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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 117

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 117 (sequence 13)
Language
German
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Die Rachel. 117 von Paroxhsmus, als ein wilder Rausch der Sinne/erscheinen; darum empfand man die Kraft ihres Genius stets mit einem Entzücken, in welches sich ein leises Grauen mischte. Die Rachel verstand es, die Gemüther zu packen, zu zerfleischen und zu zermalmen; aber sie zu heilen und aus den wilden, furchtbaren Conflicten das Lickt der Versöhnung hervorleuchten zu lassen, welches die wogenden Gefühle beruhigt, das vermochte sie nicht. Ebenso wenig war ihr die Naivetät in den Lustspielrollen, in welchen sie sich zuweilen versuchte, eigen; hier' bewegte sie sich ganz auf fremdem Terrain; diese pikanten Conversationsfiguren umgab eine solche Hülle von Reflexion und ernster, scharfsinniger Berechnung, daß nian fühlte, sie könne in diesen Rahmen nicht passen. Unerreicht blieb sie dagegen in der Darstellung der Heldinnen eines Eorneille, Racine und Voltaire. Ging ihr Spiel bis zum Extrem des Schönen, so war dies dock theils in ihrem Wesen als französiscke Schauspielerin, theils in dein Charakter des französischen elastischen Dramas begründet. Als erstere hatte sie neben den Vorzügen auch alle Fehler der französischen Darsteller, und unter diese gehörte das auf die Spitze getriebene Charakterisiren. Andererseits war die elastische Tragödie selbst so wenig naturwahr und psychologisch motivirt, der rhetorischconventionelle Charakter derselben so vorwiegend, daß hier nur zwei Fülle möglich waren: entweder ein strenges Festhalten an der hergebrachten Scbule oder ein geniales Fortschreiten auf eigener Bahn. Eine Rachel konnte nur diesen Weg wählen, und so ist ihrer Künstlernatur jene dämonische Originalität zutheil geworden, welche gleich einem Phänomen am Theaterhimmel Frankreichs stund. Von den vielen Glanzpunkten ihrer Leistungen sei hier nur der Phädra gedacht, deren Gestalt zu dem Vollendetsten gehörte, was die Bühnenkunst jemals geschaffen. Man hatte geglaubt, die Rachel würde zu jung für diese von Racine selbst als seine beste bezeichnte Rolle sein, sie würde die physischen Schwierigkeiten dieser umfangreichen (700 Verse langen) Partie nicht bewältigen können, und darum hatte sich die pariser Kritik mit einem gewissen Mistrauen im Theatre Francais eingefunden. Das zahlreiche Publikum (die Einnahme der ersten Vorstellung betrug 5800 Francs) folgte dem Spiel mit größter Spannung. Anfangs war es nur die Rackel, welche man sah. Allmählick aber versenkte sie sich tiefer in den Geist ihrer Aufgabe und wußte unnackahmlick schön jene Worte zu sprechen:?Nsäi-s. 'tu soolirÜ8 ss M8 äs N^ma^ons, t's s>lMss 8i Iori»'teinp8 pcn' inoirrisras opprims. Orions. Hippolvte! Oraock Oisux! küsäis. OVu toi. «jui H8 nomrns! und in der fünften Scene des zweiten Actes: On äic iju'mi ^i-oiopt äspartvon8 stoi^ns Ü6 liou.8, ^srß'nsni'. .V vo>> äoräsrrr-8 js visn8 ,joinävs ms8 1a.i'rri68 : .M VNU'- V UN l'M SXpIlHUSV 1NS8 täurins8. Hinreißend war sie in den Worten: „Hon mul viont cko plu8 loin" u. s. w., und so steigerte sick der Erfolg von Scene zu Scene, bis sie mit allein Ausdrucke der Wabrheit, einer bleichen schönen Bildsäule gleich und doch mir nervenersckütternder Leidenschaft das Wort Unrclonim!" ausrufend, als wabre Phädra dastand. Unvergessen sind jene obenerwähnten Momente, wo sie, hingerissen von der Volksbewegung, einstmals, nachdem sie die Lucrece gespielt hatte, mit der Tricolore in der Hand, feurigen Blickes vor die Menge trat und, „halb Muse, halb Kriegssurie", mit denn Rufe ,,^ux urm68, eito^6U8!" den Funder in die erregten Massen warf, die Besonnensten mit sich fortreißend. Nack elastischen Vorstellungen, wie „Oinuu", „IlckioHnm", „Ue mojneuu elo Ue8l)w", „LUtlirickuto" u.s.w., wurde sie stürmisch vorn Publikum gerufen, das sie als Freiheitsgöttin bewundern wollte. Kehren wir jedoch von dieser Abschweifung zum Verlaufe ihres Lebens zurück. Sie blieb trotz vortheilhafter Engagementsanträge aus London und Petersburg dem Theatre Francais treu.

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