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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 87

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 87 (sequence 95)
Language
German
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Das synagogale Gebet. Andacht beim Schema gelegt. Es werde als ein täglich sich erneuernder Verlobungsact zwischen Gott und Israel betrachtet. Midrasch Emor, 7V21N — irpuiio'sA.u.!.«, was R. Amrain besonders betonte. Um seinen Blick der Außenwelt ganz zu entziehen, bedeckte der Nassi Rabi während des Schema die Augen mit der Hand (Berachot 13). Man gebe jedem Worte seinen eigeneil Nachdruck und vermeide jede Hast. Dieser Vorschrift kamen die jüdischen Bewohner Jerichos nicht nach, weswegen sie getadelt wurden (Pesachim öd, Jerusch.) Diese Eile der Jerichaner erklärt sich aus dem Umstände, weil die Abtheilungen in Jericho den Beruf hatten, ihre Brüder in Jerusalem mit Wasser und Speise zu versorgen; wenn sie auch bei dieser Collision das Schema nicht ganz vernachlässigen wollten, wie dies bei den Leicheubestattern der Fall war (Berachot 17), so glaubten sie doch, sich nicht lange dabei aufhalten zu müssen (Taanit 27, 1). Die persischen Amoräer forderten insbesondere ein längeres Verweilen bei dem Worte nndr, lim sich mit der Idee des Monotheismus recht vertraut zu machen und die Weltenherrschaft Gottes in den sieben Himmeln, auf Erden und nach allen vier Weltgegenden sich tief einzuprügen, nur verweile man nicht allzu lange dabei, als ob der Monotheismus und die Herrschaft Gottes schon 'allein das ganze Judenthum involvire. Die spätern Rabbinen verlangten sogar, diese Gedanken mimisch, vermittelst einer Kopfbewegung nach oben, unten und den vier Weltgegenden, anszudrücken, indem sie meinten, Rabbi habe, um diese Bewegungen mit Andacht zu machen, seine Augen bedeckt, wogegen aber andere protestirten und die ruhigste Haltung vorzogen und empfahlen. Auf das Verstandniß und die Alldacht bei diesem Gebete wurde ein solches Gewicht gelegt, daß die Mischna Sota 32 gestattet, dasselbe in jeder Sprache zu beten, denn r-rheißt „verstehe". Rabbi I. ist zwar dagegen, dies war aber wahrscheinlich eine Consequenz seiner Antipathie gegen das Targlun und seiner Vorliebe für 67 die hebräische.Sprache, über welche er sich Baba Kama 83, l, ausspricht. Die Rabbinen stimmten mit ihm nicht überein. Da aber Rabbi's Antipathie gegen das Dargum durchdrang, zo daß dessen Schüler R. Jochanan in aramäischer Sprache zu beten verbot, (Sabbat 12), so reducirten einige spätere Gesetzeslehrer die Befugniß, in dieser Sprache zu beten, auf den öffentlichen Gottesdienst. Die Halacha beruhigt sich aber über diese prohibitive Maßregel damit, daß das Schema ja kein Bittgesuch sei (D. CH. 62). Bei diesem (Imstande, daß Rabbi durchaus der hebräischen Sprache den Vorzug einräumt, selbst auf die Gefahr hin. daß der Betende nicht verstehe, was er spricht, ist auch zu berücksichtigen, daß zu seinen Zeiten keine rechte Andacht herrschte. Ein Neuvermählter durste in den vier ersten Tagen nach der Verehelichung das Schema nicht beten. Später jedoch überließ man ihm die freie Wahl, weil ohnehin keine rechte Andacht anzutreffen war (Dur. O. CH. 70). R. Simon b. Gamliel protestirte gegen diese Befugniß. Die Halacha beachtet R. Simon nicht und erklärt den Neuvermählten, welcher das Schema nicht betet, für unbescheiden und sich ill wichtigen Füllen die rechte Andacht zutrauend. Maim. kann sich aber dazu nicht verstehen, daß man dieses wichtige Gebetstück ohne Andacht hersage; er meint daher, wer seine Gedanken nicht zu sammeln vermag, der unterlasse lieber das Schema zu beten. Bei einem so wichtigen Gebete wie das Schema wurden so manche Verhaltungsregeln besprochen und darüber verhandelt: ob man jedem Buchstaben seinen Nachdruck zu geben habe, ob man verständlich sprechen müsse (Berachot 15, 1). Eine eigene harmonische Vortragsweise wurde für den vom Vorbeter vorzutragenden Vers Schema gefordert (Sofrim 14, 9). Der Vorbeter soll das Schema mit lauter Stimme vortragen, verlangt später der Verfasser des Kolbo. Die Schule Schamais nahm die Worte „wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst" wörtlich, und meinte, man

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