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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 109

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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Manoello. W9 Die für der Nächstenliebe Preis Mir öffneten den Freundeskreis. Wir hatten im geschmückten Saal Begangen unser Purimmahl, Uns froh gelabt an Speis' und Wein, An Scherzen und an Plauderein. Wir standen aus und setzten alle Vereint ins Grün uns vor die Halle, Und von den Späßen und Geschichten Kam das Gespräch aufs Liederdichten. Gin Jeder sollte, ward beschlossen, Gin Lied verkünden den Genossen, Sb seins, ob fremdes — einerlei. Nur daß es neu und lieblich sei. Hält' einer gar, was er gesungen, Zu einem großen Kranz geschlungen. Sollt' er den ganzen Kranz uns weihn Und uns durch Duft und Glanz erfreun. Doch wer bei unsrer Tafelrunde Verweilte mit verschloss'nem Munde, Verwirkte schwere Geldesstras' — Gin Spruch, der mich vergebens traf. Da sprang bald hier, bald dort ein Thor Mit keckem Worte schnell empor Und hat ein Lied uns vorgesungen, Das seinem Kopfe nicht entsprungen. Ja mancher sprach — welch frecher Wicht — Als seine Schöpfung ein Gedicht, Das ich gemacht vor langem Jahr, lind das mir selbst so dürftig war. Daß ich mich nicht als Dicher nannte Und that, als ob ich's gar nicht kannte. Manch andrer, daß sich's Gott erbarm'! Der brachte vollgehüuft den Arm Mit dicken Büchern hergetragen, Wo noch aus seinen grünsten Tagen Gr alles, was sein Herz gestammelt, Sb gut, ob schlecht, mit Fleiß gesammelt. Was da zusammen war gelaufen. Glich einem großen Kehrichthaufen, Zn dem, von Schmuz und Staub bedeckt, Nur selten etwas Rechtes steckt. Da hob ein greiser Meister sich Und pries mein Lied und lobte mich. „Gs hat gar oft", sprach er, „mein Shr Gelauscht an deiner nieder Thor; Denn von den heut'gen Sängern allen Hat keiner mir so Wohl gefallen. Ja, wie den Gürtel an den senden, Trag' ich dein Lied stets auf den Händen!" Brav! dacht' ich. Wer so loben kann, Scheint mir ein wohlerfahrner Mann. „Wollt ihr mir wol die Lieder zeigen?" Sprach ich mit höflichem Verneigen. Was sah ich! Wie viel fremd Gethier Bewohnte da mein Waldrevier! Manch falscher Stein lag bei dem echten. Das gute Geld schwand vor dem schlechten, Und neben manchem Prachtgewand Hing Flickwerk da und Flittertand — Kurzum, es war ein Mischgericht, Doch meine Lieder waren's nicht.! Gin Mensch war ganz besondrer Art: I Gr schenkte fort, was ich gespart.! Sobald ich etwas Rechtes thu', Schreibt er es fremden Leuten zu.! Ging es, wie solche Federn schreiben,! Gs würd' an mir nichts Gutes bleiben.! Der letzte hatt' in meinem Namen! Zehn dicke Bände voll Makamen! Und voller nieder aufgetrieben, Die ich im Leben nicht geschrieben.! So ward mein Name breitgeschlagen. .Wie mich's verdroß, kaum kann ich's sagen.! Ihr Lieder! seufzt' ich, arme Lieder! Man tritt euch, ach! mit Füßen nieder Gleich Gdelsteinen, unerkannt. Verloren in der Straße Sand. Schwer lastet eures Schicksals Druck, Ihr, meine Zier, mein Perlenschmuck. Bald wird inan kaum von euch noch melden. Gefallene, vergesf'ne Helden! — „Genossen!" rief ich, „hört mich all! Mein Bestes, Schönstes plündert man. Man tauscht es aus voll Schändlichkeit, Und grausam naht das Rad der Zeit, Zermalmend was ich heilig nenne,! Die Liedergarben meiner Tenne. Nun steht in diamantnen Zügen Mein Name da, umringt von Lügen. Der Rest von meinen Liederheeren Gleicht an dem Strauch vergesf'nen Beeren'." So klagt' ich laut und seufzte schwer. Da fand inein Wunsch bei Gott Gehör. Gs hob sein Haupt mein Wirth und Meister, Der Gichenbaum im Wald der Geister. Gerührt von meiner Lieder Schmach, Sprang er vom Boden auf und sprach - „S, Menschensohn.' Was schlummerst du? Grwach' aus deiner trägen Ruh! Dein Zorn, dein Unmuth hilft dir nicht. Noch trübe Falten im Gesicht. Nein! Sammle deiner Laute Klänge, Nimm die Makamen und Gesänge! Und ordne sie am rechten Platz! Zu einem schönen Liederschatz, Zu einem Werk von Glanz und Ruf, So wie's vor dir Charisi schuf, Ter seine Lleder und Makamen Verband durch selbsterfundne Namen." Ich sprach: „Gharisi's Liederband, Du weißt's, aus einem Guß entstand. Die Lieder meines Mundes waren Die Frucht von weit verschiednen Jahren, Von allen Lagen meines Lebens. Hier suchst die Fabel du vergebens. Eint sich doch nie der Berg dem Thal, Nie unsres Volks versprengte Zahl; So müssen auch im Herbstes Wehn Die losen Blätter untergehn." Da sprach der Meister: „Freund, sm klug! Dem Kühnen glückte mancher Zug. Versuch's, die Lieder zu verbinden. Gewiß! Du wirst ein Mittel finden. Nimm, was der Feder dir entflossen; Denk einen Freund dir und Genossen.

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