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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 29

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 29 (sequence 37)
Language
German
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Eine Mischehe. Aus den untern Schichten. 2S hätte und mir aus Eifersticht gegen Rosarka, aus Wuth darüber, daß ich sie immer unbeachtet ließ, sündhaft schlecht handelte, so müsse sie auch ganz allein die Folge tragen. Das j wolle sie auch, entgegnete sie. Sie habe alle Anerhietungen ausgeschlagen! und nun, da ich ihr einmal nicht ver-! zeihen könne, was sie in blinder Liebe gethan, so wolle sie für sich auch gar nichts mehr von mir, aber für ihr Kind wolle sie nur den Bater. Die Tochter Rosarka's, sagte sie, sei ein Mädchen, welches ganz gut für Pepik passe. Sie habe sich aber mit einem armen Juden aus Zebus eingelassen, und ich gerade sei es, der dieses Verhältniß gegen den Willen der Mutter begünstige. „Sie verlangte, ich sollte nur für ihren Pepik sprechen. Bei der Mutter wolle sie es schon richten, und die Tochter müsse nachgeben, wenn alle Welt ihr abriethe. DaS aber wollte ich nicht. Der Zebuser, sagte ich, ist ein braver, fleißiger Mensch, Pepik aber ist ein Faulenzer, der sein Handwerk vernachlässigt, alle vier Wochen den Herrn wechselt und sich mit Motz und Niasni und anderm schlechten Volk umhertreibt. „Daß er so geworden ist, verdankt er dir, rief Schmeilkowa, plötzlich in einen andern Ton übergehend, und wenn er noch schlechter wird, so ist es auch nur deine Schuld, weil du ihm den Schatz vorenthältst, den du aus der Fremde mitgebracht hast und für das Kind deiner Rosarka verborgen hältst. Und aus der Heirath mit dem Zebuser soll doch nichts werden, selbst wenn er sich taufen ließe; denn er hat nichts und sie hat nichts, und beide warten nur aus das, was du ihnen gibst, und ich will dich eher auf der Stelle umbringen, und nach dir die Rosarka und ihre Tochter und alle, die es mit euch halten, ehe ich das zugebe. „So schrie sie und siel mich wüthend an. Sie hatte ein Messer in der Hand, und da ich auf ihren Angriff nicht vorbereitet war, wäre ich vielleicht ihrer Wuth erlegen, wenn mein Hülferuf nicht zufälligem Nemezek herbeigeführt hätte, der in dem Ostrowgarten das Obst bewachte. „Aus Mitleid mit ihr machte ich hiervon keine gerichtliche Anzeige. Auch Hütte Rath Sankup ihr nickt viel zu Leide gethan, weil sie für ihn Spionirerei im Städtchen trieb. Aber sie verfolgte mich seither mit wüthendem Haffe und machte mehrmals den Versuch, Feuer bei mir anzulegen; sie zerstört, wo sie es kann, meine Pflanzen und Blumen, und ich kann nicht unbewaffnet aus dem Hause gehen." So erzählte mir der Invalide Mach die.Geschichte seiner Feindschaft mit der Schmeilkowa. (Fortsetzung folgt.) Au.? dm müml Schichten. Ein Lebensbild von Leo Härcherg-Frittlket. n einer engen, schmuzigen Gaffe, dem Ghetto der Armuth, steht ein niederes, hölzernes Häuschen, das die Zeit bereits morsch gerüttelt. Die kleinen, mit gekleistertem Papiere zum Theile geflickten Fenster sind schier dem Erdboden gleich, und wie durch den Eingang einer Höhle steigt man durch die niedere Thür in ein morastiges, ungedieltes Vorhaus, das, mit einem großen hölzernen Schlot über einem rohen Herd, als Küche dient, in der die armen Hausbewohner wol nur selten ein Feuer anzünden. Dies Haus hat nur Eine Wohnstube, düster, feucht und nieder, und trotzdem so zahlreich bevölkert, daß, wie die Leichen in ihren Grüften, die Einwohner hart aneinandergebettet liegen und nicht ein Streifen für eine Wiege zurückbleibt, die dem armm Kinde versagt werden mußte, das in einem an der Balkendecke an Stricken herunterhängendeu Korbe schläft. Das istdie wahre Stätte der Armuth, die sich hier in ihrem Hauskleide zeigt und

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