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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 129

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 129 (sequence 25)
Language
German
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Ein gewonnener Proceß. 129 sehen, wie viel der Jude beim Oberamt zu richten vermag!» „Ich fragte, ob meine Anwesenheit ferner noch nothwendig sei. «Sie können gehen; wir brauchen Sie jetzt nicht weiter», sagte er mit triumphirender Miene, die aber den innern Groll schlecht verbarg; «wir werden Sie schon zu finden wissen, wenn wir Sie wieder brauchen werden.» Hiermit war ich entlassen. Nun sagen Sie mir, Herr Advocat, ob dieses unwürdige,' die Menschheit beleidigende Gesetz in der Absicht des Kaisers gelegen haben kann? Ich möchte wetten, daß der Kaiser nichts davon weiß, wie man in seinen! Staate mit den Menschen umgeht. Herr Advocat, ich sage selten voraus, was ich thun werde, ich habe in meinem Leben niemals etwas versprochen; denn was ich einmal versprochen habe, ist mir heilig; aber diesmal spreche ich: Ich werde mir das nicht gefallen lassen, und wenn ich zum Kaiser gehn müßt'! Wollen Sie also meine Sache führen?" Der Advocat übernahm den Proceß. Des andern Tags fuhren die beiden nach dem nächstgelegenen Orte, wo sich das Oberamt befand. Als sie zurückkamen, hatten sie eine förmliche Aufwartung; namentlich die Weiber hatten sich zahlreich eingefunden, um die Kommenden zu sehen. Mit Neugier wurde der Jude Abraham betrachtet, als ob sie ihn in ihrem Leben niemals gesehen hätten. Den Frauen imponirt an einem Manne nichts so sehr als der Muth, und jede der Anwesenden mußte sich im stillen das beschämende Geständniß machen: das hätte der meinige nicht gewagt. Abraham kam nach Hause und sagte zu seinem Weibe: „Ich weiß!, wie du bist: du bist sanft und nachgiebig, und hättest mir gewiß abgeredet, mit ihm Proceß zu führen. Am Ende hättest du mich gar gebeten, ich solle es dir zu Gefallen thun, und ich habe dir noch niemals etwas versagt. Jetzt aber ist es geschehen, jetzt sollst du alles erfahren." Und nun erzählte er ihr umständlich, was sich ereignet hatte. Nun wurde der ganze Hergang auch in der Gemeinde bekannt und bildete das einzige Tagesgespräch. Die Meinungen und Vermuthungen über den wahrscheinlichen Ausgang der Angelegenheit waren nicht sehr verschieden voneinander. „Er wird mit ihm nichts ausrichten!" dies war der kategorische Schluß, der in der Regel dem Gespräche ein Ende machte, wenn es jemand wagen wollte, an der Tollkühnheit des Juden Abraham auch nur leise zu zweifeln und einen möglicherweise günstigen Erfolg für denselben zu hoffen. So vergingen Wochen, Monate; vom Oberamte war noch immer keine Entscheidung zurückgekommen; die Leute gingen ihren Geschäften nach, und allmählich tauchten auch andere Gesprächsstoffe auf, welche das Wagestück des Juden Abraham nach und nach vergessen machten. Wieder vergingen Wochen und Monate. Kein Mensch in der Gemeinde dachte mehr an den Proceß, als es eines Tages hieß: Abraham ist mit dem Advocaten ins Kreisamt gefahren. Diese Neuigkeit brachte den verschollenen Proceß wieder in Erinnerung. Man war allgemein der Meinung gewesen, Abraham werde vom Oberamt auf seine Eingabe gar keinen Bescheid bekommen, sondern man werde die Sache einschlafen lassen, um kein „Geruder" zu machen, wie sie sich ausdrückten. Nun hatten sie sich aber geirrt. Wenn er mit dem Advocaten ins Kreisamt gefahren ist, so muß er beim Oberamte abgewiesen worden sein: das war allerdings eine bündige Logik, und nun entpuppte sich jeder einzelne in der Gemeinde als ein Prophet, der es ja gleich von Anfang her immer behauptet habe: er werde mit ihm nichts ausrichten. Als die beiden vom Kreisamte, wo sie einige Tage zugebracht, wieder heimkehrten, war das Staunen in der Gemeinde womöglich noch größer als früher. Alles drängte sich zu, jeder wollte wissen, wie die Sache stehe, was der Kreiscommissär oder gar der Kreishauptmann selber gesagt, ob er Hoffnung gegeben habe. Aber alle diese Fragen der Neugierde blieben unbeantwortet. Der Jude bewahrte über die Angelegenheit das tiefste Stillschweigen, und nur der Amtsdiener, der des

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