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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 127

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 127 (sequence 23)
Language
German
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Ein gewonnener Proceß. 127 Ohren,, daß Nummer so und so viel im Narrenthurme bereits leer sei. Nicht, daß in der Zeit, in der unsere Geschichte spielt, keine Processe geführt worden wären! Im Gegentheile, Processe gab es die Menge; man kam aus dem Processiren gar nicht heraus. Die Bauern und Bürger, Christen und Juden durften sich miteinander heruinschlagen nach Herzenslust; in dieser Beziehung herrschte sogar schon damals die vollständige Gleichberechtigung. Aber gegen die Obrigkeit processiren, den gestrengen Herrn Syndikus verklagen, dazu gehörte mehr als Muth, dazu gehörte, wie wir oben bereits erzählt, eine Art von Tollkühnheit, und diese Tollkühnheit hatte der Jude Abraham, welcher sich mit dem Syndikus des Städtchens in einem langwierigen Proceß einließ. Der , Jude Abraham hatte in seinem Leben mit den Gerichten nichts zu thun gehabt. Processe waren ihm nur dem Namen nach bekannt, und nur diese Unkenntniß 'machte es theilweise erklärlich, daß er einen Schritt that, dessen Folgen jedermann als unheilbringend voraussah, so wie ein Kind, bevor es sich gebrannt hat, mit bewundernswertster Unbefangenheit nach der Flamme greift; denn nur das gebrannte Kind fürchtet das Feuer. Was batte aber der Jude Abraham mit dem Syndikus zu thun? Eines TageS flüsterten sich die Kinder in die Ohren, er sei von dem Amtsdiener abgehvlt und vor den Magistrat geführt worden. Was dort vorgegangen sei, wußte man nicht; aber der Amtsdicuer ließ sich des Abends im Schenkzimmer eine halbe Maß Wein einschenken und sagte zu einem eben cintretendcn Juden mit höhnisch grinsendem Gesichte: „Haben mer den Jüden Abrameles auch einmal drankriegt." Dieser hingegen kam ruhig nach Hause und sprach zu seinem ängstlich harrenden Weibe die ernsten Worte: „Ich werde mir eS nicht gefallen lassen und wenn ich bis zum Kaiser gehn müßt'." „Was, was wirst du dir nicht gefallen lassen?" srug erschrocken das Weib. „Das wirst du erfahren, wenn es Zeit sein wird", war die Antwort. „Um Gottes willen, sprich, was ist dir begegnet, was hat er von dir gewollt?" „Geduld!" „Hat er sich an deiner Person vergriffen?" „Gott sei Dank, das nicht." „An deinem Geld?" „Fünfundvierzig ReichSthaler liegen mir nicht auf, ich werde mir's aber überlegen, ehe ich sie zahlen werde." „Zahle sie, zahle sie, wenn es zu Geld ausgeht, und befreie mich von Angst und Schrecken." „Es ist nicht das Geld, es ist die Ehre!" „Hat er dich beleidigt?" „Mich nicht" „Dich nicht? Wen sonst? Was geht dich Nürnberg an!" „Mich, dich, die ganze Gassi, uns alle! Ich werde mir's nicht gefallen lassen, und wenn ich zum Kaiser gehn müßt'; denn warum, ich will sehn, ob es ein Recht gibt in der Welt, oder nicht." Mit diesen Worten stand er von seinem Sitze auf, langte aus einem Bücherschrank ein Buch heraus —' es war: „Skary's Verordnungen für die Juden" — und vertiefte sich in dasselbe. Dann schlug er das Buch zu, stellte es wieder an seinen vorigen Ort im Bücherschrank, nahm Hut und Stock und sagte: „Jetzt geh' ich zum Advocaten." Mit diesem aber sprach er also: „Herr Advocat, ich piche bei Ihnen Schutz; bevor ich Ihnen aber sage, um was es sich handelt, beantworten Sie mir eine Frage: Ist ein Jude ein Mensch, wie ein anderer, oder ist er eine Pest, die man fliehen muß." Ter Advocat war von dieser Frage betroffen und starrte schweigend den Frager an. Dieser aber fuhr fort: „Herr Advocat, ich habe meine Schmach noch niemand erzählt, nicht einmal meinem Weibe. Ich komme zu Ihnen, wie der Kranke zum Arzt, und zum Arzt muß man Vertrauen haben. Soll ich aber Vertrauen haben zu Ihnen, so muß ich wissen, wie Sie in Ihrem Innersten über die Juden denken. Wenn ich Ihnen meinen Fall vortrage, so werden Sie gewiß vieles aufzubringen im

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