Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 126 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2417805-2417806-2417808--136-2417973
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

126 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. 1864), der das Ghetto in Rom beschreibt: „Man wird mir verzeihen, diese lange Schilderung aus der Geschichte des jüdischen Kriegs von Flavins Josephus hierhergesetzt zu haben, und zwar um ihres allgemeinen Interesses willen. Jeder erkennt aus ihr, wie die Juden fürwahr Ursache haben, den Imperator Titus zu hassen. Der prächtige Triumph und die Hinrichtung des jüdischen Feldherrn mag dem Cäsar nachgesehen werden: sie waren einmal Sitte und Gesetz seiner Zeit; aber derselbe Kaiser Titus, welcher den Beinamen führte: t^mor st ckslioias Zsnsris lrumauas, ließ während seines Aufenthaltes in Cäsarea zu Ehren des Geburtstages seines Bruders Domitian einen großen Theil der verurtheilten Juden umbringen. Haben also die Ebräer Roms nicht ein Recht, dem Andenken des Titus Zu fluchen? Gern vermeiden sie darum auch, den Titusbogen am Forum zu sehen, denn seine Reliefs zeigen den eben geschilderten Triumph, uud dann liegt ihm zur Seite die Stätte, wo einst der Tempel des Friedens stand, den Vespasian nach dem jüdischen Kriege gebaut, und in welchen er die goldenen Tempelgefäße gestiftet hatte." Josephus, wenn ihm auch eine Sympathie für Titus uicht abzusprechcn ist, darf darum nicht als parteiischer Schriftsteller und als Charakterloser gebrandmarkt werden, um so weniger, als er seine Achtung vor Titus Charakter motivirt. „Bei dem Weltbeherrscher Vespasian und dessen Sohne Titus", erzählt er (tlnt. 11, 3, 1), „hielten die Alexandriner und Antiochicr abermals an, den Juden ihre bürgerlichen Rechte zu nehmen; sie erlangten es aber nicht. Aus diesem erleuchtet, wie gerecht und großmüthig die Römer, vorzüglich aber Vespasian und Titus, waren. Obschon sie gegen die Juden mit vieler Erbitterung einen sehr beschwerlichen Krieg führten, da letztere sich nicht ergeben wollten und sich aufs äußerste vertheidigten, so wollten sie (Titus und Vespasian) doch nicht zugeben, daß man sie in ihren Rechten nur im geringsten verkürze. Sie gaben weder ihrem eigenen Zorne noch den Bitten der mächtigen Einwohner Alexandriens und Antiochiens nach, und wollten weder aus Gefälligkeit für diese noch aus Haß gegen jene, wider welche sie Krieg geführt hatten, von ihren: gütigen Betragen gegen die Juden etwas abbrechen, denn sie sagten, die, welche die Waffen gegen uns ergriffen, sind schon genug bestraft worden, und die nichts verschuldet haben, wäre ungerecht, ihrer Privilegien zu berauben." (Fortsetzung folgt.) Ein MMMMM HrmeZZ. Erzählung von Eduard Lulke. Es gibt Zeiten, in denen die Menschen alles über sich ergehen lassen. Das mechanische Grundgesetz: Druck erzeugt Gegendruck, scheint aufgehoben, an Widerstand wird nicht gedacht. „In meiner Vaterstadt", erzählt Jnnuermann in seinen Memorabilien, „kam einmal ein altes Mütterchen auf das Rathhaus gegangen, überreichte der Servicccommffsion ganz froh und erleichtert durch ihren Entschluß die Schlüssel ihres Häusleins und sagte, die Herrn möchten nun damit anfangen, was ihnen gut dünke; sie habe aufgegeben, was ihr doch nicht mehr gehöre, sondern der Einquartierung." Dieses alte Mütterchen ist der concrcteste Ausdruck des Zustandes, welchen wir zeichnen wollen, die Verkörperung einer Zeit, in welcher die Küchcnmagd des Syndikus mehr Einfluß hatte als heutzutage die Frau des Vezirkshauptmanns, und in der es schwerer in die Wagschale fiel, den Pudel des Amtsschreibers zu beleidigen, als beuzutage sich an den: Bezirksauscultaiffen selbst zu vergreifen. Wenn in dieser Zeit jemand nun das Wagestück beging, sich zu wehren, so hielt man ihn zun: allerwenigsten für einen Tollhäusler, und auf öffentlicher Gasse raunte man sich's so laut, daß es jeder hören konnte, in die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.