Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 54 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Sein Vater, der Priester Matthias, war angesehen und bieder, und hatte sich in Jerusalem der allgemeinen Liebe und Achtung zu erfreuen; seine Mutter war die Enkelin des ersten Hohenpriesters aus der Hasmonäischcn Königsfamilie. Zugleich mit seinem Bruder Matthias in Jerusalem sorgfältig erzogen und unterrichtet, ragte er schon irr einem Alter voir vierzehn Jahren geistig hervor, und erntete schon in diesem zarten Alter bei den Zusammenkünften der Hohenpriester und der ersten der Stadt Lurch seine tiefe Kenntniß der Gesetzeskundc Lob und Beifall ein. Zn den Zeiten unserS Josephus gab es im jüdischen Volke drei Sekten, welche sich in theologischer, philosophischer und auch in politischer Beziehung voneinander unterschieden; es waren dies die Pharisäer, Sadducäer und Essäer. Joseph wollte, che er sich zu einer dieser Sekten bekannte, prüfen und das Beste behalten; er wollte ihre Anschauungen, Lehren lind Marimen bei ihnen selbst durch eigne Ansicht und Erfahrung, durch eigne Anschauung und Ueberzcugung kennen lernen. Wie der biblische Joseph, so war Josephus siebenzehn Jahre alt, als er anfing die Reden und Handlungen seiner Brüder zu prüfen und nicht ohne Beschwerde davon Kunde zu erhalteil. Die essäische Sekte machte wegen ihrer strengen Lebensart und stoischen Tugend den mächtigsten Eindruck und sprach ihn am meisteil an. Er wurde der Jünger eines gewisseil BanuS, der in einer wüsten, menschenleeren Gegend lebte, sich in Baumbast kleidete, von Feldfürchten nährte und sich, nach Essäerweise, täglich in kaltein Wasser badete. Diesem Banns gesellte sich Joseph zu, und verweilte drei Jahre bei diesem Schwärmer, dessen Resignation, dessen reines und tadelloses Leben seine Achtung und Bewunderung erregte*), bis er endlich zu erwägen anfing, daß das Anachorctenleben jede Thatkraft lähme, mld daß die höchste Tilgend eines Eremiten, der zum Nutzen der bürgerlichen Gesellschaft nichts beiträgt, nicht Tugend im eigentlichen Sinne des Wortes genannt zu werden verdient. Er kehrte daher nach Jerusalem zurück. Hier in der Metropole schenkte er deil Staatsgeschäfteil und dem öffentlichen Leben seine Aufmerksamkeit, und schloß sich der Lehre und dem Leben der Pharisäer an. Joseph's Lerubegierde trieb ihn auch an, sich die griechische Sprache und griechische Bildung allzueignen; er tadelte seine Landsleute, daß sie die griechische Literatur verschinäheteu uud nur aus Kenntniß ihrer Gesetze und Auslegung der Schrift Werth legten. Mit vieler Mühe erlernte er das Griechische, konnte sich aber die Anssprache nach jahrelanger Beschäftigung nicht aneignen. Auch im Verständnis; des Griechischen war er nicht Meister, und mußte sich bei Abfassung seiner griechischen Werke von griechischen Kundigen Helsen lasseil. Er kann sich aber nicht genug darüber wundern, daß zu seiner Zeit, wo man durch Herodianer die griechische Sprache in Palästina eben so einheimisch wie in Syrien glaubeil sollte, kaum zwei oder drei Judäer griechisch verstanden haben.*) Bald bekam Josephus in Jerusalem Gelegenheit, seine Thätigkeit zn beweisen. Der römische Statthalter Felix ließ einige seiner Freunde, Priester, redliche und rechtschaffene Männer, auf eine unbedeutende Veranlassung hin verhaften und nach Rom schicken. Josephus hatte es gehört und war von dem Wunsche beseelt, ihre Rettung zu erwirkeil, um so mehr, als er zugleich von ihrer Glaubenstreue und von ihrer unerschütterlichen Anhänglichkeit an den Glauben ihrer Väter vernahm, daß sie sich nur von Feigeil und Nüssen in ihrer Gefangenschaft nährten, und jede verboteile Speise zurückwiesen. Er unternahm die Reise selbst nach Rom. Er war 21 Jahre alt. Bald hätten die Gefahreil der Seereise seinem Leben ein Ende geinacht. Die Wellen des Adriatischen Meeres drohten in einer sturmbewegten Nacht dem Schiffe den Untergang, und nur mit Noth waren 80 der 600 Schiffsbewohner im Stande ihr Leben zu retten, indem sie beim Ende, Alterth. Nr. 1, ü. *) Leben, Alterth. 16, 7. 1.