Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 102 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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102 Jllustr. Monats h. für die ges. seine „Sammlung von Rahel's Briefen" nicht erlangen. Das „literarische Centralblatt" spricht sich in Nr. 0 d. I. über Rönnefahrt's „Lejsing's N'athan der Weise" in folgender Weise aus: „Ja, der hochberühmte lessing, dieser Große unter den Heroen der deutschen literatnr, hat zur Zeit der Blüte seines Ruhms das dramatische Gedicht Nathan der Weise im Jahre 1779 vollendet und durch den Buchdruck veröffentlicht, um Geld zu verdienen So sagt! aus S. 8 die Vorrede, welche mit der nicht ungewöhnlichen Bemerkung beginnt, „Dan-! pel's lessing sei als ein Wert gediegener Ge-: lehrsamkeit zu rühmen". Dem Verfasser tönnen wir ein gleich rühmliches Zeugniß nicht ausfteUen, sondern ihm lediglich nachsagen, daß er 186 Seiten flacher, weitschweifiger Moralisirerei und Schulmeistern zusammen - geschrieben hat, ohne das Verständniß des! Nathan im mindesten zu fördern. Die Verse: Ich Hab' in dem gelabten Nmde i Und drum auch nur gelobt ans immerdar! > Der Borurtheile mehr schon abgelegt; Veranlassen Hrn. Rönnefahrt zu einer Betrachtung von zwei Seiten, welche schließlich in der bescheidenen Hoffnung endet, es werde dereinst ein anderer 'Ausleger des Dramas eme genügende Erklärung dieser rätselhaften Zeilen geben. Zuletzt zählt der Verfasser in weltgeschichtlicher Reihenfolge, mit Angabe der Verleger, doch leider nicht der Ladenpreise, seine acht unsterblichen Werke über Maria Stuart, die Braut von Messina u. s. w. auf, und meint befriedigt: „So schreiten wir an der Hand unserer Dichter den ganzen Weg entlang, den die Menschheit vom ersten Stadium des geschichtlich bekannten Lebensgangs an bis auf unsere Tage zurückgelegt hat". Za wohl, wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun. Von 1)r. Philippson's „Israelitische Religionslehre, ausführlich dargestellt", ist der dritte Band erschienen. Desselben Verfassers „Neues israelitisches Gebetbuch" erscheint in italienischer Uebersetzung. (Es scheint also doch sogar ein Gebetbuch, nicht blos ein Katechismus, wie Herr Rabbiner Lattes sich ausdrückt, in Italien erscheinen zu können.) Es erscheint in Paris ein von Sen. Sachs edirter Katalog der Günsburgischen Bibliothek dort, die eine der reichsten und werthvollsten der bestehenden hebräischen Büchersammlungen ist. Die „Blätter für literarische Unterhaltung" bringen über Frankl's „Libanon" folgende Besprechung: „Es (dieses Familienbuch) ist eine geschmackvolle Auswahl von Dichtungen, welche theils von jüdischen Dichtern aus dem Geiste des Zudenthums herausgedichtet sind, theils überhaupt Stoffe der jüdischen Geschichte behandeln. Auch viele christliche Dichter haben im Geiste der Bhron'schen --Hadrer ino loäieL» die Geschicke des auserwählten Volks elegisch gefeiert, bis die realistische Richtung der neuesten Zeit die mit der Silhouettenschere aus¬ Znteressen des Zudenthums. geschnittenen -.Beitel Jtzig» zu ihren poetischen Vignetten wählte. Doch fehlt kaum einer der neuern namhaften Dichter in der Sammlung: Freiligrath, Anastasius Grün, Nikolaus Lenau, Meißner, Gutzkow u. a. sind vertreten, und zwar nächst Byron mit den zahlreichsten Gedichten der Herausgeber selbst, dessen --Rose von Jericho" namentlich einen echt dichterischen Hauch athmet. Durch edeln Schwung siel uns außerdem der Klagegesang der Kinder Juda in RoM", von Gregorovius, --Eines Dichters Bestattung», von Emil Kuh, und Leopold Kompert's «Pslügerlied» auf." (Bl. f. l. U., 1865, Nr. 6.) In einem „Eingesendet" in Nr. 1 d. I. des „Israelit" aus Frankfurt n. M. Wersen „mehrere Subscribenten" der in Wien erscheinenden neuen Ausgabe des Talmud Jneorrectheit vor. Die „Neue Freie Presse" vom 6. März bringt folgende Mittheilung: Herr Redacteur! Es wird für die Juden in Deutschland gewiß von Interesse sein, zu hören, in welcher Art ihr berühmter französischer Glaubensgenosse Cremieux eine Stelle der Vorrede Napoleon's zum „Leben Cäsar's" zu einer Reelamation benutzt, und ich sende Ihnen daher hier einen Brief, den Cre'mieur morgen in Paris veröffentlichen wird. Paris, 28. Februar. Ein Deutscher in Paris. Der Brief von Cremieur lautet in deutscher Uebertragung: „Ich habe eben die Vorrede gelesen, welche Napoleon 111. seinem --Leben Eäsar's» voransetzt. Der freilich etwas gedämpfte Fatalismus einerseits, anderseits die den Völkern übrigens ziemlich eindringlich vor Augen geführte Pflicht, je nach ihren Zeitepochen die Ideen Karl's des Großen, des ersten Napoleon's zuzulassen, hatten meine ganze Aufmerksamkeit wachgerufen, als ich bei den Worten anlangte: --Glücklich die Völker, welche dieselben begreifen, wehe denjenigen, welche sie misverstehen oder bekämpfen! Sie machen es wie die Juden, sie kreuzigen ihren Messias.»! „Wie konnte Napoleon diese Phrase nieder- Zchreiben! Wo hat der Historiker den Beleg für diesen Ausspruch, den er so kurzweg hinstellt, aufgefunden' --Die Juden haben ihren Messias gekreuzigt!" „Die jüdische Religion, welche in jenen Ländern, wo ihre Anhänger sich der politischen und bürgerlichen Rechte erfreuen, den übrigen Religionen gleichgehalten wird, sie,! welche in jenen Ländern, wo ihre Bekenner 'der Verachtung, den Verfolgungen ausgesetzt n sind, mit so vieler Tapferkeit ihre Unsterblichkeit aufrecht hält, die jüdische Religion erwartet ihren Messias. Die katholische Religion ist es, welche sagt, daß dieser Messias i von den Juden verkannt, von ihnen gekreuzigt wurde. „Also die Vorrede zum «Leben Cäsar's» wird jetzt vom katholischen Standpunkt geschrieben! Eine Religions-These wird als ein! historisches Ariom aufgestellt! O wie weit ha-