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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 111

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 111 (sequence 7)
Language
German
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Die Rachel. 111 Anfänge unsers Jahrhunderts beim Juden häufig war, mit Kind und Kegel ein Nomadenleben. Nirgends heimisch, durchzog die kleine Karavane zigeunerartig Dorf für Dorf; war einStrich abgegrast, so ging es weiter zum nächsten. Es ist daher erklärlich, daß die Annahme, sie sei den 24. März -1820 zu Mumps im Canto» Aargau geboren, nur sehr unsicher ist, und daß der von Janin als Geburtstag angegebene 28. Febr. 1821 nicht viel mehr Gewißheit bietet,, Ihr Vater, geboren zu Metz, und ihre Mutter Esther Chaja wanderten mit der zahlreichen Familie ruhelos hin und her und ließen sich dann zu Lyon und 1830 zu Paris am Greveplatz nieder. In der Schweiz hatte die Familie ziemlich kümmerlich gelebt, in Lyon der Vater deutschen Sprachunterricht ertheilt. Derselbe gab sich auch später gern für einen Deutschen aus oder liebte es, sich mit deutscher Bildung zu schmücken, wie Eduard Devrient 1840 in seinen „Pariser Briefen" erzählte. Er permeinte auch, den ersten Einfluß auf die künstlerische Ausbildung seiner Kinder geübt zu haben, während es wahrscheinlicher ist, daß größtentheils deren eigene natürliche Begabung sie frühzeitig mit dem Gesang befreundete. So durchzogen bereits als zarte Kinder Rachel und ihre nächstälteste Schwester Sarah die pariser Kaffee- und Gasthäuser, mit Deklamation, Gesang und Spiel sich und den Aeltern kärglichen Gewinn verschaffend. Bei diesem vagirenden Bänkelsänger- Leben hätten die Kinder, da ihre Schönheit durchaus nicht bedeutend und Rachel sogar häßlich war, unbeachtet verkommen können. Kein Mensch in dem großen, wogenden und lärmenden Paris hätte sich um diese zwei Judenkinder gekümmert, wenn nicht Rachel durch die dramatische Gewalt, mit welcher sie Lieder und Gedichte vortrug und es darin zu einem besonder» Grade von Vorzüglichkeit brachte, Aussehen erregt hätte. In dem Hause ihres Vaters bildete sich ein kleiner Cirkel von Neugierigen und Kunstfreunde»; jeder bewunderte den Ausdruck, die Gewandtheit, das Seelenvolle ihres Vortrags, und wenn sie die Legende vom Ewigen Juden deelamirte, so steigerte sich der Beifall zu stürmischer Begeisterung. Als Rachel elf Jahre alt war, fügte es sich, daß Chorou, der berühmte Director der Schule für Kirchenmusik, der Lehrer des Duprez, sie hörte. Angezogen durch die Trefflichkeit ihres Vortrages, beschloß er, ihre Stimme ausznbilden, sah jedoch in Bezug auf die musikalische Seite wenig Erfolg. 11m jedoch ihr dramatisches Element zur Geltung zu bringen, verwandte er sich für ihre Aufnahme in die Deklamationsschule des Saint-Au taire, welcher Mitglied des Theätre Francais war. In jener Schute war der geeignete Boden, um die in ihr schlummernden großartigen Anlagen zu erwecken und die junge Künstlerblume zur Entfaltung zu bringen. Zuerst versuchte sich 18.43 Rachel als etwa vierzehnjähriges, fast noch kindliches Mädchen auf kleinern Bühnen, wie den Theatern Moliere und St.- Martin. Bier gab sie kleinere Lustspiel- und Soubretten-Rollen abwechselnd mit ernster» Partien. Noch war eben in ihr jene Gärung, jenes hastige Versuchen und Tasten auf den verschiedensten Oiebieten des Dramas. Aber diese Versuche waren eine für sie wichtige Schule, in welcher sie, trotz unbedeutender Umgebung und wenig aufmunternder Verhältnisse, ihr Eingehen in die verschiedensten Stimmungen bethätigte. Eben dieser Uebergangsperiode gehört auch ihr Spiel nn Conservatoire an, wohin sie der Direktor des Theätre Francais, Joustin de la Salle, in richtiger Erkennung ibrer Gaben beförderte, und wo sie am 20. Dctober 1836 mit vielem Beifalle auftrat. Immer inehr klärte sich ihr bedeutendes Talent ab, sodaß nun auch andere dasselbe schätzen lernten und Allanval sich beeilte, sie für das Theätre du Gymnase zu gewinnen. Am 1. Mai 1837 brachte der Zettel dieses Theaters die Notiz vom ersten Auftreten des Fräulein Rachel Felir. Sie debutirte in „Tu Vouclösune" mit einer» außergewöhnlichen Erfolge, sodaß sich bald eine

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