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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 73

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 73 (sequence 81)
Language
German
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73 Die römische Enchklica und die Lehren des Judenthums. so kann das Judenthum sich mit den Werkstätten geistigen Schaffens sehr gut vertragen, sich an allen Arbeiten menschlicher Forschung betheiligen, ohne seinen Glaubensboden zu verlieren, ohne von den lichtumflossenen Gestalten der hohen Denker in Schatten gestellt zu werden. Indem das Judenthum mit der Fackel der Vernunft die durch das Mittelalter ausgehäuften Misbräuche und Misftände auf ihren Ursprung zurücksührt, wird es nur um so mehr geklärt und geläutert, gewinnt an verjüngender und erfrischender Kraft und schlingt ein um so festeres Band um seine Bekenner. §. 3. Jndifferentismus, Latitudinarism u s. 15) „Es steht jedem Menschen frei, jene Religion anzunehmen und zu bekennen, welche er, durch das Licht der Vernunft geführt, für die wahre hält." 16) „Die Menschen können bei der Uebung jedweder Religion den Weg des ewigen Heils finden und die ewige Seligkeit erlangen." 17) „Wenigstens darf wohl auf die ewige Seligkeit aller jener gehofft werden, welche in der wahren Kirche Christi keineswegs leben." 18) „Der Protestantismus ist nichts anderes, als eine verschiedene Form derselben christlichen Religion, in welcher es möglich ist, Gott ebenso zu gefallen als in der katholischen Kirche." Mit diesen Punkten kann sich das Judenthum unmöglich befreunden. Es verpflichtet alle im Judenthume Geborenen und Erzogenen, im Schose des Judenthums zu verharren, für seinen Glauben mit dem letzten Tropfen Blut zu kämpfen; es gibt keinen auf, der ihm den Rücken gewandt und zu einer andern Confession übergegangen ist, die Geburt drückt ihm den unveräußerlichen Stempel des Judenthums auf; „wenn er auch gesündigt hat, bleibt er dennoch Israelit"; aber das Judenthum ist weit entfernt, sich alleinseligmachend zu nennen. 0üa8ic1s uinot üuelani ze8oti laüein oüsleR leolurn üada. Du fragst mich, schrieb Maimuni an R. Chasdai Halewi, was ich von den übrigen Nationen denke? Wisse, daß Gott nur aufs .Herz und auf die Gesinnungen merkt; wer daher durch Sittenreinheit und Gotteserkenntniß sich auszeichnet, wer er auch sein möge, gewiß, er ist der ewigen Seligkeit theithaftig (leeret Raindam). Gott sprach zu Moses: Glaube nicht, daß ich einen Unterschied mache zwischen Juden und Nichtjuden; wer eine edle That ausübt, den belohne ich nach Gebühr und Verdienst Unikat I^eeü). Es gehört zur Mission des jüdischen Volks in der Widerspruche ^c., ich würde beten: Herr, sende mir dein Licht, deine Wahrheit. Jerusalem 253. Maimuni hat die Aristotelische Lehre von der Ewigkeit der Welt nicht darum bestritten, weil sie der Tora zuwider wäre, sondern darum, weil ste aus keinem demonstrativen Beweise beruht. More Nebuch. 2, 25. Zerstreuung die Gewissensfreiheit zu fördern, denn wo es Juden gab und gibt, muh es erörtert und entschieden werden, ob der Mensch das Recht habe, mit und in seiner Innern Welt sich frei zu bewegen. Gott, sagen unsere Weisen, steigt hinab in seinen Garten, wo er die verschiedenen Völkerstämme gepflanzt hat, sieht nach, ob sie blühen und gedeihen, und wo er bei irgendeiner Nation gerechte, fromme und edle Männer trifft, zeichnet er sie aus und verbindet sie zu einem farbenreichen Kranze, mit dem er das Haupt der Menschheit schmückt 8ekir). Ter Sisra lehrt: der Prophet Jesaia (26, 2) und der heilige Psalmist (118, 20) schildern nie eine Pforte, durch welche Priester, Leviten und Israeliten allein zu Gott dem Herrn einziehen: sie steht offen den Guten und Edlen, den Frommen und Gerechten aller Völker (8itrn aeüare.) Gestützt aus die Stelle: Wer die göttlichen Gebote der Menschenliebe im Leben übt und befolgt, der ist ein Hohepriester (8i5ra aeüars), sagt Maim.: Nicht nur der Stamm Levi, sondern ein jeglicher von allen Einwohnern der Welt, dessen Geist ihn treibt und dessen Einsicht ihn lehrt, sich zurückzuziehen, vor Gott zu stehen, ihm zu dienen und ihn zu erkennen, der als Rechtschaffener wandelt, wie ihn Gott geschaffen, erlangt den höchsten Grad der Heiligkeit u. s. w. (Schemita Wejobel, Ende. More 3, 54. S. Jellineck's Predigten, II, 133). Z. 5. Jrrthümer über die Kirche und ihre Rechte. Von 19 — 38 ist die Rede von den Jrrthümern, die in Beziehung der Kirchenrechte obwalten, als hätte die Kirche nicht ihre eigenen, von ihrem Stifter erhalten Rechte; als Wäre sie von der Staatsgewalt abhängig; als könnte die Kirche keine Gewaltmittel anwenden; als Hütte sie kein angeborenes Recht auf Erwerb und Besitz; als wären ihre Diener von aller Herrschaft über weltliche Tinge auszuschließen u. s. w. Im Judenthume kann von einem solchen Jrrthume nicht die Rede sein, weil es eine Priesterkaste mit besondern Rechten und Privilegien, mit weltlicher Macht und Gewalt nicht duldete. „Ein Gesetz und Ein Recht für alle." Die Priester durften keinen besonderen Gerichtshof haben, als wären sie etwas Höheres und Besseres als die übrigen Staatsangehörigen. Üeber den Hohenpriester, lehrt die Mischna (Synh. 2), darf man zu Gerichte sitzen wie über jeden andern Bürger. Damit die Priester nicht ungeheuere Reichthümer ansammeln, gebietet das Judenthum, daß sie kein Besitzthum haben und von den Gaben des Volks, von der Hebe, von den Erstlingen, vom Lösegeld, von Opfergaben ihr Leben fristen. Eli vereinigte in sich die weltliche und religiöse Macht, und seine Kinder trieben Misbrauch. Tie Priester waren auf ihre Functionen angewiesen, die eigentlichen Vertreter der jüdischen Lehre waren die Propheten, und als die Stimme der

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