böhmens. Doch irrt man sich im allgemeinen, wenn man glaubt, daß der czechische Bauer dem Juden übel wolle. Der Judenhaß wurzelt vorzugsweise im „gebildeten" Czechenthum, soweit Czechenthum und Bildung sich verträgt. Das judenhassende Proletariat ist nur in Prag und den andern großen Städten Böhmens zu finden, wo der Judenhaß sich zu einer Art von Cultus ausgebildet hat und durch die betreffenden politischen und socialen Elemente fortwährend genährt und sorgfältig gepflegt wird. Der Landmann, ich wiederhole dies mit besonderm Nachdruck, wo er nicht etwa ein Trunkenbold oder Faulenzer ist und vielfach mit Wucherern und anderm Gesindel zu thun hat, hat sich im Lause der Jahrhunderte derart mit dem Juden befreundet, daß dieser ihm geradezu unentbehrlich ist. Der Bauer respectirt den jüdischen Ritus, wo dieser noch aufrecht erhalten wird, der Bauer stört den Juden in seiner Andacht nicht, und ladet er ihn zu Gaste, setzt er ihm nur „erlaubte" Speisen vor. Der Bauer liebt den Juden, weil er ihn braucht und sich von ihm brauchen läßt, und die schönste und reichste Bauerdirne verschmäht es nicht, Hand und Herz dem „Judenjungen" zu schenken, wenn er es verlangt. Und daß er es verlangt, dafür liefern die statistischen Daten Böhmens hundert und hundertfache Belege.

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