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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 91

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 91 (sequence 99)
Language
German
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Pädagogische Briefe. 91 Anfänge seiner Reden gewissermaßen an Joel lehnt (Amos 1, 2, und Joel 4, 16). Das Geschichtliche in Amos (7, 10 —17) sind Reminiscenzen aus frühern Jahren, die Amos dem Volke vorführt, und womit er ihm vielleicht andeuten will, daß er schon viele Jahre früher vom göttlichen Geiste erfüllt gewesen. Fortsetzung folgt. Unterrichts- und Erziehungswesen. von I)r. Lamuel Mühsam, i. Du Wunderst dich darüber, lieber Freund, daß ich auf das Verhältniß der Mutter zum Kinde so großes Gewicht lege, und bist der Ansicht, daß bei der Entwickelung des religiösen Gefühls im Kinde nicht nur der Vater, sondern auch die Verwandten, die Schule und die Umgebung von bedeutendem Einflüße find. Wohl wahr! Es werden alle, die mit dem Kinde in Berührung kommen und alles, womit das Kind in Berührung kommt, zur Entfaltung der Anlagen, mit denen die Natur dasselbe ausgerüstet hat, ihr Scherflein beitragen; allein es ist andererseits unbestreitbar, daß das Kind in den ersten Jahren seines Lebens gemäß seiner natürlichen Zartheit und Weichheit mehr von weiblichen als von männlichen Naturen Eindrücke anzunehmen fähig ist, und daß deshalb die Bildung des Herzens beim Kinde vornehmlich durch die Mutter bewerkstelligt wird, da ohnehin das Kind enger an sie geknüpft scheint als an den Vater. Der Vorzug, den hier die Mutter für sich in Anspruch nimmt, wird durch den größern Einfluß des Vaters auf die Entwickelung des Geistes ausgewogen. Und diese Bildung des Herzens macht die religiöse Erziehung aus. Leider sind die Wenigsten Aeltern hierüber im Klaren. Sehr viele schreiben es auf Rechnung des religiösen Gefühls, wenn das Kind z. B. gern oder ungern betet; sie rühmen es als religiös, wenn es die ceremoniellen Formen der Religion ängstlich beobachtet, und kümmern sich nicht, ob es mechanisch oder mit Bewußtsein geschieht; oder sie nennen es irreligiös, wenn es sich derselben entschlägt, und sei es auch nur, weil es deren Bedeutung nicht zu erfassen vermochte. Das, was man im gewöhnlichen Leben „Frömmigkeit" nennt, wird von solchen Aeltern zum Maßstabe benutzt, nach welchem sie den größern oder geringern Fortschritt in der Entwickelung der religiösen Anlagen des Kindes bemessen. Weit gefehlt! Des Kindes religiöse Anlagen müssen in der zartesten Seite seines Herzens aufgehen: in der Fähigkeit, das Gute zu lieben. Die Liebe zum Guten ist die Basis der Sittlichkeit, und die Sittlichkeit der vollendete Ausbau jener ethischen Seite des Menschen, kraft deren er seine Ueberlegenheit und seinen Vorzug vor anderen Wesen zu manifestiren berufen ist. Die Religion hat es aus die Entwickelung des Geistigen im Menschlichen abgesehen; die Sittlichkeit erstrebt, daß aus dem Kampfe des Geistigen mit dem Materiellen das, was den Menschen zum eigentlichen Menschen stempelt, siegreich hervorgehe: sie erfüllt somit den höchsten Zweck der Religion. Die Liebe zum Guten muß erst im Kinde geweckt werden, und zwar so früh als möglich. Durch wen könnte dies aber angemessener geschehen als durch die Mutter? Die Mutter liebt das Kind: möchte dies doch in einem Grade der Fall sein, daß sie die Liebe des Kindes zu sich erwecken wollte! Denn wenn es auch Bande der Natur sind, die das Kind an die Mutter fesseln: die Liebe zu ihr, im engern Sinne des Wortes, will erst geweckt sein und nur durch die Mutter. Und diese Liebe zur Mutter ist es, die in dem Kinde zeitig genug die Hinneigung zum Guten hervorruft und fördert, aber eben nur dann, wenn eine solche durch die Mutter wach gerufen. Liebe zur Mutter besitzt das Kind zwar in den meisten Füllen, allein es ist blos jene instinctartige, die sich von der Liebe des Thieres in nichts unterscheidet; denn das Kind liebt zunächst nicht l die Mutter, sondern die Ernährerin, wie denn die Erfahrung genugsam darthut, daß es diese Liebe auf andere überträgt, deren Brust es ernährt. Eine solche Liebe reicht allerdings nicht aus, j die Quelle der Sittlichkeit zu werden.! Es liegt aber in den Müttern keine Bürgschaft, daß sie die Liebe im Kinde wach rufen, und zwar, weil sie zu sorglos sind, eben- § so wenig, daß sie diese Liebe im Kinde pflegen und erhalten, und zwar aus Unkenntniß der Mittel. Man hat viel gegen die widernatürliche Unsitte, das Kind einer Amme zu übergeben,! geeifert; die Frauen lieben nichtsdestoweniger! mehr, was für sie bequem, als was für das! Wohl ihres Kindes ist. Sie suchen sich eben

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