Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 122 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Jllustr.- Monatsh. für die gef. Am wenigsten auffallend ist es, daß Jofephus von den heiligen Urkunden fo oft in Zahlangaben abweicht, da ja schon die Bücher der Chronik von denen der ersten Propheten hierin fo oft und fo häufig divergiren, was schon Eichhorn aus den: Umstande erklärt, daß in den alten Exemplaren Buchstaben statt Zahlen gebraucht wurden, w'elche die Abschreiber nicht selten täuschten. Einige Beispiele mögen dies erläutern. Die Zahl der Auswanderer aus dem Stamme Juda und Benjamin vom zwölften Jahre an und darüber, unter Esra, gibt Jofephus auf 470000 an (9, 3, 10), während im Buche Efra die Gesammtzahl aller Auswanderer auf 42360 angegeben wird. Nach Jofephus ließ Esra die Untersuchung der epigamischen Ehen am ersten Tage des zehnten Monats anfangen, und am ersten des folgenden Monats war sie beendigt (ibiä. 5, 4), während nach Esra 10, 17, dieses Untersuchen am ersten des ersten Monats beendigt wurde. Setzt man statt der Zahl 42360 Zahlbuchstaben Lpftxv;:, so können diese Zahlbuchstaben gelitten haben, bis daraus geworden und das vp ausfiel.*) Im andern Falle mag im Original w--n2, d. h. — 1 in *) Es sind, sagt Eichhorn, Thl. 1, 193, die Stellen des A. T., in welchen Zahlen Vorkommen, vielmals großen Zweifeln unterworfen. Manchmal übersteigt die angegebene Zahl allen Glauben eines vernünftigen Denkers; ist aber auch der Fall nicht, so widersprechen sich doch oft die Zahlen in Parallelstellen, oder man findet einen großen Unterschied zwischen den Zahlen des Originaltextes und denen, welche die ältesten Bibelübersetzer, die siebzig Dolmetscher, ausdrücken. Diese Erscheinungen sind in den meisten Fällen bei ausgeschriebenen Zahlwörtern unerklärbar; hingegen fallen die Ursachen derselben in die Augen, wenn man Zahlbuchstaben zu Hülfe nimmt. Kurz, diese Hypothese hält die Prüfung aus, durch welche die Wahrscheinlichkeit jeder Hypothese erprobt wird: sie löst alle Schwierigkeiten und hat nichts gegen sich. Waren die Zahlen mit Zahlbuchstaben geschrieben, so ist auch begreiflich, warum manche Zahlen so oft gelitten haben oder gar weggefallen sind. Die Zahlbuchstaben waren in diesen Fällen in den Handschriften sehr miteinander verwandt, oder verkrochen sich unter ihren großern Nachbarn, bei ihrer kleinen Figur. Endlich durch diese Hypothese ergibt Interessen des Judenthums. Abbreviatur gestanden sein, und es ist daraus der andere, geworden. (S. noch 1 S. 9, 22, und slnt. 7, 4, 1.) Durch solche Abbreviaturen im Originälexemplare lassen sich auch andere Abweichungen im Jofephus erkläreil. Im Buche Esther wird das Vermählungsfest des Achaschwerofch auf den Monat Tewes angegeben, während es in den Lmt. 7, 6, 2, heißt: „In feinem siebenten Regierungsjahre im Monat Adar hielt er das Vermählungsfest." Allein aus mag geworden sein. In der Denkschrift des Demetrius an Ptolemäus Lagi, von Jofephus Unt. 12, 2, 4, erwähnt, heißt es auch wirklich: „Diesem Befehle mit größter Sorgfalt obliegend, zeige ich hiermit an, daß unter andern die Gesetzbücher der Juden uns noch fehlen; sie sind in hebräischer Sprache geschrieben, die wir nicht verstehen. Es gibt zwar Abschriften derselben, die, weil königliche Sorgfalt ihnen nicht zutheil ward, sehr fehlerhaft sind." Ein solches fehlerhaftes Exemplar war gewiß das voll Titus erbeutete und Jofephus übergebene. Jofephus benutzte ferner die Tradition als Quelle, fowol in der höhern und weitern Bedeutung des Wortes, wonach sie alle Kanäle und Mittel in sich begreift, wodurch die frühere Menschheit auf die spätere einwirkt, als auch im gewöhnlichen Sinne des Wortes, wonach Traditioil für mündliche Ueberlieferung genommen wird, und alsdann eine Sage oder Erzählung von einer Thatfache ist, die sich mündlich von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt hat. Diese Tradition ist, wie Rotteck sagt, die früheste und eine sehr kostbare historische Quelle, denn die Urgeschichte der meisten Völker beruht auf solchen Sagen, die zwar späterhin sich die Ursache, warum bei zusammengesetzten Zahlen bald die erste, bald die letzte, bald die größere, bald bie kleinere fehlt: Ein einziger Eonsonant! wie leicht verdrängte oder versteckte ihn sein nächster Nachbar! Und weiter, 197: Talmud und Hieronymus setzen den Gebrauch der Consonanten zu Zahlbuchstaben, als zu ihrer Zeit allgemein gewöhnlich, in vielen Stellen voraus.