Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 69 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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Monats-Revue. Bibliographie. 69 Um ein Bild von dieser, in der neuhebräischen Poesie so seltenen Dichtgattung den Lesern vorzuführen, erwähne ich hier die neueste Ausgabe von Ha-Zofeh (Der Umschauer). Sammlung der humoristischen und satirischen Aufsätze von Do. ineä. Jsa ak Erter. Nebst den von ihm noch erhaltenen kleinern Aufsätzen, Briefen und Dichtungen. Mit Biographie und Einleitung, herausgegeben von Or. Max Letteris. Mit einem Photographirten Bildniß des Verfassers. Wien, Arnold Hilberg. 8. 1864. Die neuhebräische Poesie ist nicht reich an humoristischen und satirischen Schriften, welche manches verkehrte jüdische Treiben mit Eleganz und Humor geiseln. Der schöne „Sittenspiegel über die Gebrechen der Zeit und die satirische Kritik seines Zeitalters", genannt „Eben Bochan", von Kalo nymos im Jahre 1323 verfaßt (Neapel 1489, 8.), ist schon zu sehr veraltet. Immanuel Romi (geb. 1272), der Zeitgenosse und Freund Dante's, war in seinen satirischen Sonetten und Episteln zu frivol und kann daher nicht als wahrer humoristischer Dichter gelten. Salomo Alami's Geiselung der jüdischen Zustände in Spanien und Portugal, sein „Jggeret Mussar" (1415) ist mehr von sittlicher Entrüstung als von Humor und Witz eingegeben. Isaak Erter, geb. 1792 im Dorfe Koniaschak in Galizien und in Umgebung des bizarren und abergläubischen Chasidäismus ausgewachsen, hat nach einer geistigen und materiellen Durchkämpfung einer trüben Jugend neben seinem ärztlichen Beruf noch so viel Humor sich bewahrt, um den Aberglauben der Orthodoxie und des Chasidäismus in eleganter und witziger Form zu geiseln und dabei das Neuhebräische für diese Gattung mustergültig zu verwenden. Er wählte für seine humoristischen Aufsätze, die er zwar nicht in metrisch-rhythmischer,, aber doch in schöner poetischer Form von Zeit zu Zeit veröffentlichte, den allgemeinen Namen „Der Umschauer" (Ha-Zofeh), und gibt in einer Einleitung eine Skizze über den Beruf des „Umschauer". Sein erster Aufsatz „Die Wage" (Mosne Mischkal), zuerst in dem Jahrbuch „Birkure Ha-Jttim" (1828) abgedruckt, behandelt in geistreicher Weise den versinnlichten Glauben von dem Abwägen der menschlichen THaien von seiten Gottes. Da sieht er Weisheit neben Reichthum, Erdenleben neben Seligkeit, Fülle neben Genügsamkeit, Glauben neben Aberglauben abwägen, und in dieser Thätigkeit sieht er auch die Bücher abwägen, 'was für den Humor einen reichen Stoff darbietet. Manches dickleibige Buch wiegt kaum so viel als eine dünne Broschüre, nachdem das Gestohlene herausgenommen wurde; von manchen Büchern ist sogar nur Titel und Vorrede geblieben, wie es mit einem großen Folianten eines lemberger Gelehrten geschehen. Die chasidäischen Werke hatten mit den abergläubischen heidnischen, die kabbalistischen mit denen der Lügenpropheten, die der Wundermänner (Kedoschim) mit denen der lasterhaften Priester gleiches Gewicht, kurz, in der poetischen Darstellung ist allenthalben der ausgesuchteste Witz und Humor abgespiegelt. Ein zweiter Aufsatz heißt „Chasidäismus und Philosophie", früher in „Kerem Chemed III" (Prag 1840, 8.) abgedruckt. Nach einer ausgezeichneten Schilderung des wahnwitzigen chasidäischen Lebens und Treibens in Galizien, das die verkommenen häuslichen und socialen Zustände und den crassesten Aberglauben herbeigeführt hat, schildert er in einer Vision den Kampf des Chasidäismus mit der Aufklärung. In humoristischer Weise erscheinen beide als Frauen und suchen die Jugend zu verlocken. Alle Ränke und Schäden des Chasidäismus, alle bodenlose sittliche Versunkenheit wird hier aufgedeckt und dadurch gegeiselt. In gleicher Weise sind die übrigen vier Aufsätze schöne Muster von Humor und Witz. Eimelne Partien des Wahnglaubens mit dem Schimmer des Spottes übergießend, regt er hierdurch zur Besserung an. Daß die Biographie Erter's von Or. Letteris auch schon an sich ein tr.eues. Spiegelbild der jüdischen Zustände in Galizien gibt, das versteht sich von selbst. Prof. vr. Fürst. WliMKlM. Vom 1. Januar bis 15. Februar 1865. Von vr. Ilois Müller, Or. 8trau88 et 8ur ln Vie <le 4e.-ai.8 ll'nyre8 L. Ueimn. Berlin, 8. dlelinenler. di. (N-Ii. DIllr. Arvai, Joseph, und Noscnmayer, Isaak. Biblische zieseübungen für israelitische Schulen und Familien. (Ungarisch.) Pesch, Rath. 8. .'o Kr. > Böttcher, F. Neue eregerisch - kritische Aehrenlese zürn Alten Testamente. Dritte (Schluß-) Abtheilung. Nach dem Tode des Verfassers herausgegeben von F. Mühlau. Leipzig, I. A. Barth, vir. 8. Geh. l Thlr. 2MNgr. storä'8 n866N8ion to tti« beginnin^ ol rlie lourtli 4. Llotli bonrrt^. lo'ch Dblr. l Xgr. Flügge, H. F. Lehrbuch der biblischen Geschichte. Erster Theil. Das Alte Testament. 2. Aust. Hannover, Meyer. Gr. 8. Geh. i Thlr. Selbstunterricht, und zufolge hohen Ministerialerlasses der k. k. n. österr. Statthalrerei für die obern Elemenrarklassen israelitischer Schulen empfohlen. Wien, Knöpselmacher u. Söhne. Gr. 4. Geh. 12 Ngr. guiemo