Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 41 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in China. 41 sehen. Er bezeichnte sich selbst als einen Israeliten — den 'Namen „Jude" kannte er nicht — Namens Ngai aus Kalfungfoo, der Hauptstadt der Provinz Honan. Er sagte, er sei nur, mn die Prüfung zur Erlangung eines Mandarinen-Postens abzulegen , nach Peking gekommen, aber Neugierde und eine gewisse Ahnung der Verwandtschaft habe ihn zu einem Gange in das Missionshaus bewogen. Aus seinen Aussagen ging hervor, daß in seinem ebengenannten Wohnorte zehn oder zwölf israelitische Familien sich aufhalten, daß sie einen schönen, noch nicht lange her mit einem großen Kostenaufwande restaurirten Tempel besitzen, in welchen sich eine fünfhundert Jahre alte Gesetzesrolle befinde; in der Hauptstadt der Provinz Bhekeang, Hangchowfoo, leben, wie er weiter sagte, nocb viel mehr Inden, welche ebenfalls ein Gotteshaus besitzen. Dieser chinesische Jsraelite war auch mit der biblischen Geschichte ziemlich bekannt, sprach aber deren Namen in ganz eigenthümlicher Weise aus. In einer hebräijchen Bibel, die Ricci ihm vorzeigte, konnte er nicht lesen, wiewol ihm die Schriftzeichen nicht fremdartig schienen. Mit seiner Angabe, daß das Studium der hebräischen Sprache bisjetzt noch immer von dem Volke betrieben würde, und daß sein Bruder darin bedeutende Fortschritte gemacht habe, verband er das Geständniß, daß er aus Vorliebe für die chinesische Sprache, welche ihm schon eine Rüge des Rabbi eingebracht, die Sprache seines Volkes vernachlässigt habe; sein Ehrgeiz, dem in China kein Äusnahmsgesetz entgegentrat, hatte von dein Studium der crsteren auch viel mehr zu erhoffen. Drei Jahre hierauf entsendete Ricci einen zum Christenthurne bekehrten Chinesen nach Kalfungfoo mit dein Aufträge, die Wahrheit der von dein Israeliten gemachten Angaben näher zu untersuchen. Der Bote, der sich seines Auftrages mit Treue entledigte, bestätigte das dem Missionär bereits Bekannte und brachte die Endworte der fünf Bücher Mosis abschriftlich mit sich. Ricci verstand das Hebräische nicht, aber um so besser das Chinesische. In dieser Sprache richtete er ein Schreiben an den Rabbiner von Kalfungfoo, worin er ihm anzeigte, daß er alle Bücher des alten Bundes besitze, wie auch die des neuen, in welchen: die Thaten des bereits erschienenen Messias erzählt werden. Der Rabbi hatte nichts Angelegentlicheres zu thun, als das Schreiben zu beantworten. „Der Messias", schrieb er, „ist noch nicht gekommen; es ist vielmehr sicher und gewiß, daß er erst in zehntausend Jahren kommen wird." Der Ruf des geehrten Schreibers sei übrigens schon zu ihm gedrungen, und er sei bereit, ihm die Leitung der Svnagoge zu übertragen, wenn er sich nur des Schweinefleisches enthalten und in der Gemeinde wohnen wollte. Andere drei Juden, die der Missionär, um sie seinen: Glauben zu gewinnen, vergebens mit einen: in chinesischer Sprache geschriebenen Compendium der christlichen Glaubenslehre beschenkt hatte, schilderten ihre Gemeinde als den: Unter - gange nahe, einerseits wegen der Vernachlässigung der hebräischen Sprache, und andererseits, weil ihr Rabbiner schon längst in einen: bohen Alter gestorben sei und als Erben seiner Würde einen Sohn zurückgelassen habe, wel cher in der jüdischen Religions Wissenschaft wenig bewandert ist. Nach einer Angabe Trigaut's, der Ricci's Missionsberichte in einer Schrift „Ueber die christliche Expedition bei den Chinesen"") veröffentlicht hat, sollen jüdische Frauen in China die Beschneidung eine grausame Sitte genannt und sick über ein Verbot, selbst Thiere zu schlack ten, das sie schon bald dem Hungertode preisgegeben hätte, bitterlich be klagt haben. Im Jahre 1613 besuchte ein anderer Missionär, Julius Alene, die Stadt Kalfungfoo, und berichtete nichts mehr, als daß er alles so gefunden habe, wie Ricci es dargestellt hat. Alvaro Semedo berichtet, er habe voi: einem Mohamedaner in 'Nanking erfahren, daß dort vier jüdische Familien gelebt haben, 1)6 OkridUrznÄ ex^eäüiouv ^«.rck