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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 121

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 121 (sequence 17)
Language
German
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Flavius Josephus. 121 Gründe der Glaubwürdigkeit der in ihnen enthaltenen Facta darstellen. Die äußern Gründe werden aus der Beschaffenheit der Quellen entnommen, die inner» aus der Beschaffenheit der inner» Sache. Welches waren die Quellen, aus denen josephus schöpfte? Bis zum Ausbruche des Kriegs, welcher den jüdischen Staat zerstörte, und in welchem Josephus selbst auf dem Schauplatze der öffentlichen Wirksamkeit stand und selbstthätig in das Rad der Geschichte Angriff, dienten ihm als Quellen, aus Jenen er die Begebenheiten geschöpft, bei welchen er nicht die Geschichte mitgemacht und nicht nach eigener Autopsie erzählt, also bis Simon dem Makkabäer: erstens die Heilige Schrift. Mit welcher Pietät er diese Quelle handhabte, welche Heiligkeit und Unantastbarkeit ihn bei Benutzung dieser Urquelle anwehte, darüber spricht er sich selbst mit einer weihevollen Kundgebung aus, deren Naivetät nicht zu verkennen ist. „Wir", sagt er (contra Ap. 1, 8), „haben nicht unzählige Bücher, die einander widersprechen, sondern nur zweiundzwanzig, welche die Geschichte vergangener Zeiten umfassen und billig für glaubwürdig gehalten werden. Fünf von diesen Büchern kommen von Mose her; sie enthalten Gesetze und Berichte vom Ursprünge der Menschen, und gehen bis auf dessen Tod. Demnach fassen sie nicht viel weniger als einen Zeitraum von 3000 Jahren in sich. Von dem Tode Mosis bis auf Artaxerxes, den Perserkönig, welcher nach Xerxes herrschte, haben die Propheten die Geschichte und Vorfälle ihrer Zeiten in dreizehn Büchern verfaßt; die übrigen vier Bücher enthalten Lobgesänge auf Gott und Lebensphilosophie für die Menscheil. Von Artaxerxes bis aus uns ist zwar auch alles ausgezeichnet worden, aber diese Schriften haben nicht jene Glaubwürdigkeit, weil die Prophetenfolge ungewiß und zweifelhaft war. Welchen Glauben wir unfern Schriften beimessen, geht klar aus unserm Verhalten selbst hervor, denn obgleich schon ein großer Zeitraum verflossen ist, so hat sich doch niemand Hilberg's Jllustrirte Monatshefte. I, 2. — Mai 1865. unterstanden, weder etwas zuzufügen, noch etwas wegzunehmen oder zu verändern, denn es ist allen Juden angeboren, diese Bücher für Gottesbelehrungen zu halten, und dabei standhaft zu beharren, ja, wenn es noththut, ihretwegen freudig in den Tod zu gehen." Die Abweichungen im Josephus von unserm Bibeltexte sind zwar nicht geringe, da aber diese Abweichungen zumeist nur Lesearten, aber nicht die Facta selbst betreffen, so hat Josephus gewiß ein Bibelexemplar von verschiedener Redaction vor sich gehabt. Wenn Josephus den Mundschenk dessen gehabten Traum mit den Worten erzählen läßt: „Ich sah irn Traume eine Rebe mit drei Schößlingen ... .; ich preßte sie aus in den Pokal, welchen der König in seiner Hand hielt" (Xnt. 2, 5), während nach der H. Sch. der Mundschenk den Pokal in der Hand hielt; oder wenn Josephus erzählt, daß sich Joseph in Aeghpten, vom Könige bevollmächtigt, in Purpur kleiden und einen Siegelring tragen durfte (Xnt. 2, 5), während nach der H. Sch. der König seinen Siegelring vom Finger nahm; oder wenn Josephus sagt, daß Raguel, auf die Kunde, daß es seinem Eidam wohlgehe, sich freudig auf den Weg machte, um Mose, Zephora und ihre Kinder zu begrüßen (Xnt. 3, 3), während es in der Urkunde ausdrücklich heißt, daß er aus seiner Heimat Zippora und ihre beiden Söhne mitbrachte; oder wenn Josephus bei dem Feuertode Nadab's und Abihu's berichtet (Ant. 3,9), daß Moses ihrem Vater und ihren Brüdern befahl, die Leichname hinaus vor das Lager zu tragen, während die H. Sch. 3 Mos. 10, 4 erzählt: „Moses rief Mischael und Elzaphan, den Kindern Usiel's, Vettern Aaron's: Tretet her, tragt euere Brüder weg" u.s.w., so ist dies kein Grund zu behaupten, Josephus habe nicht aus der Urquelle, sondern aus der Quelle der zweiten Art geschöpft, oder: daß er die heiligen Quellen gefälscht habe, denn Josephus läßt sich mit einer abweichenden Abschrift seines Bibelexemplars entschuldigen: die Abweichungen lagen nicht in seiner Willkürlichkeit, sondern in den Lesearten und Zusätzen seines, von Titus erhaltenen Bibelexemplars. 9

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