Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 45 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in China. 45 2> Tsinsoo oder ergänzende Bücher,! auch Ha-foo-ta-la <Haftara> ge-! nannt; darin sind einige Kapitel aus den Büchern Josua, Richter, Samuel, Könige lind den Propheten.; -4 s Geschichtliche Bücher, als Esther, Esra, Neheiniah, vier oder fünf der erstell Kapitel der Chronik, zwei Bücher der Makkabäer, Matkathi genannt. Das letztere ist so wie die andern in hebräischer Sprache geschrieben und besindet sieb in schlechtem Zustande. 4) Keang-chang oder die Erklärer. Diese Bischer sind sckon vielfach verlöscht und haben ihre Ueberschristen verloren. Die kurze Zeit, die die Missionäre dort zubrachten, gestattete leider keine nähere Prüfling dieser unschätzbarer Bücher. Es wäre ein mehr dankwürdiges Geschenk an die Wissenschaft gewesen, wenn inan aus diesen Schriften einiges mitgetheilt hätte, anstatt daß man blos einige unbedeutende Varianten und Eigenthümlichkeiten der Bibelhandschrift verzeichnet hat. :>j itepae, d. h. Ritualbücher, fünfzig an der Zahl; eines derselben führt den Titel: „Das beständige Abendopfer." Auch aus diesen Inschriften, welche wahrscheinlich Gebete, Vorschriften über das Gebet und andere, den ftmagogalen Ritus betreffende Gesetze enthalten, ist — wir müssen abermals ein schweres „leider" hinzufügen — uns noch gar nichts bekannt geworden. Die Propheten besitzen sie wahrscheinlich vollständig, lind die zweite Klasse der Teinpelschriften enthält wohl nur die zu den sabbatlichen Vorlesungen nothwendigen Stücke. Ganbil suchte, als die Juden ihn auffvrderten, aus dem Ha-soo-ta-la-Buche zu lesen, das dreizehnte und vierzehnte Kapitel von Jesaia auf, um in deren Erklärung seiner Mission, das Christenthum zu verbreiten, einige Erfolge zu gewinnen, lind schloß, weil er sie dort nicht fand, mit Unrecht daraus, daß sie auch wirklich im Tempel nicht vorhanden sind. Die Bücher Job, Sprüche, Koheiät, Echa und Ruth fehlen, ebenso auch die Psalmen; vielleicht daß letztere. als dem David angehörend, sich mit den Büchern Samuel und Könige in einem Bande befinden. Aus dem Umstande, daß die Juden von den todten Beinen erzählen, die, aus Ezechiel's Wort belebt, in ein großes Heer sich verwandelt haben, wollte Gvzani erkennen, daß auch das Buck Ezeckiel ganz vorhanden sein müsse, ohne zu wissen, daß dieses Kapitel nack dein allgemeinen ftmagogalen Ritus eine Haftara bildet, und daher auch bei ihnen blos für sich in dem Ha-soo-ta-la-Buche enthalten sein kann. Merkwürdig ist die Hartnäckigkeit, mit der die chinesischen ftuden jede Einsicht in ihre Schriften abweisen. Monate lang machte Domenge die verschiedensten Versucke, um eine Abschrift von den Büchern der Makkabäer zu erhalten, aber alle blieben erfolglos. Ein gewisser Rgai-ven aus Kaifungfoo batte ihm wohl für eine ansehnliche Geldsumme eine Abschrift der Tsin-fvo versprochen; indeß wurde seine Absicht seinen Glaubensgenossen verratheu, er mußte sie aufgebeu und erhielt überdieß nock eine strenge Rüge, in der die Worte vvrkamen: „Wer seine Schrift verkauft, verkauft seinen Gott." Ein anderer Jude, Namens Kavting, hatte Aehnliches versprochen; er verlangte offen von dem Rabbi ein schöngeschriebenes Gesetzbuch, das er selbst von seinem Oheime geerbt und der Synagoge geschenkt hätte; auch er ging mit dem bloßen Schnupf von dannen. Es gab auch Schriften, namentlich Pentateuche, in den Händen von Privatleuten. Solche pflegten damit gewöhnlich den Tempel zu beschenken, und dies wurde ihnen so hoch angerechnet, daß sie zeitlebens aller Verpflichtungen gegen die Gemeinde entbunden waren; man will wissen, daß solche Spender dann in der Beobachtung ritueller Vorschriften lässiger als alle andern sind. Einst sammelte die chinesische Regierung Abschriften von heiligen Büchern aller Religionen des Kaiserthums, und mit diesen wurde dann auch eine hebräische Bibel irr Peking ausbewahrt. Die Jesuiten erwirkten sich einst die Erlaubniß, in diesen