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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 107

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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Manoe llo. 107 Verlust seines Vermögens und seiner Stellung. Sein Hang zur Satire, der zuweilen an Frivolität gegrenzt hatte, mochte manchem Strenggläubigen schon längs ein Dorn gewesen sein. Jetzt verließen ihn Freunde und Verehrer, die ihn bisher umdrängt hatten, lind Manoello sah sich genöthigt, mit den Seinen Rom zu verlassen. Er ging nach Fermo in der Mark Ancona, nachdem er längeres Ungemach und manche Entbehrungen bestanden, ja selbst als gedemüthigter, verspotteter Greis vor den Dhttren der Reichen hatte betteln müssen. Zu Ancona fesselte ihn sogar eine Krankheit an das Bett und nvthigte ihn, sich später eine Zeit lang der Krücke zu bedienen. Einer der reichsten lind kunstsinnigsten Juden zu Fermo, Namens Binjamin, gab ihm endlich ein Asyl und setzte ihn in den Stand, sorgenlos zu leben. In demselben Jahre ereilte, gewissermaßen als Strafe für ihre Lieblosigkeit gegen Manoello, die römischen Juden eine jener vielen Gefahren, denen die Laune der Machthaber sie aussetzte. Ein allgemeines Fasten lind Beten, welches sie am 18. Juni 1321 veranstalteten, sollte den zürnenden Gott versöhneil und mußte sie daran gemahnen, daß sie nicht berufen waren, über einen Mann zu richteil, dem ihre Achtung gebührte. In demselben Jahre noch starb unserm Dichter die Gattin, dereil Verlust er nie verschmerzen konnte, und noch war das Jahr nicht zu Ende, als ein zweiter Todesfall ihn in große Wehmuth versetzte und zugleich Italien seines größten Dichters beraubte. Dante war in der Verbannung zu Ravenna im Alter von 56 Jahreil am 14. Sept. 1321 gestorben. Im Eril hatte er jenes Werk vollendet, dem die Nachwelt das Beiwort „Göttlich" verliehen, gleich als hätte sie ihr ganzes Lob in.Ein Wort gießen wollen, ein Werk, an dem er seit 21 Jahren dichtete. Manoello, der in gleichem Alter stand und wie Dante nicht mehr in seiner Heimat weilen durfte, fühlte jetzt erst, was er und die Dichtkunst an diesem Geiste verloren hatten. Dante's öfterer Aufenthalt in Rom hatte Manoello Gelegenheit gegeben, den Florentiner kennen zu lernen, dem er bewundernd nachstrebte, und mit dem ihn später die Freundschaft enger verband. Beide Todesfälle ergriffen ihn tief. Bedauernd schrieb Bosone an ihn: Losone an Manoello. Al'ä in demselben Jahre Manoello's Gattin und Dante gestorben. Der Welt erloschen sind zwei schöne Lichter, An deren Glanz und Tugend mancher hing: Ein Mann, der alles Wissens Reich umsing; Bewein' ihn, Freund! Er steht vor seinem Richter. Auch sie, dein Weib, der alle Angesichter An Schönheit wichen, deine Freude, ging, Und ich Unsel'ger klage mit und sing' Ein tröstend l'ied dem Gatten, Freund und Dichter. Ja weine, weine, Jude Manoel! Wein' um den Toppelschmerz, den du erfahren, Und um der sünd'gen Menschen Schuld und Fehl. Dies war das traurigste von deinen Jahren. Doch glaub' ich fest, des edlen Dante Seel' Wirst du zur Rechten Gottes einst gewahren. Manoello an Uosone. Antwort. Ich weck' aus meines Herzens tiefsten Tiefen Den reichen Bronnen meiner Thränenflut Und würde lodern von des Schmerzes Glut, Wenn nicht vom Auge Thränenbäche triefen. Wenn diese milden Wässer nicht mehr liefen. Es löschte nichts dies leidentflammte Blut. Jetzt bin ich fest und standhaft, und es ruht Das Heer der Seufzer. Daß sie ewig schliefen! Es mögen beide weinen, ^ud' und Ehrist, Und beid' auf einem Trauerschemel sitzen. Der Schmerz ist sündhaft, der mein Herz zerfrißt; Denn feit ich sah, daß keine Bitten schützen, Wenn uns ein böses Jahr beschieden ist, Seitdem erbebten meines Glaubens Stützen. Jetzt beschloß er denn auf Anrathen seines großmüthigen Beschützers, seine Poesien abzurunden und zu sammeln, und schuf 1328 sein großes poetisches Sammelwerk, auf das wir spater zurückkommen werden, und in dessen Schlußkapitel er seinem von ihm verehrten Freunde Dante ein Denkmal der Erinnerung weihete. Daß, nachdem sein Leben sich wieder sorgenfreier gestaltet hatte, auch seine Jovialität, sein Witz 8*

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