Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 67 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Monats-Revue. 67 Diwan des R. Iehuda Ha-Lewi (Liedersammlung des Iehuda Ha-Lewi), zum ersten mal von dem Verein Mekize Nirdamim (die Erwecker der tief Entschlaf fenen) aus einer alten Handschrift des Sam. Dav. Luzzatto in Padua herausgegeben. Erstes Heft, 86 Lieder enthaltend, mit Vorrede und Anmerkungen Luzzatto's. Lyck 1864. 8. L. Silbermann. Der zweite Heros der neuhebräischen Poesie ist Abul-Hassan Iehuda Ha-Lewi aus Castilien, geboren im Jahre 1080. Von ihm singt der älteste Kunstkritiker der jüdischen Dichter Spaniens, Charisi, in seinem Tachtem oni (s. Sachs, „Die relig. Poesie", S. 287): „Das Lied, das der Levit Juda gesungen, — ist als Prachtdiadem um der Gemeinde Haupt geschlungen, — als Perlenschnur hält es ihren Hals umrungen. — Er, des Sangestempels Säul' und Schaft, — weilend in den Hallen der Wissenschaft, — der Gewaltige, der Liedesspeerschwinger, — der die Niesen des Gesanges hingestreckt, ihr Sieger und Bezwinger" u. s. w. Zum ersten mal wird hier eine Ausgabe seines Diwan, d. h. der Sammlung seiner zahlreichen Lieder, versucht, indem der Verein „Erwecker" das erste Heft desselben edirte. Iehuda Ha-Lewi schrieb bekanntlich eine sehr große Anzahl glutvoller religiöser Lieder in den mannichfachsten Formen und zu den verschiedensten Zwecken der religiösen Poesie, eine Anzahl allgemeiner Morallieder, Elegien, Episteln, viele nationale Zukunftslieder, Liebeslieder, Räthseldichtungen u. s. w., so daß die Zahl seiner Lieder mehr als Tausend gewesen sein mochte. Wie die Lieder Jbn Gebirol's, Mose Jbn Esra's, Jbn Balam's, Abraham Jbn Esra's, von welchem Luzzatto eine Sammlung von mehr als hundertundfunfzig Liedern besitzt, Isaak Jbn Ghajat u. a., war auch die Liedermasse unsers castilischen Sängers in frühester Zeit nicht gesammelt worden, und eine große Zahl ging daher wegen der Verstreutheit verloren. Der erste Sammler der verstreuten Kinder der lyrischen Muse Iehuda Ha-Lewi's war der Castilier Chajja (nicht Chijja) el-Dawudi (st. 1154 im Gebiete von Leon), der selbst Dichter gewesen ist und diese Sammlung „Diwan" nannte. Die Sammlung Dawudi's nahinen später auf Dawid ben Maimun, Abu-Said Jbn el-Kasch und endlich ein gewisser Jeschua ben Elijja Ha-Lewi, dessen Lebenszeit und Vaterland nicht weiter bekannt ist. Jeschua hat die drei nacheinander gefolgten Diwane zur Grundlage genommen, durch fortgesetzte Sammlung noch andere Gedichte hinzugefügt, und sie nach metrischen Gesetzen in drei Therle getheilt, nämlich 1) in Gedichte mit den üblichen Versmaßen, 2) in Gedichte in Gürtelreim und ganz besondern Vermaßen, 3) in poetisch-prosaischeAufsätze; die Aufeinanderfolge ordnete er in arabischer Dichterweise nach den Reimen. Der Jeschua'sche dreigetheilte Diwan ist vom Sammler mit einer arabischen Vorrede und mit arabischen Überschriften versehen worden, und wir erfahren bei dieser Gelegenheit, daß Jeschua, der rm maurischen Spanien gelebt, auch die Dichtungen Jbn Esra's zu einem Diwan gesammelt hat. Eine Copie des Diwans Iehuda Ha-Lewi's nach der Anordnung Jeschua's, die aus Tunis stammte, erwarb Luzzatto den 21. März 1839, und obgleich diese Copie vielfach verstümmelt und mangelhaft ist, so müssen wir doch unserm Luzzatto sehr dankbar sein, daß er uns den großen castilischen Dichter näher bringt. Der erste Theil des Diwans enthält 421, der zweite 215, und der dritte Theil 180 Gedichte; aber die Zahl war offenbar größer, da dieser Theil am Schlüsse defect ist. Man weis daher jetzt tatsächlich nur von 816 Liedern Iehuda Ha-Lewi's. Von diesen 816 Liedern gibt Luzzatto, nachdem er eine große belehrende literargeschichtliche Vorrede vorangeschickt hat, ein vollständiges Verzeichniß der Anfänge; dann fügt er noch die Anfänge von 85 anderweitigen, in Hymnarien und Handschriften zerstreuten Liedern unsers Sängers hinzu, sodaß wir nun von 901 Liedern wissen, welche der Erlösung in einer vollständigen Ausgabe harren. Das vor uns liegende Heft des Diwans bietet nur 86 dieser Lieder, freilich nach ihrem Versmaß und mit ausgezeichnetem sprachlichem Verständniß Punktirt und nach Bedürfniß in lehrreichen Anmerkungen erläutert. Es bleiben uns noch 815 Lieder zur Herausgabe, und wir haben noch lange an der Sehnsucht zu zehren, unsere großen elastischen Dichter der maurisch-spanischen Zeiten in abgeschlossenen schönen Editionen zu besitzen. Möge es unserm Luzzatto noch lange vergönnt sein, aus dem reichen Schatze seiner kostbaren Handschriften der classischen neuhebrüischen Poesien uns Mittheilungen zu machen! Die Gedankenfülle in den Dichter- Werken der größten Culturperiode Israels in der Diaspora, die glanzvolle, echt nationale Form, in welche sie gekleidet sind, die religiöse Glut und der sittliche Ernst, welche jene Dichtungen durchdringen, verbunden mit den altnationalen Erinnerungen, und dabei ein Stil, der uns fast in die prophetischen Zeiten versetzt: alles dies ist Wohl geeignet, die Dichtungen jener Sänger zu Musterbildern zu machen. Aber die Gönner und Freunde der neuhebräischen Muse müssen auch hier den Herausgebern durch Förderung und Unterstützung solcher Werke die Editionen ermöglichen! Der Vorführung dieses Diwans schließe ich hier an, obgleich es schon einer frühern Zeit angehört: Diwan des Castiliers Abul-Hassan Juda Ha-Lewi. Von Abr. Geiger. Nebst Biographie und Anmerkungen. Breslau 1851. 16. Joh. Urban Kern. Dem Titel zufolge könnte man glauben, daß hier die Originale des castilischen Dichters geboten werden; allein dies ist nicht der I Fall, da Geiger nur für des Hebräischen