Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 101 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur, Buchhandel und Presse. 101 Die zweite, von Ricoldus, ist ganz ohne wissenschaftlichen Werth. Der Verfasser der dritten, Wilbrandus, hielt sich nur wenige Stunden in Jerusalem auf, und weiß daher gar nichts, während die vierte Schrift nichts als ein bloßes palästinisches Ortsregister enthält. (Lin vom Rabbiner G. Lattes in Reggio! herausgegebener israelitischer Kalender klagt; über die Theilnahmlosigkeit der gegenwärtigen! italienischen Juden für die jüdische Literatur, > die die Publication vieler werthvoller Manu-! seripte hervorragender jüdischer Autoren unmöglich macht; ja selbst die kleinste Broschüre, ein einfacher Katechismus, kann nicht durch den erzielten Absatz die Kosten der Herstellung decken! Wir haben Grund, diese Klagen für übertrieben zu halten. Girr Preußischer Generalmajor macht dem österreichischen Feldmarschalllieutenant Marenzi Eoncurrenz. Während dieser die Geologie zum Gegenstand seiner wissenschaftlichen Forschungen macht, hat jener sich das Juden-! thum erkoren. Er publicirte eine anonyme' Broschüre, deren Inhalt er aus den Werken Eisenmenger's und anderer gesinnungstüchtiger! Schriftsteller geschöpft hat. Doch scheint dies mehr Folge seiner geringen Kenntnis; des von ihm betretenen wissenschaftlichen Gebiets als irgendeiner bösen Absicht zu sein. Er soll sich mit 1)r. M. Wiener in Hannover in literarische Verbindung gesetzt haben. Das voll M. E. Stern in Wien herausgegebene hebräische Sammelwerk "22-2 lst schon bis zum einunddreißigsten Hefte gediehen. Leopold Kompert's„Ghetto-Geschichten" sind kürzlich ill holländischer Uebersetzung erschienen. Eine kostbare hebräische und orientalische Büchersammlung, aus dem Besitze des Hrn. Joseph Almazi in Padua, gelangt dort im ganzen zum Verkauf. Diese Bibliothek umfaßt 3309 Nummern, und zwar 2232 Werke über Theologie, hauptsächlich jüdische, 1345» hebräische Schriften, worunter viele von großer Seltenheit, und 332 meist hebräische Manuscripte. Nähere Auskunft bei David Eastelfranco ill Triest, der auch den von Luzzatto verfaßten Katalog versendet. In Wien erscheinen seit Herbst vorigen Jahres zwei hispaniolische Zeitschriften mit hebräischen Lettern (für orientalische Juden). Die eine, welche die Tagesgeschichte behandelt, nennt sich „Jl Dragoman", die andere, eine Novellenzeitung, „Guarita del Historeia"; beide sind Monatsschriften. Der Herausgeber heißt Alexander Semo. Auch in Paris erscheint unter der Redaction eines Hrn. Ezra Benveniste eine Zeitschrift in gleicher Sprache. Die in Jerusalem erschienene hebräische Zeitschrift „Libanon" ist vom Pascha mrterdrückt worden; sie wird von nun an in Paris erscheinen. Zu Napoleon's 111. „Leben Julius Eäsar's" hat ein israelitischer Hörer der Rechte, Hr. David C. in Wien, dem erlauchten Verfassereinige Materialien geliefert, nämlich Abschriften von in der k. k. Hofbibliothek zu Wien befindlichen, auf die Geschichte Eäsar's sich beziehenden Druckschriften und Manuscripten. Namentlich sind darunter zwei wichtige Urkunden, eine über den gallischen Krieg und eine über eine Krankheit Eäsar's, gewesen. DaS jüngst erschienene Heft der „Jahrbücher für Gesellschafts- und Staatswissenschaften", herausgegeben von Prof. C. Glaser in Berlin, bringt einen Artikel „lieber die Aushebung der Wuchergesetze", in welchem der Wucher als ein Nationalfehler der Juden dargestellt wird, da „sie das erste Volk sind, bei welchem wir gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des Wuchers begegnen". Der Herr Verfasser des Artikels vergißt, daß die mosaische Gesetzgebung auch nach andern Richtungen hin aus gebildeter ist als die gleichzeitige anderer Völker. Ein Herr S. Lipschütz in Hamburg beabsich tigt eine Geschichte der Juden zu schreiben, und fühlte er sich schon im vorigen Jahre ge drungen, in einem Programm, betitelt: „Einiges über das Bedürfnis; einer jüdischen Geschichte und deren Darstellung", die Welt von seinem Vorhaben zu unterrichten. In diesem Programm bricht er über die Geschichtschreibung Salvador's, Jost's und Grätz's den Stab und schleudert gegen diese selbst die unschicklichsten Jnvectiven. Dieser Hr. Lipschütz soll erst vor kurzem die Universität verlassen haben. Die Universität Tübingen hat durch Vermittelung des Herrn königlich preußischen Eonsuls Wetzstein in Damaskus eine kostbare Sammlung arabischer Handschriften erworben, unter welchen sich ein Werk von Abu l'Maäli über die Vorzugsstellungen von Jerusalem und Damaskus sonne eure Sammlung von acht Moseslegenden befinden. Hr. Andrie, Pastor der Hugenotten-Gemeinde in Berlin, beabsichtigt ein populäres Werk, „Introckuotion ü ln lvoturo cte la bivlo", zu veröffentlichen. Eine „Geschichte und Darstellung des jüdischen Eultus", von 4)v. M. Duschak, wird in Arnold Hilberg's Verlag in Wien demnächst erscheinen und sowol den vormaligen Tempelals auch den Synagogencultus be handeln. In der wiener „Neuen Freien Presse" be gann im Februar die Publication eines neuen Romans von Julius Rodenberg, „Die neue i Sündflut" betitelt, der Auerbach s „Auf der Höh'" folgte. Rodenberg's vielgelesener Roman, „Die Straßensängerin von London", ist kürzlich in dänischer Uebersetzung erschienen. Tie jüngst erschienenen zwei letzten Bände (dritter und vierter) der „Briefe an Ludwig Tieck" bringen auch mehrere äußerst interessante Briefe Rahel Varnhagen's von Ense über den Verfall des deutschen Theaters. Varnhagen konnte diese Briefe von Tieck für