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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 66

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 66 (sequence 74)
Language
German
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66 Jllustr. Monatsh. für die gef. Mit Aufzählung dieser sechs Rubriken glaubt der Berichterstatter den sich ausdehnenden und Weit auseinandergehenden literarischen Erscheinungen die passenden Plätze anzuweisen, um die betreffenden Fachgenoffen sogleich diejenigen Schriften finden zu lassen, die zu ihrem Bildungskreis, zu ihrer eigenen Fortbildung und Entwickelung und zu ihrer Unterhaltung wünschenswerth erscheinen dürften. Der Schulmann hat zunächst an den Schriften für die Schule lebhaftes Interesse, um iw seinem Beruf den Fortschritten nachzuspüren, welche durch den Schriftenzuwachs zu realisiren sein möchten, und um bei seinen eigenen schriftstellerischen Arbeiten die vorgängigen Leistungen zu benutzen. Dasselbe ist mit dem jüdischen Theologen, mit dem Dichter und Schöngeist, mit dem Forscher der historischen Hülsswissenschaften und mit dem Geschichtschreiber der Fall. Denn es ist die höchste Zeit, daß das Hineinreden in alle Fächer der jüdischen Wissenschaft, das Abfassen von Büchern, die gleich auf dem Titelblatte sich als polyhistorisch und von allen Wissenschaften sprechend („Medabber mi-kolha-Chachamot") ankündigen, aus Israels Mitte verschwinde. Von dieser allmonatlichen Ueberschau kann natürlich nicht vorausgesetzt werden, daß jedesmal alle Rubriken ausgefüllt, auch nicht einmal, daß die eine oder andere Rubrik erschöpfend behandelt werden soll, da dies von dem Einsenden der Schriften von Seiten der Autoren oder Verleger, sowie von der Erlangung einer Kenntniß der Erscheinungen abhängt; nur so viel kann im allgemeinen hier gesagt werden, daß die den erwähnten verschiedenen Richtungen ungehörigen Leser eine Kunde vom Wesentlichsten des jüdischen Schriftthums bekommen sollen. Ich beginne diesmal mit der Rubrik: Schöngeistige Schriften. Schire Schelomo (die Lieder Salomo Jbn Gebirol's), gesammelt und zusammengestellt aus Handschriften in Oxford, Parma und Wien. Zum ersten mal herausgegeben von Leopold Dukes. In zwei Heften. Hannover 1858. 8. Telgener'sche Hofbuchdruckerei. Preis 1 Thlr. Salomo Jbn Gebirol (Ben Jehuda), geboren zu Malaga um 1035, gehörte bekanntlich zu den größten neuhebräischen Dichtern Spaniens im Mittelalter, und auf dem Gebiete der religiösen Lyrik, in Hymne und Betrachtung, in Büßliedern, Klagegesängen und Gebeten steht er durch die Innigkeit seines religiösen Gefühls, durch den schwungvollen Ausdruck, durch den Glanz und blendenden Farbenschmuck der Rede einzig da. Die zahlreichen religiösen Lieder, um deren Menge willen Landshuth sie in seinem „Onomastikon der neuhebräischen Hymnendichter " (I. Berlin 1859. 8. II. Daselbst 1862. 8.) nicht aufgezählt hat, sind in den ritualen Hymnarien von Montpellier, Avignon, Tripolis, Al¬ Jnteressen des Judenthums. gier, Italien, Spanien, der Karäer u. s. w. ausgenommen, ohne daß es noch einer unternommen hat, sie zu sammeln und herauszugeben. Er bildete aber nicht blos die religiöse'Lyrik in der glänzendsten und meisterschaftlichen Weise aus, sondern bekundete auch in seinen anderweitigen weltlichen Poesien die höchste Vollendung, verbunden mit der Ursprünglichkeit der Gedanken und dem jüdisch-nationalem Charakter. Abgesehen von seiner versisicirten hebräischen Grammatik in zehn Abtheilungen, welche Jbn Esra von „unschätzbarem Werthe" (Mosnajim) gefunden, von der „Königskrone", die er selbst „Blüthe und Krone seiner Hymnen" nennt, von seinem kunstvoll versisicirten Gebote des Fünfbuchs, ist noch eine große Anzahl lyrischer Ergüsse von ihm vorhanden, welche als Muster der neuhebräischen Poesie gesammelt zu werden verdienen. Von diesen anderweitigen Poesien hat nun Dukes, der mit seltener Selbstverleugnung und Mühewaltung sowie mit wissenschaftlichem Eifer seit fast dreißig Jahren an der geschichtlichen Auferstehung der neuhebräischen Poesie des Mittelalters gearbeitet, eine Sammlung in zwei Heften veranstaltet, von denen das erste 1 — 27, das zweite 28—69 Nummern uns vorführt. Viele dieser ausgezeichneten Dichtungen wurden schon als Sprachmuster von Abr. Jbn Esra, Mose Jbn Esra, Jbn Parchon, Charisi, Salomo Bonfed, Salomo Dasiera, Gavison u. a. angeführt. Dukes gibt neben den reichhaltigsten Nachrichten auch viele Erklärungen der tiefsinnigen Stellen in den Dichtungen. Zu dieser Gedichtsammlung aus Jbn Gebirol's reichem Diwan gibt Dukes noch einige Beigaben, nämlich a) ein Stück aus Abu-Sahl Jbn Tamim's Commentar zum Buche Jezira, nach einer pariser Handschrift; k) ein Fragment aus der hebräischen Übersetzung von Ghazzali's Maschbit ha - Orot; c) ein anderes aus einem dem Aristoteles zugeschriebenen Buche über die Politik, welches bald die „Führung der Herrschaft" (Hanhagat ha-Maltüt), bald „Geheimniß der Geheimnisse" (Sod Ha-Sodot) heißt; ä) die Erwähnung einzelner Verse Jbn Gebirol's bei Mose Jbn Esra, Josef Jbn Aknin, Schem-Thob Falaquera und Isaak Jbn Latif; e) einiges zur Poetik des Neuhebräischen in vier Rubriken; 1) ein Gedicht Ghazzali's, aus dem Arabischen übersetzt von Gavison; über verschiedene Formen der Dichtungen und über Dichtergenossen Jbn Gebirol's. Möge der stark belesene Dukes sich entschließen, die sämmtlichen Dichtungen Jbn Gebirol's, die religiösen Hymnen und die Lehrgedichte mitgerechnet, in einem Diwan zu vereinigen und herauszugeben! Er würde durch eine solche Edition den Freunden der mittelalterlichen neuhebräischen Muse eine große Quelle der Unterhaltung und den neuern Dichtern einen Schatz der Belehrung eröffnen. Aber das hebräisch lesende Publikum möge auch, besser als es bisjetzt geschehen, dem Schriftsteller durch Ankauf seiner Werke entgegenkomm en!

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