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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 33

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 33 (sequence 41)
Language
German
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Aus den untern Schichten. 33 und an was sonst ein Kreuzer zu verdienen isst von Hans zu Haus, Stiege auf und nieder, daß ich oft zusammenbreche unter der Last der Körbe, die meine ganze Armuth enthalten; aber ich! bettle nicht, wenn ich meinen Kindern; ein Stück Brot heimtragen kann. Seit ich aber an der Wiege meines tranken Kindes sitzen muß, ist der letzte Heller! aufgezehrt, kann ich mich nicht einmal! entfernen, um zu borgen oder zu! betteln."! „Und dein Mann verdient nichts st"! „Fast nichts. Seit lange schon bat er nichts verdient, ist kein Reicher ge-! storben und hat kein Reicher Hochzeit geinacht. Sonst braucht man ja den Klausner nicht." „Ich war im Spitale, um Aufnahme für dein Kind zu bitten. Kinder werden nicht ausgenommen." „Kinder werden nicht ausgenommen! Wenn ich, die Mutter, erkranke lind' meine Kinder daheim nicht zurücklassen kann, bietet man mir ein Bett in der; Anstalt; wenn aber eins meiner Kin-! der krank wird mW mich hindert aus-! zugehen und Nahrung dafür zu suchen; wenn es hilflos hinsiecht lind vie Mutter sich ans Bett ketten muß, ohne helfen zu könne»; wenn, wie jetzt, -er Vater nichts erwerben, die Mutter nichts verdienen kann, oder das Kind keine Aeltern hat, so wird dem armen Wurm kein Plätzchen im Krankenhalls eingeräumt. Es soll ungeholfen vergehen!" „Liebe (Kittel, nur Gott kann für alles sorgen, nicht Menschen. Thun deine Rachbarn nichts für dich?" „Meine Nachbarn haben selbst nichts", erwidert das arme Weib. „O, hier im Hause wohnen keine Millionäre! Wir haben hier eine Frau mit einem I Kinde, von der ich nicht Geld annehmen würde, wenn sie es hätte und gäbe. Stolz ist sie wie eine Gräfin, obschon sie so arm ist, daß sie sich selbst am Sabbat nicht satt essen kann. Ich weiß nicht, ob sie nicht die Krankheit meines Kindes verschuldete, denn sie trägt, denken Sie sich, Rebezin, eigenes Haar. „Eigenes Haar?!" „So wahr Gott lebt! und glauben HUderg'H FUuflrirte Monatshefte, s, t. — Aprit iKt'.Z Sie, sie macht Schabbis, oder sie schickt das Kind ins Cheder? Nein, das Kind geht in die Schule, und sie ißt Ihnen am Samstag als wenn's ein Wochentag wäre." „Warum vermiethest du einer solcben Person dein Zimmer?" „Für das nächste Jahr vermiethe iw es ihr nicht, und wenn sie das Zehnfache zahlen würde. Wie oft schon habe ich dem Knaben Bilder zerrissen, die er zeichnet. Ein jüdisw Kind und Bilder zeiwnen! Das lernt mail in der Schule!" „Und Leine übrigen Einwohner?" „Die plagen sich auch sauer und bitter um ihr Stücket Brot. Beide arbeiten sie, beide darbeil sie . . ." Ein Lärm auf der Straße unterbricht die Frau. Das stille Güßchen bat siw schnell belebt, und ein von einem Eommunalbeamtett geführter Trupp Soldaten erscheint, gefolgt von einem Haufen zerlumpter (Kassenjungen, in demselben. „Einquartierung!" rufen die beiden Frauen entsetzt, und die Rebezin eilt binaus. In der That ist es auf dein Marsche befindliches Militär, welwes hier in Quartier gelegt werden soll, wobei natürlich die bequemen Häuser der vornehmen Einwohner, in denen mehrere Zimmer als Möbellager unbenutzt dastehen, verschont lind die Hütten der Armen, in welchen sich Bett an Bett drängt, für die durchreisenden Soldaten theilweise eonfiseirt werden. Zwei Soldaten treten klirrend ins Zimmer. Das erschrockene Kind bricht in ein Geheul aus; das arme Weib, das durchaus nicht für Gäste eingerichtet ist, bleibt wie zu Stein erstarrt. „Habt Ihr für lins was gekockt?" ruft einer der beiden Soldaten, Gewehr, Tornister und Sack auf ein Bett werfend. Ehe die Frau antworten kann, tritt ihr Mann in die Stube. Wenn man sich unter dem Worte Mann die Persvnisieation von Kraft lind Muth denkt, so ist dieser fahleverkommene, scklotterige Mensch, der siw in gebrochener Haltung hinswleift.

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