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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 84

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 84 (sequence 92)
Language
German
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84 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthnms. gen, eurem Gott, dienen." Als die Israeliten in den Zeiten des gottlosen Nebuchadnezar exilirt wurden, wurden sie (successiv) unter Perser, Griechen und andere Nationen zerstreut. Die Kinder der Exulanten sprachen einen, aus verschiedenen Sprachen vermischten Dialekt und konnten sich in keiner bestimmten Sprache vollkommen und deutlich ausdrücken. Diese ihre Sprachverwirrung veranlaszte Esra und seine Schule, die Formeln der achtzehn Segenssprüche als tägliche Gebete für sie zu verfassen. S. Berachot 33, 1. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels und Altars wurden neue Gebete verfaßt, in welchen die Saiten des gebeugten Herzens, aber freien Geistes erklingen. Der Vorbeter in der Synagoge, der Abgeordnete der Gemeinde, componirt Gebete und bereichert Psalm und Thesila; es fehlt die Musik, der Gesang und der Rhythmus, aber die Ideen des Psalmisten, sein Schmerzensruf, seine Schilderung der Noth, des Elends, der Verfolgung, des Blutvergießens, des Grams der Duldenden und Leidenden, von den Quälern und Unterdrückern; sein Rückblick in frühere Zeiten, in die alte nationale Geschichte; seine Aufforderung zur Buße, zum Gebete zum gerechten und barmherzigen Gotte, des Gesetzgebers, der Israel zum Volke und Zion zum Wohnsitze erwählt, der auch die verwünschten Feinde demüthigen wird und den Gedrückten den Sieg verleihen werde: dies alles wiederholt sich mit Beziehung, auf Edom, das nun Rom ist, und auf die andern drei Monarchien, von denen Israel geplagt wurde. Was die Weisen lehrten, beteten die Vorbeter. Und so später, als das heidnische Rom christlich wurde und die Juden nicht nur unterdrückte, sondern auch haßte. Was die Hagadisten redeten, klang in den Gebeten wieder. So wurde das Gebet der Mittelpunkt des ganzen öffentlichen Gottesdienstes, so daß man sich um den weggefallenen Gottesdienst nicht mehr grämte oder beunruhigte; es wurde auch eine Schatzkammer aller geistigen Schätze der jüdischen Nation, der Geschichte, der Hoffnungen, der Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen und der Natur. Besonders wurden die zehn Bußtage dazu benutzt, zu Reue und Thränen und zur Besserung , wovon ja die Erlösung abhängt, zu ermuntern. Zu den Gebeten kam Selicha und Puit. So wurden aus dem freien schöpferischen Gebete des biblischen Judenthums die treuen geschaffenen Gebete des rabbinischen Judenthums. 2) Das dreimalige Beten. Berachot 26,2 sagt R. Jose Ben. Chanina: jeder der drei Patriarchen hätte eine unserer Tesilot eingeführt, und zwar Abraham das Morgen-, Isaak das Abend-, Jakob das Nachtgebet. Besser sagt R. Jehoschua bei Lewi Pesachim, jer. 5, 1, Berachot, jer. 4, I: die große Synagoge habe diese drei Gebete von den Patriarchen abgelernt. Diese Amaraim meinten wahrscheinlich nur, das dreimalige Beten lasse sich auf die urältesten Zeiten zurückdatiren, ein solches sich selbstverstehendes Bedürfniß des Menschen sei es. So erklärt Berachot, jer. 4, 1, R. Schmuel bar Nachmein das dreimalige Beten gegen die drei Zeiten eingeführt, in welchen der Tag sich ändere für die Geschöpfe. Dem schon genannten R. Jehoschua wird aber Berachot 26, 2, die Meinung zugeschrieben, diese drei Gebete seien gegen die Opfer angeordnet worden, wovon auch das Muffafgebet zeugt. Da aber nur zweimal des Tages Opfer dargebracht wurden, so meint R. Tamhuna, daß das Nachtgebet gegen die noch nicht verkohlten Opferstücke des Mincha angeordnet worden sei. Vom dreimaligen Beten ist schon Ps. 55, 18, die Rede: Abends, Morgens und Mittags klage ich. Auch dein Daniel, welcher im Exil lebte, wird ein dreimaliges Beten an jedem Tage zugeschrieben (Dan. 6, 11). Daraus geht hervor, daß es von jeher Bedürfniß war, dreimal des Tages zu beten, und daß man im Judenthume die Analogie in dm täglichen Opfern fand. Doch bevor die Männer der g. S. die Gebete formulirten, extemporirte man und erzählte dabei passende Pentateuchstücke. Ohne Zweifel betete man das Schema, in welchem Stücke es ausdrücklich heißt: „Du sollst davon reden". Die Gebete

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