Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 53 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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53 Flavius Josephus. Seine Zeit und seine Bedeutung ale Historiograph. Von Dr. M. Dnschak. ach dem Tode des Tiberius, welcher von einem Menschen nur die Gestalt, und seine Zeit unter Handlnnsien der ansgesuchtesten Grausamkeit und der unnatürlichsten Wollust getheilt hatte, wurde Casus Caligula römischer Imperator. Der Senat und das Volk hatten den Sohn des edlen Germanicus mit Freude anerkannt, die Prätorianer mit Jubel ausgcrufen. Man wähnte ihn da,uc berufen, die beim Tode seines edlen Vaters gesunkenen Hoffnungen neu zu beleben und in Erfüllung zu bringen. Vergebliche Hoffnung! Rom und die römische Welt wurden bitter getäuscht. Caligula war ein Ungeheuer ohnegleichen, das alle, selbst widerstreitende Laster vereinte, und bei welchem blos zweifelhaft war, ob Grausamkeit oder Verworfenheit oder Unsinn vorherrsche; er schien nur darum zu regieren, lim der Welt zu zeigen, „was alles die Menschen sich gefallen lassen" (Job. v. Müller). Seine Sitten war verworfen, seine Leidenschaften unbändig, seine Eitelkeit gränzte an Narrheit, seine Grausamkeit war tyrannisch, sein ganzer Charakter fürchterlich. Palästina wurde seit Herodes, diesen! Würger des makkabäischen Hauses, ein Spielball der römischen Kaiser und theilte die über den römischen Staat verbreiteten Wirren der Zeit. Schwer lastete auf dem Volke das drückende Joch der römischen Statthalter. Judäa, Samarien und Jdumäa waren zu römischen Provinzen herabgesunken; Herodes Agrippa, Enkel des großen Herodes — dieses Freundes der jedesmaligen siegenden Partei während der römischen Bürgerkriege — war Tetrarch von Trachonitis und hatte seines Vaters Bruder, Herodes Antipas, auch aus Peräa und Galiläa vertrieben. Dieser beweinte in Spanien des Kaisers Ungnade, und starb im fremden Lande ohne Ruhm und ohne Freunde. Petronius erschien mit einem Heere in Judäa, um in Jerusalem die Statue des närrischen Caligula zur Anbetung aufzustellen. Tie Juden versammelten sich mit Weibern und Kindern in der Ebene bei Ptolemais, folgten dem Petronius nach Tiberias, baten uni Schonung der väterlichen Sitte und des väterlichen Gesetzes, und erklärten lieber zu sterben, als ihre heiligen Gesetze zu verletzen. In einer solchen Zeit, im ersten Jahre des Kaisers Casus Caligula (37) erblickte Josephus das Licht, eine der hervorragendsten Persönlichkeiten und glänzendsten Erscheinungen in den Annalen der jüdischen Geschichte, ein seinem Charakter und seinen Thaten, seinem Wissen und Handeln, seiner Bedeutung und seines Werthes nach nicht gehörig gewürdigter, in dem Munde des Volkes nicht genug bekannter Mann. Seit dem fleißigen und gründlichen Anbau der jüdischen Geschichte gibt es wohl kaum mehr einen solchen Ungelehrten, der Josephus mit Josephin ben Gorion vertauschen möchte, welcher, selbst ein Fremdling auf dem Gebiete der Geschichte seines Volkes, Fabeln statt Geschichte schrieb; aber Josephus ist ungeachtet dessen noch wenig ini Munde unserer Nation geläufig. Joseph ben Matthia, gewöhnlich Flavins Josephus genannt, aus Jerusalem, stammte väterlicher Seite von priesterlichem, mütterlicher Seite von königlichem Geschlechts ab. An seinen: Stammbaume ist nicht zu zweifeln, weil zur Zeit des zweiten Tempels die Geschlechtsregister von den Hohenpriestern genau und sorgfältig geführt wurden. Diese wiesen nach, daß seine Ahnen zur ersten Abtheilung unter den vierundzwanzig Ordnungen der Priesterschaft, die nach David's Anordnung abwechselnd eine Wochelang den Gottesdienst verrichteten, gehörten.*) *) ^eben 1, AlterLH. 16, 7. 1.