Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 57 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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57 Flavius warf Steine auf Agrippa und zwang ihn, Jerusalem zu verlassen?) Auch Josephus war unter denen, die das Volk zu besänftigen suchten; er stellte ihnen vor Augen, gegen welch eine Nation sie kriegen wollten; daß sieden Römern nicht blos in Betreff der Kriegserfahrenheit, sondern auch des Kriegsglückes weit nachstehen würden; daß sie doch nicht ans eine fo übereilte Weise ihr Vaterland, ibre Familien und sich selbst in das größte Unglück stürzen möchten. Jndeß auch Josephus' Ermahnungen hatten keine Wirkung. Ailf Anregung des Anfübrers der Tempelwache, des kühnen Jünglings Eleazar, Sohn des Priesters Ananias, verweigern die dienstthuenden Priester die Opfer der Ausländer und selbst die für den Kaiser. Vergebens versuchen die vornehmsten Pharisäer sie von der Gefährlichkeit dieses Schrittes zu überzellgen, und in Verzweiflung, die Mvolutionsmchmer nicht mehr zurückhalten zu können, ersuchen sie Florus und Agrippa um Hülfet Welch eilt gefährlicher, unbeilbringender Schritt! Nun war das Signal zum Bürgerkrieg gegeben. Agrippa schickte 3000 Reiter, aus Auranitern, Trachonitern und Bätanäern bestehend. Die Friedenspartei besetzte mit ihnen die obere Stadt, die andern hatten die untere * Stadt und den Tempel im Besitz. Es eröffnet sich zwischen beiden ein Kampf, in welchem die Krieger des Königs unterliegen; die Aufrührer rücken in die obere Stadt ein, verbrennen die Paläste, die Archive, in welchen die Schuldverschreibungen lagen, um sich auch die Schuldner gewogen zu machen, erstürmen die Antoniaburg; ja ein gewisser Menahemus zieht nach Masada, erbricht dort das Zeughaus, bewaffnet seine Genossen und zieht in Jerusalem ein, wo er die im königlichen Palaste eingeschlossenen Soldaten niederhallen, den Hohenpriester Ananias ermorden läßt, und als unumschränkter Gebieter haust. Das Volk aber, allgeregt durch die Eifersucht des Eleazar, läßt dieser Despotie keine lange Dauer; man greift den Meuahem im Tempel an, hallt *) Jüd. K. 16, 5; 17, 1. z o s e p h u s. seine Helfershelfer nieder, er selbst wird auf der Flucht ergriffen und nach Marter und Qual ums 'peben gebracht. Jetzt noch denkt das Volk, daß es Zeit sei, den ganzen Aufstand zu dämpfen und die Ordnung wieder herzustellen. Aber Eleazar mit seinen Anhängern dacbte weiter; die Vernichtung der eingefcblossenen römischen Soldaten unter ihrem Anführer Metilius war sein Ziel, und, als diese, der Gegenwehr ohnmächtig, sieb ergeben und vertragsmäßig die Waffen niederlegen, so stürzt Eleazar's Rotte auf sie, und ladet durch treulose Ermordung der Hülflosen den Flucb Gottes, den Abscheu der ganzen Stadt auf sich l j. K. II, 17, i?. 3—4. 6). Florus war während dessen in Eäsaräa, wo er den wilden Rassenkampf schürte; Juden und Heiden mordeten sich in Judäa und Svrien; in den Städten Waren zeichen angehäuft, die unbeerdigt blieben. In der svrifchen Hauptstadt war es ein getaufter Jude, Namens Antiocbos, der das Volk durch abscheuliche tilgen gegen die Inden anfgesiacbelt hatte, die gemordet und geplündert wurden. Die in Eäsaräa allsgebrochene Feindseligkeit zwischen Juden und Heiden wälzte sich bis nach Alexandrien fort. Dort war es der abtrünnige Brudersohn des Philosophen Philo, der Statthalter» Tiberius Alexander, der dem verheerenden Bürgerkrieg Nahrung gab. Endlich sieht Cestills die Nothwendigkeit eilt, nach Jerusalem zu ziehen. Auf seinem Durchzug werden die menschenleeren Städte irr Brand gesteckt, denn in Jerusalem war alles zur Feier des Mrubhüttenfestes versammelt, und so leuchtete die Kriegsfackel schon dem versammelten und zum Gottesdienste vereinigten Volke entgegen. Voll Wuth rennt die von der Revolutionspartei aufgewiegelte Menge ins Treffen, durchbricht die römischen Schlachtlinien, und erst nach mehreren Tagen gelingt es dem Proeurator, sie zurückzuwerfen und die äußern Stadttbeile zu besetzen. Zwar kämpften die Aufrührer mit erneuerter Heftigkeit und machen den Römern fünf Tage lang den Angriff unmöglich; aber dennoch würde Cestius, durch den größten Theil des