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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 44

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 44 (sequence 52)
Language
German
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44 Illustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthnms. gedächtniffc Mosis gewidmete Gesetzesrolle trägt; alle sind in seidene Umhängetücher gehüllt. An der westlichen Mauer erblickt man hier zwei Tafeln, auf denen in goldener Quadratschrift die Zehn Gebote zu lesen sind. Zur Seite eiuer jeden Tafel steht ein Schrank, in welchem alte Bücher aufbewahrt werden, und vor beiden sind auf zwei Tischen Candelaber und Blumenvasen aufgestellt. An einem Gitter, welches die Synagoge von dem Allerheiligsten trennt, hängt der Synagogenkalender, der ein Verzeichniß der an jedem Sabbat zu verlesenden Pentateuch-Abschnitte der Reihe nach enthält. Man kann aus dieser Beschreibung des Tempels sehr viel behufs der Vergleichung mit dem Qpfertempel zu Jerusalem und den Bethäusern der späteren Juden, herausheben, und zugleich Argumente für die Zeit der Ansiedelung gewinnen. Ueber die bei ihnen geltenden Glaubensansichten und Zeremonien läßt sich aus den früher erwähnten Missionsberichten Folgendes entnehmen: Die Juden in China glauben an Gottes Einheit, an die Offenbarung der Lehre, an die Hölle, an eine Art von Läuterung der Seelen nach dem Tode, an die Änserstehung, an ein allgemeines Weltgericht und an die Herrschaft der Engel. Den Messias erwarten sic sehnlich, und führen mit Bezug darauf sehr oft die Schriststellc „lüja selluatells, Kiwitt mlmwi" sauf deine Hülfe hoffe ich, Ewiger) *) im Munde; übrigens geben sic, wenn man sie über Art und Form dieser einstigen Erlösung befragt, keine Antwort; wie oben bereits erwähnt, wird dieses Ereigniß nach ihrer Ansicht erst nach Verlauf von zehntausend Jahren eintreten. In einem heidnischen Tempel schwören sie nicht und habeil überhaupt eine Abneigung gegen jeden Götzendienst. Ihr Bcthaus darf nur barfuß betreten werden; sic richten beim Gebet ihr Gesicht westwärts gen Jerusalem und hüllen während desselben ihren Kopf in ein blaues Tuch, das zuweilen auch durcb ein weißes ersetzt wird. Der Vorleser der Wochen- Gen. t!g ln. abschnitte zieht über sein Haupt einen Schleier und trägt eine rothseidene Schärpe, die, von der rechten Schulter herabhängend, hinter dem linken Arme befestigt wird. Nach einer alten, wohl nicht ganz ihrer Bestimmung gemäß festgehaltenen Sitte steht neben dem Vorleser ein Corrector, und hinter diesem noch einer. Die Gebete werden gewöhnlich von der Gemeinde gesungen, ohne daß einer in einen Gebetmantel gehüllt ist. Sie halten die Beschneidnng, das Passahfest, das Fest der Laubhütten und der Gesetzesfreude; auch den Versöhnungstag haben sie. „Alljährlich", sagte ein Jude ans Kalfungfoo, „kommen wir einmal zusammen, um gemeinschaftlich zu fasten und zu weinen." Die Sabbatfeier ist sehr strenge; an diesem Tage wird stets aus dem Wochenabschnitt vorgelesen, und zwar aus der von den dreizehn Gesetzesrollen, aus welche gerade das Los fällt. Ihre Gelehrten beschäftigen sich mit der Bibel und ehren zuweilen auch das Andenken des cbinesischen Religionsgründers Konfutse. Der vierbuchstabige Gottesnamc wird nicht ausgesprochen, und wenn die Inden chinesisch schreiben, so setzen sie für selben gewöhnlich die Worte „Himmel", „oberster Herr" und ähnliche Bezeichnungen. Von der Art, wie sie die Speisegesetze halten, ist so viel bekannt, daß sie das Fleisch von Einhufern essen; daß die Fleisch zum Genüsse liefernden Thierc geschlachtet werden müssen, läßt sich ans dem bereits Dargestellten entnehmen. Außer den dreizehn Gesetzesrollen, welche Ta-king oder Tcmpelschriftthum heißen und zwei Fuß lang und ein Fuß breit sind, besitzt die Synagoge von Kalfungfoo noch eine große Menge von genau viereckigen Büchern, welche zwischen vier bis sieben Zoll lang sind und, thcils neu, theils alt, sich sämmtlich in größter Vernachlässigung und Unordnung befinden. Die Juden selbst theilen diese Bücher in folgende Klaffen: t> Ta-king in dreiundfnnfzig Büchern, deren jedes einen für eine sabbat liche Vorlesung bestimmten Wochenabschnitt enthält.

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