Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 80 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Jllustr. Monatsh. für die gef. bisher doch nicht gelungen, jenen Ideen, deren unermüdlichste Apostel sie geworden, unbedingte Anerkennung zu verschaffen, und noch immer erfahren sie den heftigsteil Widerstand von verschiedenen Seiten, den zu beseitigen eben unsere ehrenvollste Aufgabe bleibt. Und hierin können wir sicher auf den kräftigsten Beistand jener rechnen, die das Banner der Gleichberechtigung ihren Mitbürgern voranzutragen vorzugsweise berufen sind. Doch verkennen wir unsere Gegner nicht! Wie zusammengeschmolzen auch ihre Zahl, bildet dies Häuflein Dunkelmänner aller Zonen, aller Stämme, aller Weiteil eineil geheimeil, unsichtbaren Bund, der von einem Pole zum anderen sich erstreckt, durch Wort und That für seine mittelalterlichen, engherzigeil Tendenzen angestrengt arbeitet, dem Proteus ähnlich in tausenderlei Gestalten auftritt, Lug und Trug in die arglosen Gemüther impft, über die er im Bewußtsein seines Bonzenthumes unbeschränkt gebietet. Und womit nähren sie jene tausendköpfige Hydra des Haffes und Vorurtheiles? Wo finden sie die Gründe für ihr ungerechtes Vorgehen? Mit abgeschmackten Märchen aus der Ammeilstube, an deren Wahrheit niemand mehr glaubt, mit Doctrinen, deren Unhaltbarkeit und Falschheit jeder Unbefangene zur Genüge einsieht. So verschiedenartig auch ihre Einwände äußerlich scheinen mögen, so innerlich verschwistert sind sie und lassen sich aus nachstehende vier Hauptpunkte'zurückführen. Die Religion der Juden und ihre Moral, die Fremdartigkeit ihrer Nationalität, ihre Beschäftigung und ihre Beeinflussung der öffentlichen Meinung sind die Pfeiler, auf denen ihre Verfolgungssucht, ihr nächtliches Zelotenthum beruht. „Die Religion und Moral der Juden widerlaufe dem modernen Staate", ist der etste Einwand; allein eine eingehende Prüfung macht die Unhaltbarkeit desselben einleuchtend. Im modernen Staatsorganismus ist die strenge Trennung von Staat und Kirche ein absolutes Erforderniß. Die Kirche hat das tugendhafte Wollen ihrer Angehörigen anzustreben; der . Interessen des Judenthums. Staat hat die Aufgabe, der Kirche zur Erreichung jenes Zweckes den erforderlichen Schutz angedeihen zu lassen. Hat der Staat nun, wie es zuweilen vorzukommen Pflegte, einer bestimmten Kirche Schutz übernommen, dann muß er auch, um dieser Verpflichtung nach allen Seiten hin gerecht zu werden, sie gegen alle ihr drohenden Gefahren sichern. Im germanischen Staate, behaupten die Verfechter christlich-germanischer Staatsideen, habe der Staat eine solche Schutzpflicht der christlichen Kirche gegenüber übernommen, daher müsse er darüber wachen, daß dieselbe durch Anerkennung anderer Bekenntnisse in ihrem Bestände nicht gefährdet werde. Aber wo droht denn jener imposanten Zahl von Christen eine so gewaltige Gefahr von seiten eines Häufleins vor: Juden? Ist das der unerschütterliche Glaube an jenen Fels, auf dem die Kirche ruht; ist das jenes stolze Selbstbewußtsein der christlichen, weltbeherrschenden Religion?! Nein! Wer vom Gefühle des wahren Christenthumes durchdrungen ist, und dies ist hoffentlich die Mehrzahl, wird nicht in jenem Bekenntnisse, dem es entsprossen, eine Gefährdung seines Bestandes erblicken! „Wenn auch nicht die Religion, so ist es doch die jüdische Moral, wenn nicht der reine Mosaismus, so sind es die Lehren des Talmud, die jedem gesunden Staatsorganismus Gefahr bringen." Allein wer die Entstehungsgeschichte jenes compilatorischen Werkes, das man Talmud nennt, kennt, wird wissen, daß darin Lehren enthalten sind, die wenigstens von keiner allgemein bindenden Autorität sind; er wird wissen, daß die einzelnen Lehren darin verschiedenen Zeiten angehören, Zeiten, die sich auch auf anderer Seite nicht durch die reinsten humanen Anschauungen auszeichnen. Es ist nicht hier der Platz, auch nicht unsere Absicht, uns in ein theologisches Gezänke einzulassen; wir überlassen dies billigerweise gelehrteren und hierin competenteren Federn. Was aber die Moral des Mosaismus anbelangt, die dem christlich-germanischen Staate so schnurstracks entgegen sei, so wollen wirZ daran