Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 40 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Einflüssen entzogen, ja er ist in die ' Denk- und Lebensweise der Völker, ' unter denen er lebte, friedlich einge- ' gangen und hat sich selbe, wenn sie seiner Geistesrichtung zusagten, nicht selten völlig angeeignet. Die nationalreligiöse Idee ist nicht so wie bei anderen Stämmen an die Gesammtheit gebunden, und wurzelt so mächtig in den Herzen der einzelnen Volksglieder, daß ihre Saaten überall ausschießeu und die Frucht liefern, von der ihre Pfleger zehren und dadurch sich in dauernden: Bestände erhalten. Die Geschichte des jüdischen Volkes weist auch nicht ein einziges Beispiel auf, daß eine größere oder kleinere Gesammtheit von Individuen sich bewußtlos in den Strom der Geschichte hineiureißen ließ und jede Spur seiner Herkunft verlor oder aufgab. Man hat in Äbyssinien, Indien und Junerasien zu wiederholten Malen Volksstämme airgetroffen, die in ihren Sitten und Bräuchen eine auffallende Verwandtschaft mit den Juden bekunden, unverkennbare Spuren ihrer Herkunft an sich tragen: es sind von ihrer Heimat versprengte jüdische Stämme, die sich zu unbekannten Zeiten in jenen Gegenden augesiedelt und heimisch gemacht, unter Völkern, die sich der Rasse und Religion nach von ihnen unterscheiden, ihren Stammcharakter geschlitzt und erhalten haben. In auffallender Weise bekundet sich aber der Kosmopolitismus des jüdischen Volkes im Bunde mit dem instinctiven Streben nach Erhaltung des Nationalgeistes bei den Juden, die in China leben. Unter den Chinesen, welche zu einer über die weltgeschichtliche Erinnerung weit hinausreichenden Zeit aus der menschlichen Gesammtentwickelung hinausgetreten, und aus' sich eine von derselben völlig unabhängige Cultur herausbildeten, unter diesem Volke, das ein Drittheil der Bewohner Asiens ausmacht, das kein fremdes Volkselcment in seinem Lande duldet, unter diesen: Volke leben Juden, die mit ihren übrigen Glaubensgenossen seit ihrer Aussiedlung in China Nicht in Verkehr gestanden sind, und doch die jüdische Lehre Jahrhunderte hindurch erhalten haben. Ein Absenker des jüdischen Stammes in dem Lande des Hoangho und des Jantsekiaug verdient es wohl, daß wir ihn: unsere Aufmerksamkeit in diesen Blättern zuwenden. Die erste Kunde von Juden in China erhielt der Missionär Matthäus Ricci. In: Jahre 1602 bot sich ihn: nämlich ein Mann dazu an, ihm aus der neulich in der Hauptstadt Peking veröffentlichten statistischen Liste die Anzahl jener Fremden anzugeben, welche, obwol nicht Mohamedaner, doch den Einen Gott verehren. Ricci führte ihn in das Missionshaus; der Fremde trat ein und gab sich im Lause des Gespräches für einen Glaubensgenossen seines Gastgebers aus. Dieser überraschenden Erklärung mochte der Missionär anfänglich keinen Glauben schenken, da er aber, den Fremde:: mit Aufmerksamkeit betrachtend, in seine:: Gesichtszügen einen von den: chinesischen gründlich verschiedenen Typus gewahrte, so wurde ihm dies doch wahrscheinlicher, und er ließ den Fremden in die Missionskapelle eintreten, um zu sehen, wie er sich an dem Orte, der ihn: doch gemäß seiner Aussage heilig sein sollte, verhalten werde. Der Missionär, der ihn begleitete, verbeugte sich nach christlichem Gebrauche vor einen: übendem Altäre der Kapelle hängenden Bilde, welches den Stifter der christlichen Lehre und den vor ihn: knienden Johannes darstellte; der Fremde thal es ihm wohl nach, bemerkte aber zugleich, er wäre nie gewohnt gewesen so zu handeln, aber hier könne er nicht umhin, den: Lande seiner großen Ahnen die gebührende Verehrung zu zollen. Ist dies nicht ein Bild der Zwölf? fragte der Fremde, als er in ' derselben Kapelle neben de»: Altäre ein Bild der vier Evangelisten bemerkte. Ricci bejahte dies und bemerkte, daß dies „Apostel" wären. In: Verlaufe des Gespräches stellte es sich zu Ricci's Verwunderung beraus, daß der Fremde ein Jsraelite sei, der die Bilder sich nach eigener Vorstellung erklärt batte; das erste hielt er für eine Darstellung der Rebekka, vor der Jakob niederkniet; in de»: zweiten glaubte er ein Portrait von vier Söhnen Jakob's zu