Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 124 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Jllustr. Monatsh. für die ges. sephus habe einen groben Jrrthum des Dio Cassius abgeschrieben und den Sabbat einen Festtag genannt, eine irrthümliche sei, haben wir in unserm „Josephus und die Tradition", S. 3l, urgirt. Davon ist aber Josephus nicht sreizusprechen, daß er vielen in Umlaus gewesenen «Sagen aus der makkabäischen Periode Raum in seiner Geschichte gegeben. So trägt seine ganze Darstellung der Geschichte des Antigonus und Aristobul und des Alexander Tannai einen sagenhaften Charakter. Josephus scheint auch mit sich selbst in Widerspruch gewesen zu sein, indem seine geschichtlichen Relationen in den „Alterthümern" häufig anders als in den „Kriegen" lauten. Dieser Umstand kann aber nur zur Verherrlichung des Josephus dienen, indem er sich's angelegen sein ließ, in dem späten: Geschichtswerke etwaige frühere Jrrthümer zu berichtigen. Wo ein und dasselbe Factum anders in den „Alterthümern" und wieder anders in den „Kriegen" erzählt wird, muß ersten: der Vorzug gegeben werden. Auch in den „Alterthümern" verbessert er sich hier und da selbst. Beispielsweise mag angeführt werden, daß er Hut. 12 Juda den Makkabäer irrthümlicherweise das Hohepriesteramt verwalten läßt, ihn über, als Berichtigung dieses Jrrthums, ümt. 20, 10, 3, nicht unter den Hohenpriestern aufzählt. Die Geschichte der Makkabäer schöpfte Josephus aus den Makkabäerbüchern, soweit ihre Nachrichten reichen, ohne ihnen jedoch immer treu zu folgen und die von ihnen erzählten Einzelheiten der Facta ohne Erwägung zu reproduciren. Man vergleiche z. B. die betreffende Schriststelle über den Tod der Söhne Simons mit ^ut. 13, 8, 1. Hören wir nun aus Josephus' eigenem Münde, was ihn bewogen und veranlaßt hat, seine Geschichtswerke niederzuschreiben und der Nachwelt zu überliefern. Im Vorworte zu seinen „Kriegen" sagt er: Es haben einige Schriftsteller, die nicht persönlich an diesem Kriege theilgenommen haben, denselben nicht beschrieben, sondern durch eitle und ungereimte Dinge verunstaltet; andere, welche diesen berühmten Kampf durch Autopsie kannten, haben Interessen des Judenthums. parteiisch, aus Antipathie gegen die Juden, oder um den Römern zu gefallen, davon relationirt. Darum habe er sich entschlossen, diesen Krieg unparteiisch zu beschreiben; er habe diese historische Arbeit schon früher in hebräischer Sprache übernommen, nun sehe er sich veranlaßt, dies auch in griechischer Sprache zu thun. Er, Josephus, Sohn des Matatias, ein Hebräer und Priester in Jerusalem, der anfangs selbst wider die Römer gestritten und dann aus Roth den Kampf mitkämpfen mußte, wolle den Parthern, Babyloniern, Arabern und den jenseit des Euphrat Wohnenden wahres Licht über Ursache, Entstehung und Ende des Krieges geben. Die griechischen Schriftsteller, welche die Hebräer herabsetzen und ihnen Energie, Löwen- und Todesmuth absprechen, bedenken nicht, daß sie die Römer dadurch herabsetzen, indem sie dieselben den Sieg leichten Kaufes, ohne Mühe und Angst erringen lassen. Er sei aber auch weit entfernt, parteiisch für die Juden zu registriren, denn Unparteilichkeit sei seine Devise, obgleich er es nicht werde unterlassen können, manchmal über das Unglück seines Volks zu seufzen. Umgekehrt habe er erfahren, wie geduldig und nachsichtig Titus gegen die Juden war, wie er zur Verwüstung der Stadt nur gedrängt worden war. Er werde aber auch mit Selbständigkeit bei dieser Arbeit Vorgehen, denn ein rechter Historiograph bringe stets neue Handlungen und Thaten ans Licht. Mit dieser Apostrophe an den Leser hatte sich Josephus zu documentiren gesucht; er hatte seine persönlichen Umstände, Verhältnisse und Eigenschaften als Schriftsteller dargelegt, er hatte gezeigt, daß er die Wahrheit wußte und sie sagen wollte, er hatte nichts anzugeben vergessen, worauf die historische Kritik ihr Augenmerk richtet: seine Herkunft, seinen Stand, sein Amt, seine Fähigkeiten und Kenntnisse, seinen persönlichen Charakter, sein System, seine Denkungsart, ja sogar sein Alter. Um diese Bedeutung noch klarer ins Licht zu setzen, schrieb Josephus seine Selbstbiographie. Wenn schon an und für