Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 123 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Flavins Josephus. 123 ausgeschrieben wurden, aber darum ihre Natur uicht veränderten, und gleichmäßig nach den Kriterien der mündlichen Ueberlieferung beurtheilt werden müssen. Nicht wenige Erzählungen aus der heiligen Geschichte finden sich bei Josephus mit Zügen ausgeschmückt, für welche in der Bibel selbst kein Anhaltepunkt ist, obgleich er sich auf die Bibel als Quelle beruft. Aber er hat als orthodoxer Jude und Pharisäer die Traditionen, welche in den rabbinischen Schulen Schritt für Schritt sich der biblischen Geschichte anschließen, für ebenso heilig wie die Bibel selbst betrachtet, und die Quellen solcher Schätze sind noch im Talmud und in andern rabbinischen Schriften nachzuweiseu. Man braucht nur die ganze Geschichte von Moses bei Josephus mit den Relationen im Midrasch, Jalkat und in den jüdischen Chronisten über Moses zu vergleichen, um sich davon zu überzeugen. Die Fälle, in welchen sich Josephus durch sagenhafte Ausschmückungen bloßstellt, wie z. B. daß Reubeu seinen Brüdern vorgehalteu habe, welche Trauer sie der, auf unnatürlichem Wege.ihres Kindes beraubten Mutter zufügen (Aut. 2, 3), obgleich Rachel schon längst todt war, gehören zu den äußerst seltenen. Einen besonder» Werth aber legte Josephus auf die Tradition da, wo es die Auslegung und Anwendung der im Pentateuch im allgemeinen und in unbestimmten Rissen niedergelegten Halacha gilt. In Bezug auf spätere Zeiten, wo die biblischen Bücher ihn verlassen, hat Josephus in- und ausländische Quellen benutzt. Wir setzen die Namen der Scribenten, die Josephus in seinen Werken anzieht oder ihrer gedenkt, in alphabetischerOrdnunghierher: AnchilausArgivus, Agatharchides Gnidius, Alexander Polyhistor, Anaragoras, Andreas, Antiochus, Apion Grammaticus, Apollodorus, Apollonius Molo, Ariphanes, Aristeus, Aristoteles, Berosus Chaldäus, Cadmus Milesius, Cäsar's Commentarien, Callias, Castor Chronographus, *) Es ist demnach falsch, daß R. Jose, der Galiläer, die Haggada erfunden hat, wie dies z. B. „Orient", 4, 695, behauptet wird. Chäremon, Choerilus' Poeta, Cleanthes, Conon Historicus, Demetrius Phalereus, Diagoras, Diokles, Dius Historicus, Drakon's Gesetz, Ephorus, Estius, Euphemerus, Eupolemus, Hekatäus Abderita, Hellanicus, Hermippus, Hermogenes, Herodotus Halikarnasseus, Herodes, Hesiodus, Hieronymus Aegyptius, Homer's Poeta, Hhperochides, Jsidorus, Julius Archelaus, Titus Livius, Lysimachus, Manethon, Megasthenes. Menander Ephesius, Menander, Uebersetzer der sidonischen Chronik aus dem Phönizischen ins Griechische, Menaheus von Damaskus, Mochus. Nicolaus Tamascenus, Quintius Äbatareides, Pherecydes Syrius, PhilistuS, Philo der Aeltere, Philostratus, Plato, Polybius Megalopolitanus, Polykrates, Posidonius, Pythagoras, Sokrates, Strabo Cappadox, Thales, Theopectes Tragoediographus, Theodotus, Theophilus, Theopompus, Theophrastus, Thucydides, Timäus, Timagenes, Zeno Zopyrion. Außerdem inuß er noch eine große Zahl zu seiner Verfügung gehabt haben, da viele hellenistische Juden in- und außerhalb Judäa, namentlich in Alexandrien, einzelne Theile der später» Geschichte des Volks behandelt haben, von welchen Aufzeichnungen mehrere unter den apokryphischen Büchern des sogenannten Alten Testaments aufbewahrt worden sind. Josephus hat die erwähnten Quellen nicht blindlings benutzt, ohne ihre Angaben zu prüfen, dem: nicht selten findet man bei ihm die erlernen Berichte alterirt. Man lese z. B. Josephus' Schilderung des allerdings verhärteten Aristobul in Aut. 20, 10, im Widerspruche mit Timogenes, der ihn als bescheiden und billig denkend kennzeichnet. Antiochus von Sidetes hat bei weitem keine solche Zerstörung in Jerusalem angerichtet, wie dies von Diodor von Sicilien bei Totius angegeben wird; von Josephus wird dieser Umstand auf das rechte Maß zurückgeführt (Aut. 13, 8, 3). Oft werden die Angaben des Tacitus von Josephus rectificirt, und letzterer ist bei der Angabe von innern Angelegenheiten gewiß zuverlässiger. Daß die Beschuldigung, Jo- 9*