Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 42 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Illustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Iudenthnms. die aber bereits zum Islam überge- Lreten sind. In Europa riefen diese Nachrichten Bewunderung und 'Neugierde hervor. Man wußte dock nicht, wann die Juden sich dort angesiedelt haben, woher und wie sie dorthin gekommen, welche Lebensweise sie führen, in wel-L (her Form dort der.Mosaismus sich entwickelt. Diese und noch viele andere Fragen mußte man ihrer Lösung entgegenführen. Die chinesischen Juden besitzen, wie berichtet wurde, eine sehr alte Bibel. Diese entbält doch — so vermuthete man — gewiß viele verschiedene Lesearten, die über dunkle Stellen ein Licht verbreiten können; die Form der Buchstaben, die Vertheilung des Inhaltes, die äußere Form derselben allein scbon konnte ja der Eregefe und Alterthumskunde in verschiedenen zweifelhaften Punkten den lange gesuchten Aufschluß geben. Historiker , Philosophen und Tbeologen waren auf nähere Nachrichten gespannt; die berühmten Orientalisten Walton und Jablonsky gaben in ihren Schriften dem allgemeinen Verlangen nach einer Abschrift aus der Bibel der chinesischen Juden auf das Eindringlichste Ausdruck. Trotzdem hielt sicb eine Misst onsgesellfchaft sechs Jabre in Clnna auf, ohne mit den Juden in nähere Verbindung zu treten; die Besuche, welche die spanischen Misionäre Rodriguez de Tigueredo und Christian Enriquez den Juden in Kalfungfoo machten, waren ebenfalls zwecklos. 1702 kam Gozani nach China mit dem Vorsatze, 'über die Juden daselbst nähere Erkundigungen einzuzieben. Sein Mangel an Kenntniß der hebräischen Sprache und andere eingebildete Schwierigkeiten hielten ihn zwar anfangs von der Ausführung feines Vorbabens ab; im Jahre 1704 reifte er aber zufolge einer aus Ron: erhaltenen Instruction nach Kalfungfoo. Dort knüpfte er mit den Juden freundliche Begebungen an; sie besucbten ihn; er kam in ihre Synagoge, als gerade alle zum Gebete versammelt waren; man zeigte ihm die Bücber, die sich dort befanden, und führte ibn in eine Abtheilung, die sonst nur der Rabbiner betreten durfte; er erhielt wichtige Auskünfte über ihre Schriften, ihre Geschichte und über die bei ihnen geltenden religiösen Bräuche und Ceremonieu. Gozani eopirte auch die auf den Mauern angebrachten Inschriften und sendete die Copien nach Rom. Noch lieferten später Domenge eilten Abriß der Synagoge und Gaubil abermals eilte Copie der Mauerinfcknäften, bis die Missionäre im Jahre 1720 auf kaiserlichen Befehl China verlassen mußten. Tychsen und Kenicott, letzterer als Bibelkritiker besonders berühmt, macbten späterhin Versucbe, in den Besitz voll Abschriften der in der Synagoge von Kalfungfoo befindlichen Bibel zu gelangen. Dychsen beauftragte damit einen gewissen T. Pigorr, der eben auf einer Reise nach Kanton begriffen war, und bekam dann von demselben ein Schreibelt, in bellt viele Versprechungen gemacht wurden, ohne daß er auch nur eins einhielt. Kenicott sendete, weil er Leseartelt aus allen ibln zugänglichen Bibelhandschriften sammelte, selbst zwei Briefe nach Kalfungfoo, erbielt aber keine weitere Nachricht, als daß die Briefe richtig angelangt seien. Im Jahre 181ö sandte die jüdische Gemeinde zu London einen bebräischeu Brief alt die Gemeinde von Kalfungfoo; der Brief kam nach China und wurde daselbst zur Beförderung in die genannte Stadt einem Manne übergeben, der auch Antwort bringen sollte; aber er kam auf das Gerücht von einem in der Nähe ausgebrochenen Aufstande nicht wieder, und seitdem hat man aucb weiter nichts Erhebliches über sie erfahren. Im Folgenden soll zuerst von ihrer Synagoge und ihren > religiösen Einrichtungen, und dann von Ihrer Literatur die Rede seilt, worauf zum Schlüsse die spärlichen Reste ihrer! Geschichte zusantmengetragen werden. ' Die Synagoge ist drei- bis vierhundert Fuß lang und etwa einhundertfunszig Fuß breit, und in vier Äbtheilungen geschieden. In die erste gelangt mait durch einen großen und schönen Thorbogen, welcher mit chinesischer Schrift in goldenen Lettern die Worte: „Gewidmet dem Schöpfer und