Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 56 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Jllustr. Monatsh. für die ges. Anbruch des Tages von einem cyrcnäischen Schiffe ausgenommen wurden. Glücklich kam Josephus in Puteoli (Puzoli) an und knüpfte ein freundschaftliches Verhältniß mit einem mimischen Schauspieler Namens Aliturus an, der, von Geburt ein Jude und der Liebling des Nero, Josephus zur Bekanntschaft mit der Gemahlin des Kaisers, Poppäa, verhals, welche durch ihre Verwendung die Befreiung seiner Landsleute bewirkte. So kehrte er, außerdem von der Kaiserin reichlich beschenkt, »ach Palästina zurück, .vier aber war alles egen die Römer voll Grimm und Eritterung; jener unheilvolle merkwürdige Krieg begann, der den jüdischen Staat zertrümmern, der Selbständigkeit der jüdischen Nation ein Ende machen und unermeßliches Unglück über Palästina, bringen sollte. Den vorzüglichsten Anlaß bierzn gab die Niederträchtigkeit der römischen Statthalter, die an Grausamkeit ihrem Kaiser nichts nachgaben, denn wenn auch der Jude schon lange das Joch des Römers mit Unwillen getragen, so hätten die römischen Machthaber das glimmende Feuer des Aufruhrs in der Geburt ersticken können; statt dessen fachten sie es durch die grausamste Verhöhnung zur Hellen Flamme an, von der endlich der Tempel in Schutt und Asche gelegt und das Land zur Wüstenei gemacht wurde. Der damalige Landpfleger Gessius Florus führte durch seine Parteilichkeit, Habgier, Rechtsverhöhnung und durch seinen Blutdurst das Volk zur Verzweiflung; wohl stand über ihm der Statthalter von Syrien, Cestius Gallus, allein Florus herrschte mit solchem Terrorismus, daß es niemand wagte, Klage gegen ihn zu führen. Am Passahfeste (66) kam Cestius Gallus nach Jerusalem; das Volk ergriff die Gelegenheit, um sich gegen Florus zu beklagen; aber dieser wurde darob noch rachsüchtiger und unversöhnlicher. Den Juden war alle Aussicht auf Rettung verschlossen. Nero war ein wahnsinniger Wüstling, Agrippa war eine Creatur, die Verzweifelnden fanden nirgends Zuflucht als in der Selbsthülfe. In Cäsaräa waren Reibungen Interessen des Judenthums. zwischen Juden und Syrern; Religionshaß und Rassenfeindschaft stachelte diese auf. Die Cäsarenser entweihten die Synagoge der Juden, die Juden wehrten sich und gaben Florus eine große Geldsumme, um ihn zu gewinnen; er aber schützte sie nicht. Um das Volk zum Aenßelsten zu treiben, verlangte er von den Tempclvorstehern siebzehn Talente aus dem heiligen Schatze für des Kaisers Interesse. Als er deswegen vom Volke verhöhnt wurde, hielt er strenges Gericht und richtete ein Blutbad an. Das Volk demüthigte sich und zog, vom Hohenpriester beschworen, den einziehenden römischen Truppen mit Freundlichkeit entgegen; aber diese benahmen sich feindlich und frech. Als aber Florus sogar den Tempelschatz heben wollte, eilte das Volk auf den Tempelberg, warf Steine auf die Soldaten und hinderte sie an ihrem Vordringen. So war der Ausstand begonnen. Der cingeschüchtertc Florus zog ab, und nun zerfielen die Einwohner Jerusalems in eine Revolutions- und eine Friedenspartei. An der Spitze der erstereu stand Eleasar ben Anania, aus einem edlen hohenpriesterlichen Geschlechte. An der Spitze der Fricdenspartei standen die Begüterten, die Besonnenen, welchen vor der Riesenmacht Noms graute, dann der König Agrippa, die Verwandten seines Hauses, die Herodianer Kostobar, Saul, Antipas und die priesterlichen Auanias und Ezekias. Diese wendeten sich an Cestius, daß er die Unthateu des Landpstegers untersuche, und sich von den freundlichen Gesinnungen des Volkes überzeuge. Cestius schickte einen Commissär, Neopolitanns; allein die Zeloten verstanden es, das Volk immer mehr für den Abfall von Rom zu stimmen. Agrippa's meisterhafte Rede, die er auf der Erhöhung eines Säulenganges unweit des Tempels hielt, hätte nicht verfehlt, einen Eindruck auf das Volk zu machen und dessen Herz Wiedel den Römern zuzuwenden,, wenn er nicht zu weit gegangen wäre. Er wollte nämlich das Volk auch überreden, Florus so lange Gehorsam zu leisten, bis sein Nachfolger ernannt sein würde; man