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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 104

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 104 (sequence 112)
Language
German
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104 Jllustr. MonaLsh. für die ges. Interessen des Judenthums. von Sr. Maj. dem König mit dem Bau der Marienburg und der Ausführung des Marschner - Denkmals betraut. Ältttthumsknudr. .vr. Abraham Firkowitz in Paris, ein durch seine Forschungen in der kara'r'tischen Literatur berühmter Gelehrter, unternahm eine Reise nach Aegypten, und es gelang ihm da, während eines längern Aufenthalts, gegen dreihundert noch nie edirte und auch sonst ganz unbekannte Handschriften aufzusinden, was er seiner Glaubensgenossenschaft mit den dortigen Samabitanern hauptsächlich zu verdanken hat. Cr glaubt in diesen Manuscripten die Behauptung des Talmuds, daß die Samaritaner auf dem Berge Garizim die Gestalt einer Taube götzendienerisch anbeteten, bestimmt wiederholt und bestätigt gefunden zu haben. Eine Aufzeichnung, die durch ihre Daten und Jahreszahlen die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt erregt, lautet: „Derjenige, welcher die Synagoge zu Alcadra erbaut hat, ist der Priester Äkbatan, Sohn des Amram, Sohn des Tobias, im Jahre 177 nach der Geburt des Messias"') oder im Jahre 4458 nach der Geburt des ersten Menschen oder Adam; denn der Messias hat zur Zeit des Hohepriesters Jakom im Jahre 4281 gelebt. Folglich stammt das Monument aus der Zeit Adrian's, welcher über die Römer herrschte und die Tochter des Priesters der Samaritaner heirathete." Dieses Document verdient aber sehr wenig Glaubwürdigkeit, da die beiden in demselben angewandten Zeitrechnungen um 678Jahre disferiren. Wir lesen im „Athenäum": Sir Henry James berichtet, daß Kapitän Wilson und die englischen Ingenieure, die gegenwärtig sich mit der Vermessung Jerusalems beschäftigen, einen Bogen des von Josephus erwähnten Tempelwegs entdeckt haben. Dieser Bogen soll ungefähr 50 Fuß Spannweite haben, der Harammauer in ihren besten Theilen im Maurereistil entsprechen und in einem sehr gut erhaltenen Zustand sein. Cr ist also wol ein Werk des Herodes. Diese Entdeckung hat einen sehr hohen Werth; sie deutet auf die genaue Lage der Tyropäonbrücke hin und gibt durch ein Beispiel den sprechenden Beweis, daß die Grundmauern Zions nach der großen Belagerung nicht zerstört wurden. Da dies eine durch die neue Wiederentdeckung so ziemlich ausgemachte Sache ist, so ist den Forschern hier ein weites Feld geöffnet. Wenn einer der Bogen dieses mächtigen Straßenwegs mit Staub und Schutt bedeckt sein tonnte, sodaß er achtzehnhundert Jahre lang im Boden verborgen lag, warum sollte dies denn Ein hebräischer Synonym für Christus. nicht bei allen den niedrigen: Gemächern der an die königliche Brücke angrenzenden Bauten der Fall sein können? Einige Controverse mit dem Spaten in diesem Theile Jerusalems wird besser sein, als tausend Debatten in Büchern und Vorlesungen. Das alte Jerusalem liegt in Trümmern begraben, und die es haben wollen, müssen es aufgraben. Hr. Grove gibt den Rath, den „assyrischen Ausgrabungsfonds", von welchem sich ein Rest in Hrn. Murray's Besitz befindet, den Arbeiten aus diesem neuen Forschuugsfeld zu widmen. Ließe sich nicht ein „jüdischer Ausgrabungsfonds" gründen, der diese Verwendung des „assyrischen" entbehrlich machen würde? Statistik. In Brünn leben derzeit 6000 Juden, gegen 2230 im Jahre 1857 und 135 im Jahre 1834. Bis 1848 waren sie dort blos in bestimmter Zahl geduldet. Im Jahre 1454 .vertrieben, gelang es ihnen erst nach langer Zeit, diese beschränkte Duldung zu erlangen. JmJahre179l befanden sich 147 „gelittene" Juden in Brünn. Laut neuester Zählung wohnen in den russischen Ostseeprovinzen 30448 Juden. Rach der Ende 1863 vorgenommenen Zählung lebten derzeit in Nom 4490 Juden. (Gesammteinwohnerzahl 201161.) In Victoria (Australien) wohnen laut neuester Zählung 5903 Juden und 395 „Israeliten und christliche Israeliten" (?), die die Liste als besonderes Bekenntniß anführt. (Gesammteinwohnerzahl 540322.) In Tunis wohnen derzeit beiläufig 40000 Juden. (Gesammteinwohnerzahl etwas weniger als 300000.) In Leipzig wohnen (laut der jüngsten Volkszählung) 1021 Israeliten, was annähernd dem Verhältnis; von 1 : 85 entspricht. Laut dem vom Rabbiner G. Lattes in Reggio herausgegebenen Jahrbuch wohnen in Gesammtitalien ungefähr 39—40000 Juden, und zwar in Rom (s. oben) 4490, in Livorno 4340, in Venedig 2500, in Florenz, Turin, Modena und Mantua je 2000, irr Ferrara 1600, Ancona 1500, Verona 1400, Alessandria und Pisa je 800, in Casale 700, Bologna 650, Mailand, Padua und Vercelli je 600, in Neapel 350, Parma 280, Genua 250, nebst einer größern Anzahl von Orten mit noch geringerer Einwohnerzahl. Von den aufgesührten 64 Genreinden haben 6, darunter Reggio selbst, nur 50, 2 blos 40 jüdische Einwohner. Der patriotische Herr Rabbiner hat irr dieser statistischen Zusammenstellung sein italienisches Vaterland um 5120 jüdische Bürger bereichert, indem er Triest mit 5000 und Nizza mit 120 Juden als zu „Italien" gehörend aufführt. Für die Redaction verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilberg's Verlag in Wien. — Xylographie und Truck von g. A. Blockhaus in Leipzig.

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