Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 98 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthum dah der gefährliche Posten nicht ihm, sondern Munt übertragen werde. Munt ist leider seit mehrern Jahren blind, und durch diesen Zustand vor Insulten oder Demonstrationen der für seinen Vorgänger begeisterten Studenten geschützt. Die französischen Klerikalen sind über Munk's Ernennung sehr ungehalten. Dem Hrn. Prof. Vn. Julius Fürst in Leipzig wurde der preußische Kronenorden 4. Klasse verliehen. Hr. P. Anspach in Paris ist zum Rath am kaiserlichen Caffationshof ernannt worden.! Er ist der erste Jsraelite, der an diesen höchsten Gerichtshof Franksreichs berufen wurde. Hr. M. M. Haarbleicher in Hamburg feierte am 28. Januar d. I. sein sünfundzwanzigjähriges Amtsjubilüum als Secretär der dortigen jüdischen Eultusgemeinde. Die philosophische Facultät in Bonn trug dem Prof. I)r. Pringsheim an der Universität zu Jena den Lehrstuhl der Botanik an, tonnte aber die Bestätigung des preußischen Ministeriums nicht erhalten. Hr. Emanuel, Sheriff in Southampton (Israelit), befreite alle im Schuldgefängniß befindlichen Personen durch Bezahlung ihrer Schulden. Sein Entschluß, der ein Paar- Tage früher verlautbarte, lockte eine Menge Personen in den Schuldthurm, die so auf leichte Weise ihre Vermögensverhältniffe ordnen wollten, und sie erreichten auch wirklich ihren Zweck, ja empfingen überdies jeder ein kleines Geldgeschenk aus der Hand des großmüthigen Sheriffs. Hr. Moritz Fischer, Inhaber der Herender Porzellanfabrik, wurde vom Erzherzog Rainer von Oesterreich zum Eorrespondenten des k. t. Museums für Kunst und Industrie ernannt. Seine gegenwärtig in diesem Museum ausgestellten Fabrikate find Gegenstand allseitiger Bewunderung und erfreuen sich der günstigsten fachmännischen Beurtheilung. Die Gebrüder G. G. und A. A. Levy erhielten vom König Victor Emanuel die erbliche Baronswürde. Dem in Jerusalem wohnenden I)r. Zimpel ist die Concession zum Bau einer Eisenbahn von Jerusalem nach Jaffa verliehen worden. Die Geldmittel hofft er durch Sammlungen beschaffen zu können. Hr. Joachim" wurde aus „konfessionellen" Gründen seines Postens als königl. hannoverischer Concertmeister entsetzt. Die königl. Akademie zu Berlin ernannte die Herren Jakob Bernays in Breslau, Giuseppe Fiorelli in Neapel und Max Müller in Oxford zu correspondirenden Mitgliedern ihrer philosophisch - historischen Klasse. Gestorben: Am 22. Oktober 1864. Hr. B. Lewen st ein, Oberrabbiner in Surinam (Niederl. Guiana), im 35. Lebensjahr. Seinem Leichenzug schlossen sich sämmtliche Behörden an. Ein unabsehbares Leichengefolge gab von seiner allgemeinen Beliebtheit Zeugniß. Am 10. December 1864. Hr. Gerson Levy, Buchhändler in Metz (Frankreich) im 81. Lebensjahr. Einer der Gründer der Akademie zu Metz, ein eifriger Förderer jüdischer Interessen, für die er auch schriftstellerisch wirkte, ein äußerst biederer Charakter, verbleibt ihm in weiten Kreisen das beste Andenken. An seinem Grabe, wurden von jüdischen und christlichen Rednern mehrere Reden gehalten. Am 18.December 1864. Simon Prüsker, k. k. Major in Prag, im 84. Lebensjahr. Elmar der erste, der es als Israelit in der österreichischen Armee zum Rang eines Stabsoffiziers brachte. Als Cadet trat er 1815 in Dienst und ward 1847 Major. Er machte den österreichischen Feldzug in Neapel mit, fungirte 1848 und 1849 als Platzmajor, später als Spitalcommandant in Verona. Seit 1854 war er pensionirt. Anfang Januar 1865. Hr. Jakob Moses Kann in Frankfurt a. M., ein seiner Frömmigkeit und Wohlthätigkeit wegen dort hochverehrter Mann. Ende Januar 1865. Hr. Wilhelm Bock in Wien, ein geachteter Journalist. Ende Januar 1865. M. Levenstein in Amsterdam, im 78. Lebensjahr-, ein dort geachteter Talmudgelehrter. Am 29. Januar 1865. Hr. I. L. Levinst ein in Berlin. Arm vor dreißig Jahren nach Berlin gekommen, schwang er sich rasch zum bedeutenden Kaufmann auf, um ebenso schnell in seine frühere Mittellosigkeit durch geschäftliche Unglücksfälle zurückzufallen. Nachdem er auch als Bahnhofrestaurateur wenig Glück hatte, gelang es ihm, durch verschiedene Dienste die Aufmerksamkeit der preußischen Regierung aus sich zu lenken, in deren Diensten er in vertraulicher Stellung unter den verschiedenen wechselnden Personen und Systemen verblieb. Seiner diskreten Stellung halber vermied er alles, was die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn lenken konnte. So schlug er die ihm von Oesterreich angebotene Baronswürde aus. Er war streng orthodoxer Jude. Er hinterläht ein ziemlich bedeutendes Vermögen. Am 17. Februar. I. N. Mannheimer, Prediger in Wien, 71 Jahre alt. Wir geben die erschütternde Nachricht von dem Ableben dieses in ganz Israel so hoch verehrten Mannes nach Schluß unsers Heftes. Wir werden im dritten Hefte Biographie und Porträt des Verstorbenen bringen. Die zeitraubende gute Ausführung des letztern macht es uns nicht möglich, sein Andenken schon im zweiten Hefte zu feiern. Am 28. Februar wurde in Dresden der Dichter Otto Ludwig, Verfasser der „Makkabäer", beerdigt.