Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 34 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Jllustr. MonatSH. für die gej. Interesse» deS Jutzenthums. das Auge trübe, den Blick scheu, die Glieder schlaff, kein Manu. Er siebt aus, als ob das entflohene Leben nur noch einen kleinen Rest in seinein baufälligen Körper zurückgclassen hätte, .in welchem Sehnen und Muskeln alle Elasticität verloren baben, ehe sie das Alter erschlaffte. Entbehrung und Sorge, Mangel an Luft und Bewegung baben von der Zeit ibr Zersiörungswert übernommen und diesen Mensckeu, der noch mitten im Leben steht, zur Ruine gemacht. Dürftig und abgenutzt wie sein Ausseben ist sein langes sckwarzes Gewand, die Pelzmütze, die er aus veni schlechtgepflegten Kopse trägt, und seine Fußbekleidung. Beim Anblick der Soldaten ziebt er seine säst baarlose Kopfbedeckung, obne sieb zu nähern. „Gittel, mein Weib, wir baben zwei Söllner bekommen? " „Haft du dock zwei Augen im Kopse und fragst nock!" „Sei nicht bös', Gittel, mein Weib; icb habe sie sa nickt eingeladen." „Rock einladen bättesi du solle»! Hast du was verdient?" „Ja; es war eine Iabrzeit. Ick bade zwanzig Kreuzer erballen." „So gib ber, damit ich für das Kind was koche." „Und für die Herren Söllner?" ,, Ich kann nickt geben, was ich nicht babe. Das Kindleben ist krank, und ick selbst babe beute nicht einen Bissen gekostet. Setze dich an die Wiege-und gib mir das Geld." „Das habe ick nickt mehr, Gittel." Die arme Frau ist dem Umsinken nabe. „Ich habe eine Misise gekauft", führt der Mann fort, „denn die unsere hier ist pußel." Damit zieht er eine kleine Pergamentrolle und beginnt sie au der Thürpfofte zu befestigen. Die Frau erwidert nickts, denn gegen ein solckes Gebot der Nothwendigkeit läßt sich nichts einwenden. Eine pußle Misise im Hause ist schlimmer als Armuth; über eine Schwelle, an der keine correcte Msise Wache hält, schreiten unbehindert Jammer, Unglück und alle bösen Geister. „Habt Ihr uns was gekocht?" wiederholt der Soldat, den das unglückliche Los getroffen, in diesem Hause einquartiert zu werden. „Wir haben selbst nichts", erwidert die Frau uumiithig, „und bätten wir was, wir würden es selber essen." „Gittel, mein Weib", schreit der! Mann, erschrocken über so viele Kühn-! beit, „mit Söllner» ist nickt zu spaßen!"! „Macht's einem andern weiß", ruft >der Soldat, „ich kenne die Juden. Alle sind sie reich, und stellen sich, als ob sie sick nie satt äßen. Im Kasten da babt Ihr gewiß Gold, Silber und Perlen, aus dem Herd aber kein Feuer - und kleidet Euch in Fetzen, Ihr Knicker!"! „Antwort' ihm nickt, Gittel, mein! Weib, ick beschwöre dick!" ruft der Klausner, sick au die Seile seiner! Ehehälfte drängend. Er wird dir, bebüte Gott, ein Leid anthun." „Mein Kasten ist offen", versetzt zum Schrecken ibres Mannes die Frau; „nehmt Euck daraus das Gold, das Silber und die Perlen, und laßt mir nur so viel, um meinen Kindern eine Semmel und ein Lickt für die Nackt Jause» zu können." „Das sagen sie alle", sagt der Soldat, seine Pfeife stopfend, „und alle baben sie Geld. Gib mir ein Streichhölzel, Iud'!" „Herr Söllnerleb", flüstert der s Mann schüchtern, „seien Sie nickt bös', wir haben das nickt. Nie." „Und wenn du selber eine Pfeife anzünden willst?" „Ich? ick rauck' nickt, fragen Sie Gittel, mein Weib." „Und wenn Ibr ein Licht braucht?" „Da zünden wir es gegenüber bei Iossel, den, Sckneider, an." , „Tragt Ihr Euer Holz auck zu! Iossel, dem Schneider, es anzubreunen, wenn Ihr Feuer brauckt?" „Nein, Herr Söllnerleb, da holt mein Weib einen Topf glühender Kob len, uni damit Feuer anzumachen." „So soll dein Weib auch jetzt ins Teufels Namen Kohlen holen! Sapperlot! Iud', glaubt er, wir seien hergekommen, um dein und deines Weibes Geplärr anzuhören?" schreit der Soldat, hungerig und ungeduldig geworben; „macke,