Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 58

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 58 (sequence 66)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2417805-2417806-2417807--067-2417903
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

58 Jllustr. Monatsh. für die gef. Volkes, das ihn gern aufnehmen mochte, begünstigt, Herr des Tempels geworden sein, wenn er nicht plötzlich Befehl zum Rückzug gegeben hätte, und, nicht achtend die Gesinnung des Volkes und die Tapferkeit seiner Schaareil, die Stadt räumte. Diese schändliche Flucht brachte beinahe seinem Heere den Untergang. Wie eine Heerde Tiger fielen die Juden über die zurückziehenden Römer, brachteil ihnen eineil Verlust von beinahe sechstausend Mann bei, und würden sic aufgerieben habeil, wenn sic nicht durch eine Kriegslist einen bedeutenden Vorsprung gewonnen hätten. Der Abzug der Römer beseelte alle mit neuem Muth; selbst die Friedensmänncr wurden jetzt von der allgemeinen Strömung fortgerissen. Gott selbst schieil für die Milchigen zu streiten, und als Verräther des Vaterlandes wurde der erklärt, welcher noch römische Gesinnungen zeigte. In einer Versammlung im Tempel wurden die nöthigen Maßregeln zum Kriege ergriffen. Jerusalem und die einzelnen Landschaften erhielten Strategen, welche die Kriegsrüstuugen betrieben, die Völkerschaften zu Einem Zwecke vereinigen sollten. Josephus wurde mit zlvei biedern Priestern, Joazar und Judas, nach Galiläa geschickt, um diese wichtige Landschaft, in welche zuerst die Römer wieder eiufallen würden, zu regieren. Er sorgte nach feiner Ankunft, sich zuvörderst des Wohlwollens der Einwohner zu versichern, wählte siebenzig von den Einsichtsvollsten und Erfahrensten des Volks zu Regierungspersonen voil ganz Galiläa, sieben in jeder Stadt zu Richtern über unerhebliche Händel; wichtigere Sachen und Capitalverbrecheu befahl er, an ihn und die Siebenzig gelangen zu lasseil. Dann befestigte er die tauglichen Plätze mit einer Mauer, wie Jotvpat, Bersaba u. a., verschanzte die Höhlen am Genefar, die Felsen in Obergaliläa, errichtete um Gamala, Seleucia und Logane Festungswerke, erlaubte den Einwohnern von Sepphvris, auf eigne Kosten eine Mauer zu erbauen, wie dasselbe auch um Gischala voll einem Johannes, Sohn Levi, geschah, und rüstete endlich mit alten, zusammen¬ Jnteressen des Judenthums. gebrachten Waffen ein Heer von hunderttausend jungen Männern aus. Dieses Heer organisirte er auf römische Art, unterwarf die einzelneil Abtheilungen Dekurionen, Hauptmännern, Obersten und Generalen, die an der Spitze von zahlreichen Corps standen. Auch lehrte er sie, wie sie sich Signale geben sollten, wie der Schall der Trompeten sie iilS Treffen und aus demselben zurückriefc, wie die Flügel den Angriff machten und die Schwenkungen, wie mail, im Vvrtheile, sich zu dem Bedrängten wenden und den Ermatteten Hülfe leisten müßte, und schärfte ihnen alles ein, was zur Besonnenheit des Geistes und zur ausdauernden Beharrlichkeit des Körpers für Strapazen erforderlich war. Dabei sprach er hei jeder Gelegenheit von der trefflichen Disciplin der Römer, wie sie gegen Männer kriegen würden, welche durch Körperkraft und Geistesbesonnenheit fast die ganze Welt besiegt hätten. Als hinlänglichen Beweis ihrer Disciplin wollte er annehmeu, wenn sie jetzt, noch ehe sic dem Feinde gegenüber ständen, sich jeder widerrechtlichen Handlung enthielten. Denn die Kriege würden nur dann glücklich geführt, wenn die Krieger sich eines guten Gewissens erfreuten. Schlechtgcsinnte von Haus aus hätten nicht nur den anrückendm Feind, sondern auch Gott zum Widersacher. Die Revolution loderte in Galiläa in Hellen Flammen auf. In Tiberias waren Justus den Pistos und Josua beit Saphia die Seele der wüthenden Revolutionspartei, welche die Friedenspartei uiederdrücktc und voll Erbitterung gegen das römisch gesinnte Esepphoris war. Daß Josephus, als Statthalter von Galiläa, auf dessen Schultern die ganze Last der Verantwortung lag, eine zweideutige Rolle gespielt hat, lag gewiß in dem Umstande, daß er überzeugt war, daß gegen die Allmacht der Römer nichts auszurichtcn sei. Galiläa war in zivei Lager gespalten: Johannes von Gischala, den gescbwvrnen Feind des Josephus, auf der einen Seite, und Josephus mit seinem Anhänge auf der andern Seite. Josephus wurde von Johannes beini Shnhedrium in Jerusalem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.