Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 103 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
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10! Theater und Musi ben wir uns von jenen: großen Gedanken Napoleon's I. entfernt, der durch die ^Berufung eines großen Sanhedrins und die Organisation des israelitischen Cultus die jüdische Religion anerkannte! „Wir leben in einer Zeit und in einem Lande, in welchem die Religionen und (5ulte sich im Gewissen verschließen, in den Tempeln sich frei bewegen können. Gin Priester mag von der Kanzel herab die Geburt des Messias und die Verblendung der Luden, welche ihn verkannt und gekreuzigt haben, verkünden. Lch kann dies als eine Ansicht der katholischen Religion, gegen welche übrigens ein Rabbi in der Synagoge von einer andern Kanzel predigen kann, begreifen. Aber daß der Regent eines großen Reichs in der Vorrede eines Geschichtswerts eine solche Aeußerung Lhut, daß er in einem Buche, welches er in alle Sprachen übersetzen läßt, neuerdings der Welt und Frankreich gegenüber, wo er alle Gewalt in seinen Händen vereint, gegen die Luden die Anklage erhebt, in ihrer Blindheit ihren Messias gekreuzigt zu haben, während dieser Messias Jesus Christus ist; daß er diese schreckliche und schmerzliche Anklage, welche die Ströme jüdischen Blutes, die darob vergossen wurden, aus dem Gedächkmß der durch die Philosophie aufgeklärten Nationen hinweggetilgt zu haben schienen, erneuert — war eine sehr unglückliche Eingebung. Ihr Ad. Cremieur." Theater und Mnlik. In Paris wird die Errichtung eines religiösen Theaters (tlwütra relioieux) beabsichtigt, in welchem ausschließlich Stücke aufgesührt werden sollen, deren Stoffe den vierundzwanzig Büchern der Heiligen Schrift entlehnt sind. Ln Alexandrien wurde das neuerbaute große Theater mit einer Meyerbeer'schen Oper eröffnet. Der in England lebende Componist Rudolf Schachner befindet sich zur Zeit in Deutschland, um die Aufführung seines Oratoriums: „Israels Rückkehr aus Babylon" in Wien und München zu erwirken. Dieses Tonstück fand auf dem Musikfest zu Worcefter die ungeteilteste Würdigung. Ln Wien gelangt es auf besondern Wunsch Ihrer Majestät der Kaiserin am Sonntag nach Ostern zur Aufführung. Jakob Osfenbach's neue Operette: „Im Kkllle Hölöns" (Die schöne Helene) erfreut sich allenthalben des ungeteiltesten Beifalls. Er arbeitet an einer Fortsetzung derselben, die im Winter zur Aufführung gelangt. Mosenthal's Schauspiel „Deborah", welches im vorigen Lahr auf der wiener Hosbühne zum ersten mal mit ungewöhnlichem Erfolg in Scene ging, erfreut sich gegenwärtig in England in englischer, „Iwa." betitelter Bearbeitung außerordentlichen Beifalls. Eine beliebte Schauspielerin, Miß Bateman, bringt k. Bildende Kunst. die Titelrolle außer in der Residenz auch in Provinzstädten zur Darstellung. Desselben Verfassers „Sonnwendhof" wird gleichfalls in London unter dem Titel „8nnnv Valo Um" jetzt mit großem Beifall aufgefühn. Der Uebersetzer beider heißt L. V. Bridgman. Herr Prof. Sutzer aus Wien erst eure sich Während seiner Anwesenheit in Konstaminopel der besondern Gunst des Sultans, der sich durch sein Klavierspiel besondere angezogen fühlte. Lil-tii-t Limit. Herr Prof. Ludwig LacobY von der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien ( Israelit) ist von dem k. k. Oberstkämmererarm mit der Ausführung der von Winterhalter gemalten Porträts des Kaisers lind der Kaiserin von Oesterreich in Kupferstich beauftragt. Ln der Hofburg wird für ihn ein eigenes Atelier eingerichtet. Ln der vorjährigen Octoberausstellung in Berlin erregte ein Gemälde Stryowsky's aus Danzig allgemeine Bewunderung. Lm Lahre 1.AI2 trat dieser talentvolle Maler zum ersten mal mit einem Gemälde: „Polnische Luden", vor die Oesfentlichkeit. Diesem Stoff ist er auch ferner treu geblieben; das erwähnte Gemälde auf der Octoberausstellung hat „Polnische Luden in der Synagoge" zum Vorwurf. Hr. Emil Wolf in Rom hat eine „Judith" unter dem Meißel, die eine Gestalt von großer Schönheit und hohem Adel zu werden verspricht. Der Bildhauer Dunet und der Architekt Lebas in Paris haben ein Denkmal Halevy's, zu welchem die Stadt Paris den Platz, die Regierung das Material und eine veranstaltete Sammlung die weiters erforderlichen Geldmittel liefert, in Arbeit. Große 'Anerkennung findet das neueste Werk Lechos's, eines Schweizers, eine großartig aufgefaßte Statue der „Eva" in überlebensgroßer Gestalt. Eine Büste Meyerbeer's wurde von dem Bildhauer Michelis für den Concertsaal des königl. Schauspielhauses in Berlin angefertigt. „Tie Vision Ezechiel's" nennt sich ein Gemälde von Paul Balze in Paris, welches im vorjährigen Salon dort allgemeinen Beifall fand. Dem Andenken Lassalle's wurde auf dem israelitischen Friedhof in Breslau ein Denkmal gesetzt. Das schön gearbeitete, mehrere Fuß hohe Piedestal trägt eine Tafel mit der Inschrift: „Hier ruht was sterblich war von Ferdinand Lassalle, dem Denker und Kämpfer, geb. den 11. April 1825 in Breslau, gest. den 31. August 1864." Das Ganze ist aus Marmor. Ein Denkmal für den hochseligen Prinz- Gemahl Albert wurde im Garten des Victoria- Museums zu Bombay von dem verstorbenen jüdischen Bankier David Saasoon errichtet. Der Architekt Oppler in Hannover wurde