Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. und sein Satire sich wieder einstellten und den Kreisen, die sich an freudigen Festen beim Weine um ihn versammelten, große Heiterkeit gewährten, ist wol natürlich. So verlebte er, frühzeitig gealtert, den Rest seines Daseins, bis er im Alter von 65 Jahren 1330 zu Fermo verstarb, betrauert von italienischen Zeitgenossen, die seinen und Dante's Tod besangen. Dies das Wenige, was uns über Manoello's Leben erhalten ist. Seine Schriften zerfallen in grammatische, kabbalistisch-mystische, exegetische und dichterische und haben sich größtenteils erhalten. Ueber die ersten drei Gebiete können wir hier kurz hinweggehen. Wir begnügen uns, zu erwähnen, daß er ein, jetzt in Parma befindliches Werk: „Eben Bochan", über Grammatik und biblische Kritik und ein mystisch-kabbalistisches Buch: „Migdal Os "3 verfaßte, in welch letzterm er die Idee durchzuführen suchte, daß in den Buchstaben die Reiche der drei Welten dargestellt seien. Wir erwähnen ferner, daß er einen großen Theil der Heiligen Schrift eommentirt und dabei nicht nur grammatische und sachliche Erklärungen entwickelt hat, sondern auch in den tiefern Sinn einzudringen verstand. Gedruckt sind nur sein Commentar zu den Sprüchen Salomo's und Bruchstücke seines Psalmen-Kommentars. Andere haben sich handschriftlich erhalten, und zwar die über Psalmen, Pentateuch, Hiob, Hohes Lied, Ruth, Klagelieder und Esther, in Parma, im Vatiean, in Görz uud'i Hamburg. Von denen zu Jesaia, Jirmija und JecheskeL sind nur noch Glossen vorhanden, während sich von den übrigen nichts mehr vorfindet. Seine Hauptleistungen sind dichterischer Art. Er hat dieselben in seinem großen, schon erwähnten Sammelwerke, dem Lied er buche „Machberot Immanuel", in 28 Abschnitten (Pforten) niedergelegt und hier in ausgezeichnetem Neuhebräisch einen Diwan von außerordentlichem Reichthum geboten. Die Dichtungen sind theils nach Art der Makamen in gereimter Prosa (Meliza), theils in Versen (Schir) verfaßt. Erstere ist diejenige Sprache,! in der er sich am freiesten bewegte und l am meisten auszeichnete. Er dichtete!in dieser Form eine Menge kleiner! Novellen, Elegien, Episteln und Weltgesänge. Was seine Verse betrifft, so waren es die aus dem arabischen, spanischen und altprovenzalischen Boden entstammten Metra, welche er auf das Neuhebräische und Italienische übertrugt Die meisten und längern Gedichte sind Ghasele (worunter eins von 200 Zeilen), eine Form, in der er sich gern bewegte. In andern Poesien jedoch verpflanzte er, gleichzeitig mit dem ersten namhaften italienischen Dichter Fra Guittone von Arezzo, dem Begründer des musikalischen Liniensystems, die Form der Sonette durch sein Werk auf italischen Boden. Außerdem erfand er selbst zahlreiche, zum Theil in scherzhafter Weise erkünstelte Versmaße und metrische Anordnungen, sodaß manche Dichtungen, in einer gewissen Weise gelesen, eine Satire oder sonst einen versteckten Sinn enthielten. Neben humoristischen Purün-Dichtungen, Parodien auf Biblisches und scherzhaften Räthselspielen finden sich auch ernste, religiöse Poesien, welche, zugleich mit den schon erwähnten Elegien, einen Beweis geben, daß ihm auch echte Frömmigkeit nicht fremd war. So verfaßte er zwölf Gebete und Hymnen, worunter einen Hymnus über die dreizehn Glaubensartikel. Galt dies der äußern Form dieses Dichtungswerkes, so wollen wir hieran das knüpfen, was über dessen Entstehung Manoello selbst in der Einleitung berichtet: Muwelw's Einicitililg;u seinem Aederlniche. gndem ich Dank und Ehre bringe Dem Herrn, dem Urquell aller Dinge, Will ich mit fromm-bescheidnen Sinnen on seinem Schutz mein Wert beginnen. Will euch mit schlichten Worten sagen Von meines Atters trüben Tagen; Will zitternd schreiben mit der Hand, Aus der die Mannestraft entschwand. Wie, gleich dem Vogel ohne Dach, Ich irrend zog im Ungemach; Wie ich nach Fermo dann gekommen. Wo man den Dichter ausgenommen. Wo Männer meine Netter waren, An Geist und Weisheit wohlerfahren,