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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 106

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 Jllustr. Monatsh. für die gef. kannt, noch nicht genug hervorgehoben. Namen, wie Süßkind von Trimberg, Santob de Carrion, Manoello n. a. geben hierfür Zeugnis;. Noch immer möchten viele jenes spccifisch jüdische Wesen, ohne das sie sich einen Juden nicht denken können, als die Norm betrachten, möchten jene Spuren verleugnen, welche das Eingreifen von Juden in die Geschichte ihrer Zeit darthun. Und doch sind es gerade diese Spuren, welche das Judenthum am besten von dem Vorwürfe reinigen, daß seine Interessen nicht über die Grenzen seines Glaubens gereicht hätten, und daß es nationalen Interessen fremd gewesen sei. Wo dies geschah, war cs die Schuld seiner Verfolgers die Schuld des Vaterlandes, das sie zurücksticß. Manoello oder Immanuel den Salomo, der jüdische Heine des Mittelalters, wie der ausgezeichnete Historiker Grätz ihn mit Recht nennt, ist um l26ö zu Rom geboren, also in demselben Jahre wie Dante. Er gehörte der angesehenen jüdischen Familie der Sifronüer zu Rom an. Sein Vater Salomo und seine Mutter Justa, eine fromme, züchtige Frau von guter Familie, gaben dem Sohne eine weise und zeitgemäße Erziehung, die sich zunächst ans den Unterricht in Bibel und Talmud erstreckte. Sein Jugendlehrer in diesen Färbern war der Arzt und Gelehrte Binjamin ben Jechiel, der ihn in die Werke des Maimonides einführte, und mit dessen Führung er, unterstützt durch ein gutes Gedächtnis; und einen klaren Verstand, das jüdische Wissen durchdrang. Auch sein jüngerer Vetter Leone Romano oder Jehnda ben Mose ben Daniel, den er „die Krone des Gedankens" nennt, nahm einen hervorragenden Platz in der Reihe seiner Erzieher ein. Derselbe unterrichtete den König Robert von Neapel im Hebräischen und war Uebersetzer und Bearbeiter Albertus Magnus und Thomas von Aquino. Auch ein Bruder des Leone Romano, Namens Daniel, machte sich um Manoello's Ausbildung verdient. Frühzeitig zogen ihn hebräische Interessen des'Judenthums. Sprachkunde und Bibelexegese an; er beschäftigte sich aber auch eingehender mit Philosophie und Kabbala und bewegte sich überhaupt zunMst in dem damals gebräuchlichen des specifisch jüdischen Wissens?^ Gar bald aber entwickelte sich in ihm ein Talent zur Poesie, das sich, gehobelt durch den Aufschwung der italienischen Literatur, zu einer bedeutenden Beherrschung dieser Kunst gestaltete. Der neuerwachte Frühlingshauch, welcher über die Geister Italiens wehte, ergriff auch ihn und machte ihn zu einem Dichter, der sich in neuhebräischer und italienischer Sprache mit Gewandtheit bewegen lernte. Manoello scheint der ärztlichen Zunft angehört zu haben, einem Stande, zu dem sich auch Dante gesellte, um zu Staatsämtern gelangen zu können. Er führte jedenfalls zu Rom ein ehrbares Leben, nahm eine geachtete Stellung ein, kam aber, obgleich er mehrfach mit hervorragenden Christen verkehrte, wol nie über die Grenzen des römischen Gebietes hinaus. Einen Ausflug, den er als junger Mensch nach der Stadt Fnbriauo an den Apenninen machte, kann man wol kaum eine Reise nennen. Wann er sich verheirathete, ist uns unbekannt. Ebenso wenig kennen wir den Namen seiner Gattin; wir wissen nur, daß sie eine Tochter des römischen Gemeindevorstehers Rabbi Samuel und der „Bruuetta" war, und daß er ihrer bis in sein Alter mit zärtlichster Liebe gedenkt. Um sein fünfzigstes Lebensjahr (um 131ö> nahm er, wahrscheinlich als Stellvertreter oder Nachfolger seines in der Fremde ermordeten greisen Schwiegervaters, eine geachtete Stellung in der römischen Gemeinde ein, und zwar ivol gleichzeitig als geistlicher und weltlicher Vorsteher. Aber nicht nur bei seinen Landsleuten war er geehrt, sondern auch nach der Provence und nach Spanien drang sein Ruf, den ihm seine wissenschaftlichen und poetischen Werke verschafften. So lebte er eine Zeit lang gefeiert und wohlangesehen, als plötzlich gewichtige Schicksalsschläge ihn in Verlassenheit und Armuth brachten. Großmüthige Bürgschaften veranlaßten den

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