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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 118

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 118 (sequence 14)
Language
German
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118 Jllustr. Monatsh. für die ges. machte aber größere Kunstreisen nach Holland, Deutschland, Rußland, Italien, England und Nordamerika, überall Lorbern und Gold in reichstem Maße erntend. Mittlerweile hatte sie in Adelaide Ristori eine bedeutende Rivalin gefunden. Ließ sich deren Spiel auch nicht völlig mit dem der Rachel vergleichen, so that sie doch, schon durch den Reiz der Neuheit, der Künstlerin Abbruch. Die Verstimmung über dieTriumphe dieser Gegnerin trug dazu bei, die Kenne der Krankheit, welche in der Rachel schlummerten, zur Entwickelung zu bringen; ihre heißblütige, vom Stachel des Künstlerstolzes gepeinigte Natur erschöpfte sich rasch, und bald erlagen die physischen Mittel unter den körperlichen Anstrengungen, Studien und Aufregungen. Sie suchte Heilung unter afrikanischem Himmels erkrankte aber in Aegypten aufs neue und kehrte im Spätsommer 1857 von dort zurück. An einem rauhen Herbstmorgen des Jahres 1857 verließ ein geschlossener Wagen die französische Hauptstadt. Mit Wehmuth blickte eine bleiche Dame aus dessen Fenstern. Es war die von ihrer Schwester Sarah begleitete Rachel, welche noch einmal einen letzten Scheideblick jenem Hause zuwandte, wo sie ihre stolzesten Augenblicke erlebt hatte. Die Fahrt ging dem Süden zu, nach Cannes bei Nizza, wo Sardou's Villa die Leidende aufnahm. Nur wenige Monate waren es, wo sie hier noch zu leiden hatte, und selbst diese Zeit hat ihr die sorgfältige Behandlung ihres Arztes, des I)r. Tampier, möglichst erleichert, eines Mannes, der in „1^08 cksrniüres Ü6ur68 cke Nuckswoi- 8s11s Kaclisi" (1858) ihrer mit Liebe gedenkt. Wer die Dulderin hier im Garten wandeln sah, wer sie sah, wie sie im schlichtesten Gewände, die gefalteten Hände im Schose haltend, nach oben blickte, wohin, wie sie selbst es ahnte, ihr Geist so bald entschweben mußte, der hätte in ihr jene feurige Tragödin nicht mehr erkannt. Sie bereitete sich auf ihren Tod mit der größten Seelenruhe vor und ordnete mit Ergebenheit ihre Angelegenheiteil. Treu dem Glauben ihrer Väter, wollte sie auch als Jüdin Interessen des Judenthums. sterben. Und so geschah es. Während aus dem Nebenzimmer hebräische Gebete ertönten, hauchte sie, diesen lauschend, in der elften Abendstunde des 3. Januar 1858 ihre große Seele aus. Die Kunde von ihrem Ableben war für alle Kreise von Paris eine erschütternde. Am 9. Januar fanden vor einer unabsehbaren Zuhörerschaft die Obsequien statt. Alles, was die pariser Welt an CapacitÄten besaß) gab ihr das Geleit; man bemerkte hier Männer wie Villemain, Viennet, Scribe, Sainte-Beuve, Remusat, Lebrun, Vigny, Augier, Legouve, Ponsard, Halevy, Dumas pors et 1il8, Sandeau, Gautier, Barthet, Latour de Saint-Mars, Uchard, Barbier, Girardin u. a. Die Quasten des Leichentuches trugen Baron Taylor, Geffroy, Maquet und Alexander Dumas. Es folgten die Schwestern Brohan, die Rose Cheri, die Plessy, die Georges und Eßler. Die Abtheilung der schönen Künste, die Comission der dramatischen Autoren, die Presse waren vertreten. Der Friedhof Pere-Lachaise konnte kaum die Zahl der Begleiter fassen. Isidor, der Großrabbiner des israelitischen Consistoriums, eröffnete die Grabreden. Nach ihm sprachen Bataille im Namen der Looistö cko8 urti8ts8 ärawg.tigu68 und Maquet im Namen der dramatischen Autoren. Neben ihrer talentvollen, schon früh verstorbenen Schwester Rebekka senkte man die Rachel in die Gruft, welche nun die Hülle der größten französischen Tragödin unsers Jahrhunderts aufnahm. So gehört von nun an die Rachel der Geschichte des Dramas, in dessen Gedenkbüchern ihr Name in stetem Glanze fortlenchten wird bis zu deu fernsten Zeiten. Die Kunst wird dieser Priesterin, das Judenthum dieser Glaubensgenossin nie vergessen.

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