Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 85 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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Das shnagogale Gebet. 85 reihten sich später sogar den Opfern an, und die außerhalb Jerusalem Wohnenden , bei den Opfern nicht Anwesenden beteten gewiß während des Opferns. Einige, auch Landshut im 20 ->->-> :.7i, wollen den Ursprung der Gebete in die hasmonäische Zeit versetzen. Aber schon Aristeas erzählt, daß die siebzig Dolmetscher allmorgens, wenn sie nach der Sitte der Juden die Hände gewaschen und gebetet hatten, an ihr Uebersetzungsgeschäft gingen, woraus hervorgeht, daß für die Zeit, in welcher Aristeas schrieb, eine schon große Verbreitung des allmorgendlichen Gebetes vorausgesetzt wird, was schon eine Fixirung der Gebete voraussetzt. Das Morgen- und Abendgebet ist für den religiösen Menschen ein natürliches Bedürfniß, welchem die Männer der g. S. gewiß Rechnung trugen. Die Halacha betrachtet das Gebet als Stellvertretung der Opfer. Das Morgengebet soll zur Stunde gebetet werden, in welcher das Morgenopfer dargebracht ward, wenn die Sonne über dem Horizonte zu leuchten ansängt, S2, worauf schon das Ps. 27, 4, deutet: durchbrechen. Berachot 26, 2: „Das Gebet ist an Stelle des Opfers, daher erfordert es dieselbe Andacht wie das Opfer; man gebe keinem fremden Gedanken Raum, da ein solcher das Opfer untauglich macht; man stehe; man habe einen bestimmten Platz, dulde keine Scheidung zwischen sich und der Wand lind habe eigene, reine Kleider für das Gebet, wie das alles beim Opfer sein mußte." O. CH. 98, 4. 3) Die Gebete. Das anerkannt älteste Gebet ist Kriat-Schema. Es wurde gewählt, weil es das Glaubensbekenntniß des den Monotheismus glaubenden Israeliten enthält. „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einziger Gott." Ueberdies wird sowohl in dein erstell Schema als in dem zweiten „Wehojo" geboten, davon zu reden. Es war diese Einrichtung zu Anfang des zweiten Tempels nm so angezeigter, als die Juden noch unter heidnischer Suzeränitüt ihr Staatsleben fristeten. Die dritte Parscha Wojomer wurde hinzugesügt, weil die Erinnerung an die Befolgung aller Gebote und die Erlösung Israels, als Grund für die Verpflichtung, die Tora zu befolgen, und der Auserwählung Israels darin enthalten. Das wurde später hinzugesügt, wahrscheinlich weil der Name Gottes im Schema mehreremal verkommt, lim unmittelbar darauf Gott in der Einzahl zu nennen. Die Sage datirt diese hinzugefügten Worte bis aus den Patriarchen Jakob zurück. Als er seinen .Kindern die Messiaszeit enthüllen wollte, trug er das Bedenken, daß irgendein Unwürdiger unter ihnen sei; sie aber sagten: Höre Jakob «Israel) u. s. w, worauf er Mwz Pesachim ö6, l. Maim., der die Messiaszeit als eine Zeit betrachtet, in welcher der einig einzige Gott allenthalben wird verehrt und angebetet werden, sagt (vom Schema 1,3) geradezu, Jakob wollte seine Söhne über die Einheit Gottes belehren. R. Ataha ordnete an, daß man das mit lauter Stimme bete, wie er sich ausdrückt. Zu seiner Zeit erhob nämlich das Christenthum das Haupt und polemisirte häufig gegen das Judenthum. Sie beriefen sich zu Gunsten der Trinitätslehre auf die dreimalige Wiederholung des göttlichen Namens in vielen stellen, wie auch im Schema; deswegen fand sich R. Abahu, ihr eifrigster Opponent-, veranlaßt, das als Manifestation der absoluten Einheit Gottes laut zu beten. Was Wajomer betrifft, so wußte man lange nicht in Palästina, daß man es Abends beten müsse, bis B. Soma diese Verpflichtung lehrte. Dennoch berichtet eine spätere Nachricht (Berachot 14, 2), daß man in Palästina Wajomer Abends nicht betete. Da aber doch eine Verbindung mit dem Erlösungsgebete stattfinden mußte, so wühlte man wahrscheinlich schon vor B. Soma ein solches, auf den Auszug aus Aegypten Bezug habendes Surrogat, wie es ibick. nach dem spätern Berichte formulirt ist. Eingeleitet wurde das Schema durch zwei Segenssprüche sowvl Morgens als Abends, von welchen der erste einen morgen-abendlichen Charakter hatte, gleichsam als Bestärkung in dem Monotheismus;