Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 83 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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Das shnagogale Gebet. 83 stellung der Juden warm plaidirt wird, worauf wir in einem nächsten Artikel zurückkommen, wie denn überhaupt der Darstellung der historischen Entwickelung der bürgerlichen und politischen Rechte der Juden in den einzelnen Staaten, zunächst Deutschlands, entsprechender Raum in unseren Jllustrirten Monatsheften gewidmet sein wird. ll. 8. Theologie. W MlWÄe Gebet in seiner geschichtlich enEntwickelung. Von vr. M. Duschak. 1) Allgemeines. In der Bibel finden wir nirgends ein feststehendes Gebet. Während die Inder ihr Gägatri, die Mohammedaner ihre erste Sure, die Christen ihr dem Judenthume entspringendes Vaterunser haben, schärst die Bibel nur Gesetze ein für das Leben, die mit Allgewalt auf das Bolk Israel wirken sollen. Wohl finden sich im Pentateuch Gebetsanklänge, Gesangstücke, Lieder oder Reste von Liedern, wie der schöne, einfache, vom Priester über die Gemeinde gesprochene Segen; die beim Aufbrecheu oder Ruhen des h. Lagers gesprochenen kriegerischen Zeicheuworte in ihrer kurzen dichterischen Fassung, Num. 10, 3ö, welche in den Psalmen 07, 08 für jüngere Zeiten erneuert und lungearbeitet wurden; die 'zwei vollständig erhaltenen Volkslieder Num. 21, 17; 27,30, Ergießungen der das Volk durchglühenden Volksgefühle; das große Siegeslied Ex. 1ö. Allein diese gehörten einerseits ausschließlich dem Priester, und sind anderseits keine feststehenden Gebete für die Priester. Weit entfernt, daraus zu schließen, daß der Mosaismus nicht den Stempel eines vollendeten Ausdrucks und Musters an sich trägt, und nur einen unveränderlichen Grund wahrer Religion legte, entnimmt man daraus, daß er die Uebung und Wunderkraft eines wahren Gebetes in der Kraft der Freiheit suchte, und die reichen und reifen Früchte dieser Wunderkraft zeigen sich in den Psalmen. Zuerst sollte das Volk fromm, d. h. sein Leben sollte auf das Göttliche gerichtet sein, das Gebet ergibt sich dann von selbst, wie es das hebräische die subjectiv-objective Form bezeichnet. Die ersten Gebete waren die Psalmen. Mögen sie auch ursprünglich nicht zum Gebrauch der Gebete versaßt worden sein, bald wurden sie für den Dienst des Heiligthums verwendet, für Synagogen und Gebetvereine, an Saobaten und Festtagen. Und da Leviten mit dem Dempeldienste betraut wurden, so machte sie die Sage zu Verfassern der bezüglichen Psalmstücke, und David, den angeblichen Gründer der Tempelmusik, zu ihrem ersten Urheber. Diese Psalmisten werden in den Büchern der Chronik zu Sehern erhoben; allein ihre Psalmen erklangen erst, als die Propheten, die wahren und echten, ausstarben, weil die Freiheit zu Grabe ging. Dann erst gab sich die Klage in Worten kund; als die Propheten verstummten, redeten die Psalmisten, und diese haben für ihre Empfindungen den Ausdruck aus den Lehren der Prophetie gewonnen. Das Psalmbuch ist ein Denkmal des dem Druck preisgegebenen Volkes, des moralischen Verderbens der jüdischen Nation und der hervorragenden Ausnahmsgrößen. Nach der Zerstörung des ersten Tempels wurden von den Männern der g. S. noch andere Gebetstücke formulirt, das Schema und die Thefila. Maim. v. Gebete 1 spricht sich darüber aus: Das Gebot, täglich zu beten, liegt in der Bibelstelle: „Ihr sollt dem Ewi- 6*