Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 99 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeindewesen. Literatur, Buchhandel und Presse. 99 Gemeinde-, Luttns-, Schul- und Vereinsangelegenheiten. In Fürth in Baiern wurde unter Leitung des Architekten Hrn. Paul die Hauptsynagoge, mit Anwendung des gothischen Stils, rennovirt und theilweise neu gebaut. Sie besteht bereits circa 40l> Jahre. Wir gedenken demnächst eine Abbildung des gelungenen Baues unsern Lesern zu bringen. In Preußisch-Minden wurde eine neue, sehr schöne Synagoge gebaut, die für reformirten Gottesdienst mit Orgel u. s. w. bestimmt ist. Zn Paris sollen zwei neue Synagogen gebaut werden, von welchen die eine in die Rue de la Victoire, die andere auf den Place royale zu stehen kommt. Die auf 4 Millionen veranschlagten Rosten werden zur Hälfte von der Stadt Paris getragen. Die andere Hälfte wird durch Actien ü in Frs. beschafft, deren geringer Nennwerth es jedem Gemeindemitglied möglich macht, sich an dem frommen Werk zu betheiligen. Eine Commission beräth soeben die Frage, nach welchem Ritus der Gottesdienst in diesen Synagogen geregelt werden soll, da in Paris der deutsche (askinasische) und portugiesische (sefardischef Ritus ziemlich gleichviel Anhänger haben. Es wird eifrig für eine Verschmelzung beider Riten plaidirt. Von den zu subscribirenden 2 Millionen sind bereits 1,600000 Frs. gezeichnet, und wird der Bau der ersterwähnten Synagoge unverzüglich in Angriff genommen. Zn Sachsen-Weimar vermindert sich in den kleinern Gemeinden die Zahl der Mitglieder zusehends: eine Folge des den Israeliten dort in der Hauptstadt gewährten freien 'Niederlassungsrechts. Zn 'Alzey wurde die deutsche Sprache für Leichenreden von der israelitischen Gemeinde legal erklärt. Zn Pesth hat sich ein Verein zur Unterstützung armer israelitischer Studirender gebildet, und steht auch die Gründung eines solchen zur Unterstützung von Lehrern und deren Hinterbliebenen in Aussicht. Die Alborger Synagoge erfreute sich der Ehre, vom König und Kronprinzen von Dänemark besucht zu werden. Zn Aachen wurde die Orgel für den jüdischen Gottesdienst eingeführt. Literatur, Suchhunde! n»d Presse. Von Heinrich Heine's „Buch der Lieder" ist im Verlage von Leypoldt in Philadelphia eine englische Uebersetzung von Charles Leland erschienen. Bei der Schwierigkeit, die Heine'sche Manier im Englischen wiederzugeben, ist diese Uebersetzung eine durchaus gelungene. Namentlich sind die „Nordseebilder" bei treuer Wiedergabe von vollendeter äußerer Form und voll schwunghafter Energie. Im gleichen Verlag erschien von Mathew Arnold ein englischer Essay über Heinrich Heine. Es ist dies eine Sammlung verschiedener, in englischen Zeitungen veröffentlichter Feuilletons, die im allgemeinen wenig Neues bringen. Besonders hebt Arnold hervor die Heine eigene Zurückweisung des Altclassischen, Stock-Romantischen, seinen eigentümlichen, dem Geiste und den Anschauungen des 10. Zahrhunderts entsprechenden Standpunkt, den er „intens luoclerni^in " nennt. Zn Ahn's Verlag in Brüssel erschienen „Erinnerungen an Charles Sealsfield", von K. M. Kertbeny. Der Verfasser, einer der wenigen, die während Sealsfield's letzter Lebensjahre in nähern Beziehungen zu ihm gestandet:, widerspricht der allgemein verbreiteten Meinung, die Sealsfield's Testament hervorgerufen, daß er ein katholischer Geistlicher 'Namens Pestel, ans Znaim in Mähren gebürtig, gewesen sei. Vielmehr glaubt er Grund zur Annahme zu haben, daß Sealsfield ein österreichischer Zude Namens Siegelfeld war, der sich den damaligen drücken der: Verhältnissen der Zuden in Oesterreich durch die Flucht nach Amerika entzog. Thatsache ist, daß ldVo bei der schweizer Volkszählung Sealsfield in die Rubrik „Katholisch oder protestantisch?" „andern Bekenntnisses" schrieb. Die „Blätter für literarische Unterhaltung" brachten in ihren ersten diesjährigen Nummern ein „literarisches Porträt" Ferdinand Lasalle's aus der Feder Rudolf Gottschall's. Das Erscheinen einer neuen Biographie M eyerbeer' s, aus der Feder H. Grüneisen's in London, steht in nächster 'Aussicht. Die Buchhandlung Zean Paul Fr. Eugen Richter in Hamburg zeigt das bevorstehende Erscheinen „ Zsraelitischer Novellen", von vr. Schiff (Verfasser des Schief-Levinche) und andern an. Es ist dies eine auf sieben Bände berechnete Sammlung Schiff'scher und Kompert'scher Novellen. Znhalt: Band I.: „Das verkaufte Skelet", von Schiff. Band II.: „Böhmische Zuden, 1.", von Kompert. Band 111.: Dasselbe, „11." Band IV.: „Die wilde Rebizin", vom Herausgeber. Band V.: „Ghetto- Geschichten, 1.", von Kompert. Band VI.: „Das koschere Haus", vom Herausgeber. Band VII.: „Ghetto-Geschichten, ll.", von Kompert. Der Preis ist 20 Sgr. preuß. Cour, pro Band. Die historisch-philosophische Klasse der königl. > Societät der Wissenschaften in Göttingen hat > zur Preisaufgabe gestellt: Eine Geschichte der Stadt Damaskus, von deren Gründung bis! zum Untergang des Khalifenreichs. Einrei-! chungstermin: Ende September 1^65. Heinrich Heine's Dramen sind im Verlag von Michel Levy Freres in Paris in französischer Uebersetzung, begleitet von einer Vorrede St.-Rene Taillandier's, erschienen. Sie bilden einen Band der im gleichen Verlag erscheinenden französischen Ausgabe von Heine's sämmtlichen Werken. Seit Februar erscheint in Prag eine neue 7-i-