Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 135 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Julius Fürst. 135 gemäßer Weise dem Lernenden bieten sollte. Aus diesem Plane nun entstand sein „Hebräisches und chaldäisches Schulwörterbuch" (1842). Von der Brauchbarkeit dieses billigen, ebenso kurz als wissenschaftlich gehaltenen Merkchens geben dessen Übersetzungen ins Englische, Schwedische und Holländische sowie seine starke Verbreitung ein rühmliches Zeugniß. Eine ähnliche, aber in g'roßartigerm Maße angelegte Arbeit, die Frucht langjähriger gründlicher Studien, schuf Fürst viele Jahre später in seinem „Hebräischen und chaldäischen Handwörterbuch" (1857—61). Für die Gediegenheit dieser lexikalischen Arbeit spricht die bereits 1863 erschienene zweite Auslage des Werkes sowie die Heuer durch Samuel Davidson in London ausgeführte englische Uebersetzung desselben. Die dem Wörterbuche beigefügte werthvolle Studie „Zur Geschichte der hebräischen Lexikographie" bietet einen willkommenen Abriß der fast verschollenen alten hebräischen Wörterbücher und ähnlicher, dahin gehöriger Arbeiten im ersten Jahrtausend der gewöhnlichen Zeitrechnung. Die jüngste Arbeit Fürst's auf dem eben besprochenen Gebiete ist eine neue, verbesserte und vermehrte Auflage des bekannten Winer'- schen „Lesebuches" (1864). — Das Feld der jüdischen Geschichte bereicherte Fürst durch seine „Cultur- und Literaturgeschichte der Juden in Asien" (1849) und seine „Geschichte des Karäerthums" (1862 und 1865). An diese beiden, für die Geschichte des Judenthums so wichtigen Arbeiten schließt sich noch ein Heft unter dem Titel „Urkunden zur Geschichte der Juden. In ihrer Originalsprache gesammelt und mit einer deutschen Uebersetzung versehen" (1844). — Als andere Arbeiten Fürst's führen wir an seine „Uebersetzung der Bücher Daniel und Esra" (1838), seine „Pesach- Haggada" (1838; 4. Ausl. 1843) und die „Sprüche der Väter" (1839); ferner seine „Streitschrift über die Echtheit des Sohar" (1840), sein „Buch Jozerot" (1852) und die „Glaubenslehre und Philosophie von Saadja Fajjumi" (1845). — Und bei allen diesen Arbeiten, welche nicht wenige Zeit und Kraft in Anspruch nehmen mochten, war Fürst auch noch auf dein Gebiete wissenschaftlicher Journalistik thätig, auf welchem er manche Aufsätze schrieb, die durch Zeitschriften und Sammelwerke verbreitet worden sind. Welches Geschick er auch in diesem Fache besitzt, beweist genügend der von ihm begründete und viele Jahre hindurch geleitete „Orient" (1840 — 51 in 12 Jahrg.), welcher während der Zeit seines zwölfjährigen Bestandes sich trefflicher Mitarbeiter erfreute und auch jetzt noch eine reichfließende Quelle von gelehrtem Material ist. Was Fürst endlich für die Bibliographie geleistet, wird am besten der zu würdigen wissen, der sein vortreffliches „Bibliographisches Handbuch" (1849, 1851, 1863) kennen gelernt und einen Begriff hat von der Mühe und Arbeit, welche ein solches Werk erfordert. Daß Fürst bei diesen Verdiensten, welche er sich um die Wissenschaft erworben, erst bei Gelegenheit seines fünfundzwanzigjährigen Universitätslehrer- Jubiläums (Mai 1864) von der königl. süchs. Regierung in „Anerkennung seiner vieljährigen verdienstlichen Wirksamkeit an der Universität und seiner wissenschaftlichen Leistungen" zum Professor ernannt wurde, während die Universität selbst ihm diese Ehre nicht erwies, liefert den Beweis, daß man selbst auf Hochschulen über confessionales Formelwesen nicht hinaus ist. Und trotzdem sprechen gerade sie von „freier" Wissenschaft! Wie soll man nun von der Plebs andere Ansichten fordern als fanatische, wenn sogar die Pflanzschulen der Wissenschaft an Vorurtheilen leiden! Oder waren nicht vergilbte Statuten, die das Vorurtheil ihm entgegenhielt, schuld daran, daß Fürst an der Hochschule, an der er so schön wirkt, für fern edles Ringen und Streben nach Erforschung der Wahrheit und Erweiterung der Wissenschaft, der er doch seine besten Kräfte geweiht, erst durch einen liberalen Schritt der sächsischen Regierung beim Eintritt ins Greifenalter jene Anerkennung fand, die er, eine Zierde der Universität, von dieser längst verdient hatte? Es sei hier noch erwähnt, das Fürst im Mai 1864 vom Freien deutschen