Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 110 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Mit diesem magst du Reden Pflegen, Ins Zwiegespräch die Lieder legen. Und fehlt es dir an solchem Mann, Nimm mich als den Genossen an. Zwar Hab ich Lieder nie gedrechselt. Mit andern Verse nie gewechselt, Doch werd' ich so durch dich gehoben Der fernsten Nachwelt aufgehoben, Und dieser Ruhm, er gilt mir mehr Als all mein Geld und Rang und Ehr'. Drum auf! Der Perlen reiche Zahlen Vereine sie in goldnen Schalen, Damit man um so leichter dann Den frechen Dieb ertappen kann." Ich that, wie jener mir gerathen. Gott, du bist Zeuge meiner Thaten. Dem guten Werke gieb Gedeihn! Dir mög' es wohlgefällig sein! — -- Nun auf, mein Lied! Die Sehnsucht nach dem Schönen, Sie sei dein Leitstern! Steige denn die Bahn Mit siegbewußten Schritten stolz hinan, Gen alle kämpfend, die das Gute höhnen. Du klingst, mein Lied, und jenen frechen Söhnen Des Uebermuths vergeht der eitle Wahn; Und die des Himmels Leuchte nicht mehr sahn, Sie wachen aus von den Posaunentönen. Bald schieße mit des Spottes Pfeilen du, Bald lehre mild, was Menschenpflicht hienieden, Dann aber wende dich dein Geiste zu. „Mit uns ist Gott!" Er bringt der Seele Frieden, Und sie gewahrt, daß echte Himmelsruh' Nur in dem Dienst des Ewigen beschieden. — -E-jchF-)- So führte Manoello die Leser in sein Liederbuch ein, dessen Schönheiten zu beleuchten unsere nächste Aufgabe sein wird. ( Fortsetzung folgt.) Trauenöilder. Die Mchel. Skizzen aus dem Leben einer französisch en Tragödin. Von vr. Livius littst. Es gibt Naturen, welche für die Bühne das sind, was ein Reformator für den Glauben, ein großer Herrschcrgcist für das Schicksal ganzer Staaten, ein wahrhaft Weiser für die Bildung seines Volkes bedeutet, Naturen, welche neueEpochen begründen und darum einen unvergänglichen Namen in den Büchern der Geschichte führen. Zu diesen Naturen gehörte die Rachel. Sie war es, deren Genie die Schöpfungen eines Racine und Corneille aufs neue belebte und das französische Drama auf eine Stufe der Classicität hob, die es schon lange nicht mehr betreten hatte. Von dem eigenen Feuer verzehrt, ist diese große Tragödin bereits im Alter von achtunddreigig Jahren wieder hinübergegangen in jene elyseischen Gefilde, denen sie entstammt zu sein schien, wenn sie als Freiheitsgöttin, mit der Tricolore geschmückt, im Jahr 1848 vor das Publikum trat und mit magischem, hinreißendem Tone, halb singend, halb sprechend die Marseillcrhmnne vortrug. Die Rachel ist dahin ihr. Bild aber sollte jeder ihrer Zeit- und Glaubensgenossen fest in sein Gedächtniß prägen, wenn er ein Bewußtsein von der Größe dieser Tragödin und von dem Eindrücke hat, den ihre Gebilde ansübten. Dies Bild lebendig zu erhalten im Herzen jedes gebildeten Israeliten, sei die Aufgabe dieser anspruchslosen Zeilen über die Künstlerin; sie mögen, unterstützt von den beigefügtcn Abbildungen, demjenigen, welcher sie bewundern konnte, eine Erinnerung sein, und jedem, der sie nicht gekannt, eine schwache Schilderung von dem bieten, was sie war. „Schwach" ist freilich der richtige Ausbruch für diese beschreibenden Worte, wenn man daneben jenes 500 Seiten lange Prachtwerk „knolisl st ln trn- Zöäis" (Paris 1859) aufschlägt, welches Jules Janin, ihr Entdecker, Förderer und einsichtsvoller Verehrer über sie verfaßt und worin er ihr ein erhebendes Monument gesetzt hat. Wo lind wann ist sie geboren? Schoil diese ersten Fragen an den Biographen vermögen wir nicht bestimmt zu beantworten. Vergebens streiten sich, soviel scheint gewiß, Frankreich und Deutschland um die Ehre, sie die Ihrige nennen zu dürfen. Elise Rachel Felix ist von Geburt eine Schweizerin. Ihr Vater Clemens Felix, ein Handelsmann, führte, wie dies im