Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Flavius Josephus. 119 LMuZ Iüsexlius. Seine Zeit und seine Bedeutung als Historiograph. Non Di. M. Duschlik. II. Wenn wir die Bedeutung eines .Historiographen benrtheilen und kennen lernen wollen, wenn der Geschichtschreiber den Namen eines würdigen Geschichtschreibers verdienen, wenn sein Name unsterblich sein soll wie die Helden und deren Großthaten, die er der Nachwelt anfbewahrte, so müssen sowol die Eigenschaften seines Herzens als seines Geistes vor dem Richterstuhle der historischen Kritik sich einer genauen Benrtheilung unterziehen. Ter Geschichtschreiber muß das gesammelte, gesichtete/geordnete und verarbeitete Material reiflich beurtheilt und geläutert, die verborgenen Ursachen und geheimelt Triebfedern der Begebenheiten erforscht haben, er muß bei seiner Arbeit sich isoliren, sich auf einen erhöhtet: Standpunkt stellen, um von da herab das Thun und das Treiben der Menschen, ihre Charaktere, Verhältnisse tlltd Interessen unparteiisch zu überschauen und zu würdigen, und nngeblendet durch Vorurtheil, Parteilichkeit oder Ansehen alle Dinge in ihrer echten Gestalt erblicken, er muß den Math haben, die Wahrheit, von welcher er selbst durchglüht, das Große und Gute, von welchem er selbst durchdrungen ist, frei, öffentlich und lallt zu verkünden, er muß sie verkünden, wenn er dadurch auch den Zorn der Gewaltigen und den Haß des Pöbels auf sich laden, die Aussicht auf Lebensgenuß verlieren, Schmach und Verfolgung ernten sollte. Hat sich Josephus dieser vorzüglichsten Pflicht des Geschichtschreibers, der Pflicht der warmen und gewissenhaften Wahrheitsliebe, ohne welche die Geschichte ihre Würde, Bedeutung und Wesenheit verliert, unterzogen? Hat er seine Feder nicht durch Lüge und Schmeichelei entweiht? Waren seine Zeiten und Verhältnisse nicht so gestaltet, daß die Wahrheit geächtet war, und daß es unnütze Selbstopferung gewesen wäre, sie auszusprechen? Diesem Richteramte muß sich Josephus ebenso wie ein Thucidides, ein Taeitus, ein Gibbon, ei:: Johannes von Müller unterstelLen. Trägt die Geschichtsmuse des Josephus den Stempel der Wahrheit und Wahrhaftigkeit, der Unparteilichkeit und absoluten Dbjeetivität auf ihre.Stirne, dann erst kann hervorgehoben werden, wie diesem Geschichtschreiber die Kraft der Rede zu Gebote stand, wie lichtvoll und gehaltreich sein Ausdruck, wie lebendig und gefühlvoll seilte Darstellung war; dann erst wäre seilt Rubm vollendet, und selbst die Nation wäre verherrlicht, die eilten Josephus zeugte. Die Lebendigkeit der Gemälde, die Kraft der Spracbe und die dramatiscbe Anschaulichkeit der Eomposition mußte ihn: wie allen Geschichtschreibern des Alterthums eigen seilt, welche dem Schauplatz und den Zeitelt, welche sie schilderten, nahe waren. Josephus war ja aucb Augenzeuge, ja Teilnehmer der von ihm geschilderten Begebenbeitelt seiner Zeit. Der Ausdruck ist kurz und gehaltreich, fließend, edel, einfach tlltd dem Gegenstände sowol als dem Zwecke anpassend. Josephus' Darstellung ist genial und meisterhaft, mit Geist und Geschmack, nicht ohne Schmuck tlltd Schwung. Er verwebt sehr oft altziehende Episoden in den Hauptplan, er kommt der Imagination des Lesers durch interessante Schilderungen zu Hülfe, nährt dessen Verstand und Herz durch lehrreiche und sentimentale Betrachtungen. Hieronomus nennt Josephus den griechischen Titus Livius, kHwrou., Os virw illuZti'., a. 13). Von diesem wiederholte man, was bereits von Cicero gesagt worden: Sein Genie sei ebenso groß als das Reich, dessen Geschichtschreiber er war. Andere nennen Josephus den Polybius seiner 'Nation. Sein classischer Stil, sagt Landau, (/Vorrede zu vr. Horzelzkv, S. 19, Prag 1826), seine umfassende Belesenheit und seilt forschender Geist geben ihm auf dieses Appelativ den gültigsten Anspruch; wie jenem hatte nach dem Berichte des Eusebius auch , ihm die dankbare Anerkennung eine Statue errichtet. Allein die historische > Eomposition ist wol eine, aber nicht