Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 90 (sequence 98)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2417805-2417806-2417807--099-2417935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

90 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. getreten sein. Daß der Prophet gerade diese Zwischenzeit im Auge hatte, dafür möchte ich zwei Beweise gelten lassen wollen: Erstens sagt Hosea (3, 4): „Israel ist ohne König und ohne Fürsten u. s. w.", und zweitens nennt er die nach Jerobeam II. regierenden Könige von Israel nicht, trotzdem er noch unter Menachem u. s. w. thätig gewesen sein müsse. Nach dieser Annahme braucht man 2 Kön. 15, 1, weder als Unrichtigkeit (s. Wiener, Artikel Usiah) noch, anders aufzufassen, als es der einfache Sinn ergibt; unser Prophet Hosea wird dann 48 oder 49 Jahre wirksam gewesen sein. Joel. Bei keinem Propheten Weichen die Meinungen über das Zeitalter so sehr ab als bei Joel. Letzterer gibt dasselbe gar nicht an; die einzigen Anhaltspunkte sollen die Feinde bieten, die Joel namhaft macht. Einige wollen die Überschrift „Ben Pethuel" mit „Nachkommen des Pethuel" übersetzen und den Namen Pethuel mit dem (1 Chron. 24,16) erwähnten Priester Petachjah identificiren; Raschi*) hält ihn für den ältesten Sohn Samuel's; Rdak setzt ihn unter Joram und macht ihn zum Zeitgenossen des Propheten Elischa nach 2 Kön. 8, 1, wo von einer Theuerung die Rede ist, und die Joel ebenfalls meinen soll; „Seder Olam" nennt Joel, Nachum und Habakuk als Zeitgenossen unter Menasche; andere (Credner, Hitzig) setzen ihn in die ersten Jahre des Königs Jehoasch, weil in den letzten Jahren desselben die Syrer in Juda einsallen und dieselben von Joel nicht erwähnt werden; andere machen ihn zum Zeitgenossen der Propheten Hosea und Amos, was aber blos den Umstand für sich hat, daß er in der Ordnung der Propheten zwischen beiden steht. Mit Amos hat Joel viel Ähnlichkeit: so reden beide von einer großen Dürre und Heuschreckeirplage, beide von dem Strafgerichte über die Edomiter (vgl. auch Joel 4, 16, mit Amos 1, 2). Stendel behauptet, Joel sei um die Zeit des Exils gewesen, und stützt sich auf 2, 20, wo er auf Assyrien bezieht (s. auch Raschi z. St.). Vatke setzt ihn gar nach dem Exile. Knobel und mit ihm viele andere ziehen aus dem Umstande, daß der Prophet die Phönizier und Philister, die Aegypter und Edomiter, nicht aber die Assyrier als Feinde Judäas nenne, den Schluß, daß er vor Ausbreitung der assyrischen Macht, also zur Zeit Usiah's thätig gewesen sei. Philippson setzt ihn n a ch dem Könige Joram, weil die Edomiter bis auf Joram den Judäern unterworfen waren und der Prophet ihrer doch als Feinde gedenkt, und vor dem Ende des Joasch, weil der Prophet die Syrer nicht erwähnt, die erst damals in Judäa einfielen; in diesem Zeiträume sollen die ersten Jahre des Joasch für die Wirksamkeit Joel's am besten passen. *) Siehe auch Midrasch Jalkat. Endlich Wird der Prophet Joel bis in die Makkabäerzeit hinabgedrückt, und zwar von Michaelis. In jüngerer Zeit ist Löw dieser Ansicht beigetreten (s. -2-8 2. Jahrgang, S. 65 fg.); er macht geltend, daß das Buch Joel viel Aehnlichkeit mit spätern Psalmen hat und vieles über Priesterwesen enthält, was auf die Makkabäerzeit deuten soll. Die meisten Ausleger bestimmen also das Zeitalter Joel's nach den Feinden, die er erwähnte oder vielmehr nicht erwähnte. Ich glaube aber, daß wenn die Feinde, die Joel namhaft macht, als Richtschnur für die Bestimmung seines Zeitalters gelten sollen, aus der Art und Weise, wie er sie namhaft macht, sich ungekünstelt und klar die Notwendigkeit für den Propheten ergeben müßte, eben diese und nicht andereAeinde zu nennen. Dies ist nicht der Fall. Es scheint vielmehr aus dem ganzen vierten Kapitel hervorzugehen, daß die V. 4 und V. 19 genannten Feinde nur beispielsweise angeführt werden; der Prophet spricht von einem allgemeinen Weltgerichte (V. 2, „alle Völker") und nennt dabei einige Feinde Israels, die wie alle andern von der strafenden Hand Gottes erreicht werden sollen; er hätte ebenso gut Syriens oder Assyriens Erwähnung Lhun können. Fällt aber dieser einzige Anhalt, so ist jede Mühe" vergebens, das Zeitalter Joel's näher zu bestimmen. Amos. Der Prophet Amos bestimmt sein Zeitalter mit Usiah von Juda und Jerobeam II. von Israel, und fügt noch hinzu „zwei Jahre vor dem Erdbeben." Ein Erdbeben unter Usiah wird auch vom Propheten Secharjah (14, 5) erwähnt; es soll nach Raschi, Rdak und Abenesra gerade damals eingetreten sein, als Usiah gegen den Willen der Priester opfern wollte (2 Ehron. 26, 19), und dieses wiederum soll nach traditionellen Nachrichten im 27. Jahre des Usiah stattgefunden haben. Wie wäre das wieder mit Jerobeam II. zu vereinbaren, der doch nach der Schrift schon im 14. Jahre des Usiah gestorben? Auch hier mache ich meine Auffassung des L52-- -2-2 geltend und behaupte, daß auch Amos in der Zeit des Interregnums wirksam gewesen, um so mehr, als ich annehme, daß Amos alle seine Reden in einem Jahre gehalten. Hierauf hat mich das geführt; denn was soll es heißen: „zwei Jahre vor dem Erdbeben"? Hat damals seine Tätigkeit begonnen, oder hat sie damals aufgehört? Und andererseits, wozu diese nähere, bei andern Propheten ungewöhnliche Zeitbestimmung, wenn nicht eben dieses eine Jahr hervorgehoben werden sollte? Die Reden des Amos bekunden übrigens einen innern Zusammenhang, und wie das zweite Kapitel, so scheinen alle folgenden die genaue Fortsetzung der vorhergehenden zu sein. So setze ich denn Amos in das 25. Jahr des Usiah (2 Jahre vor dem Erdbeben), also vor Hosea, der erst zu Ende des Interregnums, etwa 12 Jahr später, aufgetreten, und nach Joel, weil er sich mit dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.