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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 68

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 68 (sequence 76)
Language
German
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Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. 68 Unkundige dieses schön ausgestattete Büchlein herausgegeben hat. Jehuda Ha-Lewi wird hier biographisch als Jüngling, Arzt, Freund, Mann, Dichtungsmüder, als religiöser Dichter, Philosoph und Pilger in ausgezeichneter und geschickter Behandlung vorgeführt, und zur Verherrlichung dieser wohlgezeichneten.Lebensstufen und Stellungen gibt er in gelungener deutscher Nachdichtung eine Anzahl Lieder aus dem Diwan, deren Originale er von Luzzatto erhalten hat. Das Leben Jehuda ha- Lewi's theilt Geiger in folgende zehn Stationen ein, nämlich 1) Einleitendes; 2) der Jüngling, mit 20 Liedern; 3) der Arzt, mit einem Liede; 4) der Freund, mit 12 Liedern; 5) der Mann, mit 9 Liedern; 6) Unlust am Dichten, mit 4 Liedern; 7) der religiöse Dichter, mit 8 Liedern; 8) der Philosoph; 9) der Pilger, mit 24 Liedern; 10) die Nachwelt. Dieses geistvoll geschriebene Büchlein, das uns ein Dichterleben in seinen mannichfachsten Windungen vorführt, verdient von Freunden der allgemeinen Poesie und zumal von der des jüdischen Volks gelesen zu werden. Den Kundigen wie den Unkundigen des neuhebräischen Ausdrucks führt es in anregender und belehrender Weise in den Diwan des Castiliers ein, und die angehängten, höchst verständlichen Anmerkungen können auch dem Literator von Fach Dienste leisten. Wir wenden uns zu den neuesten poetischen Schöpfungen auf dem Gebiete der neuhebräischen Dichtung, und erwähnen für heute Zunächst: Ben-Abuja. Goethe's Faust, eine Tragödie in einer hebräischen Umdichtung von I)r. Max Letteris. Nebst erläuternden Anmerkungen. Wien 1865. 8. Bei Jakob Schloßberg. I THlr. 10 Ngr. Die Meisterschaft und Gewandtheit des neuhebräischen Stils, die sich in allen poetischen Arbeiten von Letteris bekunden, lassen schon im Voraus erwarten, daß dieser höchst bedeutende hebräische Stilist der Neuzeit in der Umdichtung des Goethe'schen Faust, der tiefsinnigsten deutschen dramatischen Dichtung, seine Vollendung gezeigt haben würde. Dies ist nun wirklich in dem Vorliegenden geschehen, und zwar noch besser als in seinem Gesa Jischa, der Umdichtung der „ALHalie", und in seinem Schelom Ester, der Umdichtung des Dramas „Esther", obgleich jene altbiblische jüdisch-nationale Stoffe zur dramatischen Fabel gehabt. Dieser errungene Erfolg ist durch zwei hier in Betracht kommende Umstände ermöglicht worden. Erstens durch die glückliche Ermittelung einer national-jüdischen, höchst romantischen Persönlichkeit aus der Tannaitenzeit, in welcher das Faust'sche Element sich treffend widerspiegeln kann. Denn Elisch a ben Abuja, später Ach er genannt, war ebenfalls ein tiefgelehrter jüdischer Doctor Faust, Lehrer des Tannaiten R. Mei'r; er ging in seinem unbegrenzten Wissensdurst nach den metaphysischen und kosmischen Geheimnissen in den Pardes (Himmel der Seligen, Empireum), wie die Sage erzählt, und kehrte verwirrt und abtrünnig heim, als Ach er sich aller sittlichen Weltordnung widersetzend. Der Abfall Ben-Abuja's kann mit Recht, nach der erwähnten jüdischen Anschauung, als ein Sichpreisgeben für den Einfluß des bösen Geistes, als ein Paktschließen mit dem bösen Principe der Welt angesehen werden. Letteris blieb in dieser Auffassung des jüdischen Faust der erzählten Sage in den Talmuden und Midraschim ziemlich treu. Zweitens kam neben der Wahl einer jüdisch-nationalen, dem Faust entsprechenden Persönlichkeit dem Dichter Letteris noch der geistreiche, tiefsinnige, über das Wissen von Gott, Mensch und Natur sich verbreitende Inhalt der Fausttragödie, wofür die durchgebildete neuhebräische Sprache, ohne den Vorwurf einer Entweihung fürchten zu müssen, ihren ganzen Schmuck hingeben kann, zu Hülfe. Indem nun Letteris der Faust'schen Fabel und dem Goethe'schen Beiwerk die des Ben-Abuja mit dem dazu Passenden ähnlichen Beiwerk unterlegte, gelang es ihm, den Faust in allen seinen Theilen mit solcher Meisterschaft umzudichten, wie nur ein begeisterter und formgewandter Dichter es vermag. Die Monologe und Dialoge, der Prolog im Himmel, die Volksscenen, die Keller- und Zauberscene, kurz alle einzelnen, auch für sich meisterhaft gezeichneten und ausgeführten Partien des Faust sind mit so unnachahmlichem Zauber auf den national-jüdischen Boden verpflanzt und mit dem schönsten Schmuck der neuhebräischen Sprache geziert, daß selbst diejenigen Freunde der neuhebräischen Poesie, welche den Faust schon oft gesehen und in der Sprache Goethe's gelesen, mit Bewunderung und Hingebung sich in die Letteris'sche Umdichtung versenken werden. Zusätze und Weglassungen fallen bei der geschickten Anpassung der jüdischen Fabel weniger auf, und die Tragödie Ben-Abuja macht auf den Leser den Eindruck einer harmonischen originalen Dichtung. Der hier dem Stücke folgende Epilog, von der Sage über Ben- Abuja eingegeben, stellt in kunstvollen Versen Acher's Lebensende dar. Die aufsteigenden Flammensäulen aus seinem Grabe und die Erzählung, wie sein Jünger Nehorai (Meir) den Meister aus der Hölle erlöst, hat bereits die jüdische Sage behandelt; es wird hierdurch die erwähnte Fabel auf das beste ergänzt. Es ist zu wünschen, daß Letteris, der mit Recht so viele Verehrer seiner dichterischen Muse hat, eine Gesammtausgabe seiner zahlreichen und zersplitterten poetischen Arbeiten veranstalte. Von der ernsten und tieffinnigen tragischen Muse einer Umdichtung des Faust wollen wir zu den humoristischen und satirischen neuhebräischen Dichtungen der neuesten Zeit übergehen, für welche Gattung der am 18. Nissan 1851 zu Brody verstorbene vr. weck. Isaak Erter die trefflichsten Muster geliefert hat.

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